Obwohl ihre Kunden teilweise in Schieflage gerieten, konnten sich die Anbieter von Bankensoftware überraschend gut behaupten. Ein Grund dafür ist, dass neue Softwarelösungen notwendig werden, um den Finanzmarktregulatoren Informationen schneller liefern zu können. Zudem hat die Krise den Kostendruck auf Finanzdienstleister verstärkt. «Banken werden zukünftig von teureren Eigenentwicklungen Abstand nehmen und vermehrt günstigere Standardsoftware einsetzen», so Andreas Müller, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Doch nicht nur Grosskonzerne wie Oracle und SAP zählen zu den Gewinnern. Auch kleine spezialisierte Anbieter wie die britische Misys und die Genfer Temenos können davon profitieren.

Englischer Konkurrent legt vor

Mit Misys präsentierte einer der wichtigsten Temenos-Konkurrenten bei Bankenlösungen vor wenigen Tagen positive Zwischenergebnisse. Das Unternehmen profitiert zuletzt davon, dass die durch Übernahmen ausgebaute Sparte der IT-Dienstleistungen im Gesundheitsbereich ein starkes Umsatzwachstum verzeichnete. Der Gewinn wurde im Vergleich zur Vorjahresperiode um 15% gesteigert. Die Sparte Banking-Software musste hingegen einen leichten Rückgang hinnehmen. Misys sieht jedoch erste Anzeichen, dass sich durch die zunehmende Erholung der wichtigsten Kunden aus dem Finanzbereich auch die Auftragslage wieder verbessern dürfte. Die Misys-Aktie konnte aufgrund der insgesamt soliden Resultate den beachtlichen Trend der letzten Monate fortsetzen. Seit Beginn des Jahres hat sich der Kurs der Misys-Aktie von 1.06 auf 2.13 Pfund verdoppelt. Damit soll jedoch noch nicht Schluss sein, denn einzelne Analysten sehen den Titel bei über 2.50 Pfund.

Temenos steckt Einbruch weg

Doch auch die Temenos-Aktie konnte sich positiv entwickeln. Zwar stürzte die Aktie nach einer Gewinnwarnung im Januar auf 8 Fr. ab, insgesamt resultiert jedoch seit Jahresbeginn ein Plus von 68%. Erfolgreiche Vertragsabschlüsse mit Kunden aus den Schwellenländern haben dem Valor Schwung verliehen. Die vermeldeten Kooperationen mit dem indischen Mikrofinanzspezialisten Equitas, der chinesischen Bank SinoPac und dem vietnamesischen Finanzdienstleister Orient Commercial bestätigen den Trend. Bei Kunden in den Industrieländern können die bestehenden Beziehungen ausgebaut werden. «In der Vergangenheit getätigte Akquisitionen zahlen sich nun dadurch aus, dass Temenos lukrative Zusatzdienstleistungen anbieten kann», so Müller. Das Unternehmen sei operativ auf Kurs. «Die Margen und der Cashflow haben sich zuletzt positiv entwickelt», erklärt Müller.

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Aktie bei Analysten beliebt

Dennoch musste im Sommer ein Rückschlag hingenommen werden. Metavante, der US-Partner der Genfer, wurde von Fidelity Information Services (FIS), einem direkten Konkurrenten, übernommen und kündigte die Zusammenarbeit auf. Im Gegenzug erhielt Temenos zwar Kompensationszahlungen, aber die noch marginale Position in den USA ist seither zusätzlich geschwächt. Für Müller ist es deshalb vorstellbar, dass Temenos möglichst bald einen neuen US-Vertreter bekannt geben wird möglicherweise bereits an der Präsentation der 3.-Quartals-Zahlen am 21. Oktober.

Doch die Temenos-Aktie ist bei den Experten nach wie vor beliebt. 80% der Analysten raten derzeit, den Valor zu kaufen. Erst kürzlich hat die UBS die Bewertung von «Neutral» auf «Kaufen» erhöht und das Kursziel von 21 auf 27 Fr. angepasst (aktueller Kurs: 25 Fr.).