Der Zusammenschluss mit der Basler Evolva SA bedeutet für die Aktionäre von Arpida das letzte Kapitel einer Investmentstory, die mit dem negativen Entscheid der US-Gesundheitsbehörden zu Iclaprim für Arpida zur Tragödie wurde. Mit der angekündigten Fusion werden nun die verbleibenden Vermögenswerte sichergestellt. «Man kann auch von einer letzten chirurgischen Intervention sprechen, um dem Körper verbleibende gesunde Organe zwecks Transplantation zu entfernen», sagt Helvea-Analyst Olav Zilian. Immerhin biete dies Evolva, die unter anderem Medikamente gegen Nierenerkrankungen erforscht, neue Chancen. Über die Fusion erreicht die Firma eine Börsenkotierung.

Während die langjährigen Arpida-Aktionäre ihre Investition inzwischen abgeschrieben haben dürften, können sich risikofreudige Spekulanten seit der Fusionsankündigung über einen Kursgewinn von bis zu 150% freuen.

Gesunder Biotech-Sektor

«Eigentlich befindet sich der Biotech-Sektor aber in einem gesunden Zustand», erklärt Zilian. Daran ändern auch die von Firmen wie Basilea, Newron oder Addex ausgewiesenen Verluste im 1. Halbjahr 2009 nichts. «Sie gehören bei den Biotech-Firmen zum Geschäftsmodell, bis die ersten Produkte auf den Markt kommen», begründet der Helvea-Analyst. Die erwähnten Firmen zeigen die vom Markt erwarteten Fortschritte und würden, laut Zilian, einen entsprechenden Reifegrad ausweisen. «Das Potenzial ist bei allen ähnlich hoch, durch ihren unterschiedlich hohen Reifegrad ist das Risiko für ein Investment allerdings diversifiziert», so Zilian.

Schwieriger ist die Situation von Cytos. Der Impfstoffhersteller wurde nach einem negativen Studienergebnis im März massiv zurückgeworfen. Zudem lastet eine Wandelanleihe über 70 Mio Fr. auf den Schultern des Unternehmens. Neue Studienergebnisse geben Grund zur Hoffnung, doch ist ein Kauf angesichts der schwierigen finanziellen Lage sehr risikoreich.

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Weitere Zahlungen möglich

Die Suche nach attraktiven Investments im Biotech-Sektor will HBM Bio Ventures erleichtern. Dabei konzentriert sich die Beteiligungsgesellschaft auf Firmen, die noch nicht kotiert sind. In den letzten zwei Wochen konnte HBM mit Brahms und zuletzt Esbatech zwei erfolgreiche Exits vermelden.

Mit dem Verkauf der Technologie- und Forschungsplattform von Esbatech zur Behandlung von Augenerkrankungen an Alcon für 150 Mio Dollar fliessen HBM schon heute 18,6 Mio Fr. zu. «Beim Erreichen zukünftiger Meilensteine werden Zahlungen bis zu 52,7 Mio Dollar fällig», erklärt HBM-Geschäftsführer Andreas Wicki (siehe «Nachgefragt»). Die übrigen Technologien von Esbatech, die unter anderem bei Arthritis im Kniegelenk zum Einsatz kommen könnten, verbleiben in der neuen Firma Delenex Therapeutics, an der HBM weiterhin beteiligt ist.
 

NACHGEFRAGT

«Verkäufe haben viele Aktionäre erleichtert»
Geschäftsführer HBM Bio Ventures, Zug.

In den letzten zwei Wochen konnten Sie zwei Exits vermelden. Wie erklären Sie diese Häufung?

Andreas Wicki: Wir haben viele reifere Firmen in unserem Portefeuille. Bei einigen dieser Firmen, die ihre von uns gesteckten Ziele erreicht haben, suchen wir einen Exit. Dabei drängt sich ein Trade Sale auf, da die Investoren noch nicht für Risikobörsengänge bereit sind. Der Exit-Zeitpunkt hängt dann aber von vielen, auch externen Faktoren ab.

Folgen nun neue Investments?

Wicki: Unser primäres Ziel ist es, mit der verfügbaren Liquidität unsere Anleihe zurückzuzahlen. Als Nächstes müssen unsere Kapital benötigenden, Erfolg versprechenden Portfoliounternehmen finanziert werden. Zudem wurde an der Generalversammlung ein Aktienrückkaufprogramm beschlossen. Bis Ende 2012 können wir bis zu 20% unserer Titel zurückkaufen. Solange die HBM-Aktien einen hohen Diskont zum inneren Wert aufweisen, werden wir keine neuen Investitionen in private Unternehmen tätigen und konzentrieren uns auf Folgefinanzierungen.

Wie hat sich mit den jüngsten Exits die Stimmung unter den Aktionären verändert?

Wicki: Die Verkäufe haben die Qualität des Portefeuilles unter Beweis gestellt und bei vielen Aktionären für Erleichterung gesorgt. Hohe Handelsvolumen in unseren Aktien deuten darauf hin, dass etliche Investoren wieder vermehrt Vertrauen in HBM BioVentures finden. Auch wenn unsere Aktionäre in den letzten Jahren kein Geld verdient haben, so hat sich ihr Investment besser entwickelt als viele andere Biotech-Anlagen.