Diese Frage kann nur Bill Gross selbst beantworten: Warum hat er nicht einfach Schluss gemacht, nachdem er sich einen Ruf als bester Anleiheninvestor aller Zeiten aufgebaut, Pacific Investment Management Co. (Pimco) zu einem Zwei-Billionen-Dollar-Giganten ausgebaut und dann einen Machtkampf mit seinen eigenen Kollegen verloren hatte?

Stattdessen verblüffte Gross die Finanzwelt im September, indem er zu Janus Capital Group Inc. in Denver wechselte. Der ehemalige «Anleihekönig» verwaltet jetzt weniger als ein Hundertstel des Volumens, für das er bei Pimco verantwortlich gewesen war.

Vergleich mit Football-Legende 

«Ein Grund warum ich das noch immer mache ist ganz einfach zu beweisen, dass ich es noch drauf habe», sagte der 71-Jährige in einem Interview im kalifornischen Newport Beach am 29. April. «So wie ein 38-jähriger Quarterback, der noch werfen und den Super Bowl gewinnen kann», fügte er mit Bezug auf die Football-Legende John Elway hinzu.

Wie die von Elway bei den Denver Broncos ist auch Gross’ Karriere als Manager des Pimco Total Return Fund aussergewöhnlich. Seit 1987, als Gross den Fonds ins Leben rief, hat er bis Ende des ersten Quartals 2015 im Durchschnitt 7,8 Prozent Ertrag gebracht, ein ganzer Prozentpunkt mehr als der Barclays U.S. Aggregate Bond Index.

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Aktuelle Performance enttäuschend

Bei Janus dagegen ist Gross’ Performance bislang eher enttäuschend. Der Janus Global Unconstrained Bond Fund, den er verwaltet, hat seit Jahresbeginn 0,3 Prozent verloren und ist damit schlechter als 92 Prozent der vergleichbaren Fonds, wie Daten von Morningstar zeigen. Zwischen dem 6. Oktober, als Gross das Ruder übernahm, und Ende letzter Woche hat der Fonds 0,8 Prozent verloren, was immer noch schwächer ist als 79 Prozent der Vergleichsfonds.

«Meine Vergleichsmarke ist, wie stark ich den Markt auf Tagesbasis outperformen kann», sagte Gross. «Wenn ich heimgehe, schaue ich mir diese Zahlen an und fühle mich entweder gut oder schlecht.»

«Unbeschränkte» Strategie 

Gross’ «unbeschränkte» Strategie erlaubt ihm, in verschiedene Anlageklassen wie auch Aktien zu investieren, um im Niedrigzinsumfeld die Erträge zu verbessern. In letzter Zeit habe er Arbitrage betrieben, um von bestimmten Aktienkurs-Unterschieden zu profitieren, so Gross. Er engagiert sich auch auf Auslandsmärkten, hat zum Beispiel jüngst gegen deutsche Staatsanleihen gewettet. Gross nutzt auch Derivate, um die Leverage zu erhöhen und nach Möglichkeit die Fondserträge zu steigern.

«Es ist nicht long-short, und es ist nicht gehedged», erklärte Gross mit Bezug auf bestimmte Investmentstrategien. «Es ist bloss eine andere Welt, in der die Erwartung ist, dass man nicht viel Geld verliert, aber vielleicht 4, 5 oder 6 Prozent schaffen kann.»

Clinch bei Pimco

In seinen letzten Jahren bei Pimco hatte Gross mit seinen Kollegen im Clinch gelegen. Manche mochten seinen Managementstil nicht, andere bemängelten seine zurückgehenden Erträge und waren zunehmend beunruhigt wegen der Abflüsse aus dem Total Return Fund.

Gross erklärte, er habe kein Interesse, ein «Pimco II» aufzubauen. «Mit 2 Milliarden Dollar ist es einfacher, Geld umzuschichten, die Liquidität ist ganz klar besser», sagte er im Interview. «Und Organisation und Entscheidungsfindung sind weniger lästig, wenn man eine Konsensprognose entwickeln muss.»

«18 Stunden am Tag»

Gross, der mit Pimco zum Milliardär wurde, hätte sich auch zur Ruhe setzen und sich auf seine philanthropischen Projekte konzentrieren können. «Mir gefällt nicht, wie ich bei Pimco ausgeschieden bin, aber ich habe mich nicht um die Verleumdungen gekümmert, dass ich wohl meinen Biss verloren hätte», so Gross. «Ich glaube nicht, dass ich den Biss verloren habe. Ich bin sieben Tage die Woche, 18 Stunden am Tag dabei.»

(bloomberg/tno)