Es gibt momentan in der Schweiz nur zwei Biotechunternehmen, die solide Umsätze erzielen: Actelion und Speedel. Dieses Jahr könnten nun drei weitere folgen: Arpida, Basilea und Santhera. Die Messlatten liegen allerdings hoch. Actelion erzielte 2007 einen Umsatz von über 1,3 Mrd Fr. und ist heute das grösste Biotechunternehmen Europas. Bei Speedel wird für 2007 ein Umsatz von 3 Mio Fr. erwartet (die Zahlen des soeben vergangenen Geschäftsjahres werden am 7. März veröffentlicht).

Basilea-Chef Antony Man könnte der nächste Biotech-CEO mit einer Umsatz generierenden Unternehmung sein. Denn Analysten rechnen damit, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA im März oder April dem Basilea-Produkt Ceftobiprol (ein Antibiotikum gegen schwere Haut- und Weichteilinfektionen) die Zulassung erteilen wird.

Die Milliarden locken

Zudem könnte das Basler Biotechunternehmen mit 250 Mitarbeitern im 4. Quartal 2008 in Europa auch die Zulassung für das Mittel Alitretinoin gegen Handdermatitis erhalten. Die Veröffentlichung der Zahlen für das Geschäftsjahr 2007 vom 8. Februar zeigte, dass Basilea dafür gerüstet scheint: Die Firma verfügt über flüssige Mittel in Höhe von rund 425 Mio Fr.Die Bank Vontobel errechnete für Ceftobiprol ein Umsatzpotenzial von 1,7 Mrd Fr., für Alitretinoin von 425 Mio Fr. 10 von 13 Basilea-Analysten empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf; ihr durchschnittliches Preisziel beträgt 293 Fr. In den vergangenen zwölf Monaten gab der Titel um 20% auf zuletzt 214 Fr. nach.Auch Arpida-CEO Khalid Islam geht davon aus, dass sein Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern vor dem definitiven Durchbruch steht: Ende Jahr 2008 könnte er die US-Zulassung für sein Antibiotikum Iclaprim gegen schwere Infektionen erhalten. Die letzten Teile des Zulassungsdossiers wird er den Behörden noch in dieser Woche zustellen.Damit ist Arpida mit Sitz in Reinach BL ein direkter Konkurrent von Basilea. Mit zwei Unterschieden: Arpida will Iclaprim alleine auf den Markt bringen, während Basilea bei Ceftobiprol mit dem US-Konzern Johnson & Johnson kooperiert. Und im Gegensatz zu Ceftobiprol ist bei Iclaprim auch die Entwicklung einer oralen Version möglich, was weitere Umsätze verspricht.

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Ausschläge programmiert

Sechs von total zehn Arpida-Beobachtern empfehlen den Titel zum Kauf; ihr Preisziel beträgt im Durchschnitt rund 31 Fr. Aktuell steht der Titel bei 18 Fr. – er verlor in den letzten zwölf Monaten rund 42%. Damit spiegelt sich unter anderem die Tatsache wider, dass Arpida als «Ein Produkt»-Unternehmen wahrgenommen wird: Hat Iclaprim Erfolg, wird der Aktienkurs markant steigen. Gibt es hingegen einen Misserfolg, wird der Kurssturz ebenso markant sein. Die Spitzenverkäufe könnten laut der Bank Vontobel 800 Mio Fr. betragen. Am 13. März, anlässlich der Veröffentlichung der Jahreszahlen 2007, werden weitere Informationen zu Iclaprim folgen.Klaus Schollmeier wiederum, CEO von Santhera aus Liestal BL, freut sich bereits auf den Sommer. Dann könnte er in Europa die Bewilligung für das erste Medikament seines Biotechunternehmens mit 70 Mitarbeitern erhalten. Im Sommer 2009 könnte die Zulassung in den USA folgen.

Selten, aber lukrativ

Dabei handelt es sich um das Mittel Idebenone gegen Friedreichs-Ataxie, eine seltene neuromuskuläre Erkrankung. In den USA will Santhera das Mittel alleine vermarkten, in Europa würde dies der japanische Partner Takeda übernehmen. Weil Idebenone gegen weitere solche Krankheiten eingesetzt werden soll, könnte der Spitzenumsatz insgesamt rund 1 Mrd Euro betragen. Am 29. Februar wird Schollmeier (bei der Publikation der Zahlen von 2007) weitere Details dazu bereithalten. Die Aktie seines Unternehmens wird von allen drei Santhera-Analysten zum Kauf empfohlen. Die Bank Vontobel beispielsweise hat ein Preisziel von 140 Fr.; zuletzt stand der Titel bei 85 Fr. In den vergangenen zwölf Monaten verlor er rund 31%.