Vom Reise- und Tourismusmarkt kommen im Moment nur positive Botschaften. In der Schweizer Tourismuswirtschaft wurde ein neuer Rekordstand bei den Logiernächten – dem aufgrund der langen verfügbaren Zeitreihen und vergleichsweise verlässlichen Erhebbarkeit wichtigsten Indikator – erzielt. Bis Mitte Jahr betrug das Plus laut BfS 4,6% gegenüber dem letzten Jahr. Dabei war schon 2007 gegenüber 2006 ein Wachstum von 4,4% erreicht worden.

Enttäuschende Euro 2008

Die Nachfrage von Inländern ist mit 3% gegenüber ausländischen Gästen mit 5,7% etwas mehr als halb so stark gewachsen. Einzig die Euro hat touristisch enttäuscht, wie von vielen kritischen Ökonomen schon vorhergesagt, war der Durchführungsmonat Juni der einzige Monat mit einem Logiernächterückgang von 2,6% gegenüber dem letzten Jahr. Starke Verdrängungseffekte waren nicht nur in den Städten, sondern auch in den alpinen Gebieten, die stark auf den internationalen Tourismus ausgerichtet sind, zu spüren. Gleichzeitig waren Zuwächse in den nicht von der Euro 08 betroffenen Gebieten wie Graubünden und Jura zu verzeichnen.

Aber auch die Nachfrage aus der Schweiz stimmt optimistisch. Der Reisemarkt Schweiz – die älteste, seit 1972 alle 2 bis 3 Jahre vergleichbar durchgeführte Panelbefragung zum Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung – meldet eine hohe Reiseintensität. 88% der Bevölkerung haben eine Reise mit mindestens einer Übernachtung durchgeführt. Die Bruttoreiseintensität erreichte mit 236 Reisen auf 100 Personen einen neuen Rekordstand. Dabei zeigt sich eine zunehmende Ausdifferenzierung in eine Gruppe von Personen mit sehr hoher Reiseintensität, die mehrere Reisen pro Jahr macht, und eine Gruppe mit einer minimalen Reiseintensität, oft nur einer Reise. Dabei nimmt der Anteil der Personen, die mehrere Reisen unternehmen, ab, während gleichzeitig die Personen, die mehrere Reisen machen, immer mehr Reisen pro Person machen. Zur Gruppe der Mehrfachreisenden gehören insbesondere Personen, die in städtischen Gebieten sowie in Kleinhaushalten mit ein bis maximal zwei Personen leben.

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Zunehmend werden auch längere Reisen unternommen, oft auch als Sabbaticals. Die Bedürfnisse differenzieren sich aus, Zuwächse haben beispielsweise Reisen mit Übernachtung in Fünf-Sterne und Zwei- bis Drei-Sterne-Hotels oder sogar alternativen, oft hybriden Beherbergungsformen, während die Mitte im Vier-Sterne-Bereich relativ verliert.

Zur Aufbruchstimmung und guten Konjunktur passt auch, dass die Motive Neues kennenlernen und Komfort geniessen an Bedeutung gewonnen haben, während die zeitorientierten Motive wie Zeit haben für Freunde, Familie etc. an relativer Bedeutung verloren haben.

Tourismus wird gestützt

Die gute Entwicklung im Reisemarkt dürfte anhalten, auch wenn sich die internationale Konjunktur verdüstert. Die Reisetätigkeit der Schweizer Bevölkerung dürfte durch die zunehmende Bedeutung des Konsums der Rentner, der weniger konjunkturabhängig ist, weiter wachsen. Die Schweizer Tourismuswirtschaft wird von ihrer ausgezeichneten Diversifikation der Ländermärkte gestützt. Nachdem in den letzten Jahren das überdurchschnittliche Wachstum der ausländischen Gäste für Dynamik sorgte, dürfte in einem Konjunkturabschwung der Binnenkonsum der Schweizer Gäste stabilisierend wirken. International wachsen die anderen Konjunkturzyklen unterworfenen Märkte wie die Golfstaaten, Russland oder Brasilien, wovon vor allem die Top-Destinationen der Schweiz profitieren dürften. Für Gäste aus anderen europäischen Ländern ist die Schweiz zunehmend preislich attraktiv dank dem Wechselkurs des Euro und der vergleichsweise tieferen Inflationsrate.