An der Schweizer Börse SIX sind Börsengänge aufgrund der angeschlagenen Finanzmärkte derzeit kein Thema. «Wir stehen zwar im Kontakt mit potenziellen Kandidaten, dies aber vor allem im Sinne einer langfristigen Planung», gibt SIX-Sprecher Werner Vogt Auskunft. Eine Zunahme der Aktivitäten wird aus heutiger Sicht frühestens im 2. Semester 2009 erwartet. «Damit befinden wir uns in guter Gesellschaft mit den europäischen Handelsplätzen», ergänzt Vogt.

Espace Real Estate und Acron

Anders sieht die Situation an der Berner Börse (BX) aus. Dort rechnet man im 1. Halbjahr 2009 mit drei Börsengängen, bis Ende Jahr sollen mindestens fünf Emittenten in das Börsentableau aufgenommen werden. «Es stehen verschiedene Kandidaten für die BX in den Startblöcken», erklärt Andreas Oberli von der Berner Börse.

Einer davon ist die Acron AG, die bis Juni den Kotierungsantrag eingereicht haben will. «Mit den Börsengängen von Acron Helvetia II und III ist keine Kapitalaufnahme verbunden. Wir erhöhen dadurch aber die Handelbarkeit für unsere Investoren», erklärt Kai P. Bender, Geschäftsführer von Acron Deutschland, einer Tochtergesellschaft der Schweizer Holding mit Sitz in Zürich. Als weiterer BX-Anwärter gilt die Immobiliengesellschaft Espace Real Estate, die den Schritt aber auch direkt an die SIX wagen könnte.

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Berner Börse richtet sich an KMU

Dass die Berner Börse im aktuellen Umfeld insbesondere bei Investment- und Immobiliengesellschaften eine bevorzugte Stellung innehat, ist kein Zufall. Grund dafür ist einerseits das seit 2007 geltende Kollektivanlagegesetz, welches börsenkotierte Kollektivgesellschaften von den direkten Steuern ausnimmt. Andererseits richtet sich der Berner Handelsplatz insbesondere an KMU und regionale Werte, indem die regulatorischen Vorschriften und die Gebühren im Vergleich zur grossen Schwester in Zürich tief gehalten werden.

Dies bringt den Gesellschaften erhebliche Kosteneinsparungen und senkt die Hemmschwelle für die Publikumsöffnung. «Sollte die SIX ihre Regulatorien wegen der Finanzkrise noch verschärfen, erwarten wir zukünftig eine Zunahme der Anfragen», ist Rolf Bigler, Leiter Aktienhandel BX bei der Berner Kantonalbank BEKB, überzeugt.

Wankendes Interesse

Doch alleine die Tatsache, dass neue Gesellschaften an der BX gelistet werden, macht diese für die Anleger noch nicht interessant. «Im Moment brauchen die Firmen eine gute Investmentstory, um die Investoren für sich zu gewinnen», weiss Bigler. Wie schnell ein durch ein Listing gewecktes Interesse erlahmt, zeigt das Beispiel der im vergangenen Jahr an der BX gelisteten Beratungs- und Marktforschungsgesellschaft CBC Schweiz. Nach anfänglich ansprechenden Volumina ist der Handel seit Mitte Dezember nahezu ausgeblieben. Dieser Gefahr ist sich auch Bender von Acron bewusst: «Wir haben Anzeichen, dass bestehende Investoren zum Verkauf von Titeln bereit sind», sagt er. Ob allerdings die Nachfrage vorhanden sein wird, sei angesichts des neuartigen Geschäftsmodells der Immobiliengesellschaft vorerst noch ungewiss.

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Acron bringt in seinen Firmen zwei einzelne Liegenschaften in Gstaad und Münchenbuchsee an die Börse und wird dazu Aktien im Wert von gut 9 resp. 7 Mio Fr. ausgeben. «Mit unserem Modell bieten wir den Investoren die maximale Transparenz. Sie können so selber entscheiden, in welche Immobilie sie investieren wollen», erklärt Bender.