Seit letzter Woche ist die neue Berichtssaison am Laufen. Erste Zahlen über Umsätze, Investitionen und Neueinstellungen geben Antworten auf die Frage, wie nachhaltig der wirtschaftliche Aufschwung ist. Besonders interessant sind die Daten aus den konjunkturabhängigen Branchen Technologie und Transport, deren Veröffentlichungen in diesen Tagen anstehen.

Nicht blenden lassen

Die Unternehmensgewinne aus dem 4. Quartal 2009 werden zweifelsfrei höher als im Vorjahr ausfallen. Das ergibt sich allein aus der tiefen Krise, in der die Wirtschaft Ende 2008 steckte und die zu drastischen Einsparungen zwang. Dadurch wird verdeckt, dass die US-Unternehmen noch zu defensiv agieren und ihre Umsätze zu gering sind, um Anstellungen und Investitionen in Produktionskapazitäten zu rechtfertigen.

Das Anspringen des Investitionskreislaufs ist zentral für eine nachhaltige Konjunkturerholung. Lynn Reaser, Präsidentin der National Association for Business Economics, achtet deshalb auf die zyklischen Technologieunternehmen, die meist als Erste wieder in Fahrt kommen.

Investitionen in Computer und Netzwerke sollten gestiegen sein. Die meisten Analysten erwarten deshalb starke Zahlen in diesem Sektor. IBM wird seine Quartalszahlen vorlegen. Intel überraschte die Analysten mit 2,3 Mrd Dollar Gewinn. Trotzdem bleibt die Investitionspolitik der Unternehmen uneinheitlich. Ökonomen sehen die Ausgaben für neue Geschäftsgebäude weiter rückläufig. Auch Industriekonzerne kämpfen mit einer sinkenden Nachfrage. Der Sektor erwartet niedrigere Gewinne als im Vorjahr. Der Grosskonzern General Electric, der am 22. Januar seine Quartalszahlen vorstellt, blieb während der Rezession dank aggressiver Kostenkürzungen und der Konzentration auf seinen Dienstleistungsbereich profitabel. Das Anlagengeschäft des US-Mischkonzerns ging um 10% zurück. Analysten von Thomson Financial First Call erwarten einen Konzerngewinn von 25 Cent pro Aktie - im Vorjahr waren es noch 37.

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Die Ausgaben der Telekommunikationsunternehmen, die 2009 Milliarden Dollar in die Verbesserung ihrer Leitungen pumpten, werden nach Angaben von Avian Securities nur minimal steigen. AT&T wollen nur 1,5% mehr als die 17,5 Mrd Dollar im Vorjahr ausgeben, Verizon Communications fahren ihre Investitionen auf 16,6 Mrd Dollar zurück. Beide legen am Ende des Monats konkrete Zahlen auf den Tisch.

Standard & Poors erwarten für die im S&P 500 gelisteten Unternehmen einen Gewinnrückgang auf das Niveau von 2005. Die Umsätze steigen nur langsam, die erwarteten 2,03 Billionen Dollar Gewinn sind kaum besser als die 2 Billionen des Vorjahrs. Deshalb hüten sich die Unternehmen, neue Arbeiter einzustellen und zu investieren.

Private Haushalte sparen

Hohe Arbeitslosigkeit führt zu Einsparungen in privaten Haushalten. Das spüren auch die Hersteller von Konsumgütern. Das Weihnachtsgeschäft lief zwar besser als erwartet - die Elektronikkette Best Buy meldete im Dezember 13% Gewinnzuwachs - allerdings beruhten die Gewinne auf niedriger Lagerhaltung und geringen Preisnachlässen.

Auch die Berichte der Rohstoffkonzerne werden die Nachfrage nach konjunkturabhängigen Gütern wie Öl, Holz oder Metall widerspiegeln. Obwohl sich das operative Geschäft erholt hat, meldete Alcoa wegen einer EU-Strafzahlung unerwartet Verluste. Steve Odland, Vorsitzender von Office Depot, hat bei seiner Suche nach Konjunkturanzeigern besonders Hersteller von Wellkarton im Auge, die einen Nachfrageanstieg bei Konsumgütern früh bemerken. «Wellkarton ist ein Frühindikator», sagt er. Auch Spediteure, Eisenbahnen und Seefrachtunternehmen sind auf seinem Radar.