«Keine Entspannung an der Zapfsäule», titeln deutsche Medien auch heute -  der rekordhohe Benzinpreis ist seit dem Wochenende Dauerthema. Gestiegene Rohstoffpreise, ein schwacher Euro und das lauthals geforderte Verbot von Biosprit erweisen sich als preislich explosive Mischung.

Auch in der Schweiz stiegen die Benzinpreise zuletzt deutlich an. Philippe Cordonier, ad-interim-Geschäftsleiter der Schweizer Erdölvereinigung, nennt die Gründe.

Handelszeitung Online: Rekordhoher Benzinpreis in Deutschland - wie beurteilen Sie die Situation in der Schweiz?
Philippe Cordonier: Die Situation ist in der Tat ganz ähnlich. Primär ist der Benzinpreis vom Marktpreis des Rohöls abhängig. Dieses wird in unserem Fall in zwei Raffinerien der Schweiz bearbeitet und teilweise importiert.

Ein weiterer Faktor sind die Wechselkurse. 
Ja. Hier hat sich der US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken zuletzt merklich erholt, weshalb auch der Benzinpreis in der Schweiz leicht anstieg.

Wo stehen wir aktuell im Durschnitt?
Ein Liter Bleifrei kostet etwa 1.90 Franken.

Rekord wäre bei ...
... leicht über 2 Franken - und datiert aus dem Sommer 2008.

Wir nähern uns.
Der Benzinpreis stieg seit Anfang Juni um etwa 20 Rappen.

Tendenz steigend?
Schwer zu sagen. Erdöl wird an Börsen gehandelt - entsprechend sind Prognosen schwierig. So lange die politische Lage in Syrien angespannt und das Kriegspotenzial zwischen Israel und Iran bestehen bleiben, bleibt der Preis sicher hoch.

Falls nicht, ist ein oft genannter Vorwurf, dass ein tieferer Ölpreis nur teilweise und vor allem verzögert an Konsumenten weitergegeben wird.
Dieser Eindruck ist nachweislich falsch. Das Bundesamt für Energie beobachtet die Benzinspreisentwicklung kontinuierlich - und bestätigt immer wieder, dass die Korrelation mit dem Ölpreis gegeben ist.

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Der Druck auf Biosprit steigt: E10 soll verboten werden - das fordert mittlerweile nicht nur die Politik, sondern beispielsweise auch Greenpeace. Welchen Einfluss hätte ein solches Verbot für Sie?
In der Schweiz selbst keinen - hier ist E10 kein Thema. Die Umweltkriterien für Biotreibstoffe sind hierzulande derart strikt, dass diese kaum zum Einsatz kommen.

Biosprit erhält aber einen herben Dämpfer, ein Sieg für Erdöl?
Zu einem gewissen Grad, ja. Biotreibstoffe sind meiner Ansicht nach keine Lösung, so lange sie in Konkurrenz zur Ernährungssicherheit stehen. So lange ist deren Weiterentwicklung sinnlos. Biotreibstoffe der zweiten oder dritten Generation können einen Lösungsansatz darstellen - hier reden wir aber von Zukunftsmusik.