Bitcoin hat in den vergangenen zwei Monaten fast die Hälfte an Wert verloren. Die digitale Währung, die wegen heftiger Kursschwankungen umstritten ist, schwächelt. Trotzdem lässt sich die Anhängerschaft nicht aus der Ruhe bringen. Am Wochenende fiel der Preis für ein Bitcoin erstmals seit Ende 2013 unter 300 Dollar. «Das ist nur eine Momentaufnahme, es wird rasch wieder nach oben gehen», sagt Nick Spanos.

Er ist einer der Gründer des Bitcoin Center, einer Informations- und Lobbyeinrichtung im New Yorker Finanzdistrikt. «Ich habe jeden Tag mit Leuten von Goldman Sachs und anderen Investmentbanken zu tun, die sich für Bitcoins interessieren.» Als Lobbyist muss Spanos versuchen, Zweifel an der Krypto-Währung zu zerstreuen.

Ungewisse Zukunft

Doch es gibt auch skeptische Stimmen, die nicht so recht an eine Zukunft der Internetwährung glauben möchten. «Erinnert sich noch jemand an Bitcoins? Es geht ihnen schrecklich!», kommentierte Joe Wiesenthal vom Tech-Blog «Business Insider» am vergangenen Wochenende. «Charts können nicht hässlicher aussehen», kritisierte er den Kursverlauf seit Juli.

Wo das Projekt des freien Geldes steht, das unabhängig von Staaten, Zentral- und Geschäftsbanken funktioniert, weiss niemand genau. «Die Leute realisieren, dass Bitcoins zwar geeignet sind, den Zahlungsverkehr effizienter zu machen, aber nicht die grossen Währungen wie den Dollar ablösen werden», sagt Steven Englander, Chefstratege der Citigroup-Devisenabteilung.

Mit anderen Worten: Crash-Theoretiker, die Absicherung gegen einen Systemkollaps suchen, verlassen den Markt. Dafür spricht auch der parallel erfolgte Preisverfall bei Gold, das ebenfalls als Krisenschutz gilt. Nachdem die Bitcoin-Blase Ende 2013 bei mehr als 1150 Dollar platzte, haben sich auch viele Spekulanten zurückgezogen. Indessen wächst und gedeiht die Infrastruktur des virtuellen Geldprojekts.

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Zwei Automaten in der Schweiz

Automaten, an denen Bitcoins mit etablierten Währungen wie Euro oder Dollar gekauft werden können, verbreiten sich rasant. In der Schweiz akzeptieren aktuell rund sechzig Firmen die Währung. In Zürich betreibt die Firma Bitcoin Suisse seit August zwei Bitcoin-Automaten, an denen man Bitcoins für Schweizer Franken einkaufen kann: einer im Viadukt, einer im Kafi Schoffel in der Altstadt. Weitere Automaten sollen folgen.

Dabei hatte die Finanzmarktaufsicht (Finma) Bitcoin Suisse im Juni wegen offener rechtlicher Fragen gebeten, die Automaten vorübergehend aus dem Verkehr zu nehmen. Nun ist die Firma Mitglied in der Selbstregulierungsorganisation «Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen» (VQF) geworden, womit sie den Automaten in Betrieb nehmen konnte.

Weltweit gibt es inzwischen rund 120 Bitcoin-Bancomaten. Eine der Maschinen steht im Lifestyleladen «Flat128» im schicken New Yorker West Village. Das Geschäft läuft super, sagt Besitzerin Elizabeth DuBois: «Pro Tag wird der Automat etwa zehn bis zwanzig Mal genutzt.»

Potenzial bei Trendfirmen

Kein Wunder, dass die Unternehmen der Branche von einer Krise weit entfernt sind. Die auf virtuelle Geldbörsen spezialisierte Firma Blockchain schloss am Wochenende mit 30 Millionen Dollar die bislang grösste Finanzierungsrunde der Szene ab. Die Kollegen von Coinbase haben die bekannten Silicon-Valley-Financiers Andreessen Horowitz im Rücken, die bereits bei Facebook oder Pinterest richtig lagen.

Coinbase arbeitet mit der PayPal-Sparte BrainTree zusammen, um Bitcoins als Zahlungsmittel zu integrieren. Damit könnten sich die Aussichten für die digitale Währung schnell verbessern, denn Braintree wickelt den Geldverkehr ab für Trendfirmen wie den Bettenvermittler Airbnb, den Taxivermittler Uber oder den Restaurantreservierer OpenTable.

(sda/moh)