Bessere Frühindikatoren als erwartet lassen die Anleger neues Vertrauen fassen und zuversichtlicher nach vorne blicken. «Die Weltwirtschaft ist mit Drogen vollgepumpt und kann fast nicht anders, als sich zu stabilisieren», sagt Thomas Härter, Chefstratege von Swisscanto. Doch aus diesen Stützungsmassnahmen muss irgendwann eine selbsttragende Erholung der Wirtschaft werden. «Dafür gibt es zu wenig Anzeichen», sagt Jürg Furrer, Leiter Investment Center Aquila Investment AG.

Anleger suchen Bestätigung

«Spätestens im Herbst wollen die Anleger die Bestätigung, dass die Wirtschaft Boden gefunden hat», sagt Thomas Lips, Chief Investment Officer von Falcon Private Bank. Wenn sich bis dahin die Fundamentaldaten nicht weiter verschlechtern, sollten die Tiefstkurse im Frühjahr nicht mehr erreicht werden.

Nach den Verlusten zum Jahresanfang haben sich die Börsen seit März 2009 wieder erholt. Die Aktien der Credit Suisse haben in der ersten Jahreshälfte 70% und damit im Swiss Market Index (SMI) mit Abstand am meisten zugelegt, gefolgt von Swiss Life (28%) und Syngenta (26%). Auf der Verliererseite stehen dagegen Swiss Re (-28%) und Synthes (-21%).

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In den nächsten Wochen werden keine massiven Rückschläge an den Börsen erwartet, auch die Berichtssaison dürfte den Anlegern keinen Strich durch die Rechnung machen. Die Anlageexperten rechnen nicht mit grossen Enttäuschungen, da die Gewinnschätzungen realistischer geworden sind.

Alfred Roelli, Senior-Finanzanalyst bei Pictet, rechnet bei Technologiefirmen und Versicherern mit positiven Gewinnüberraschungen, während die Sektoren Medien, Transport und Banken enttäuschen dürften. Von Interesse sind aber ohnehin eher die Ausblicke der Firmenchefs als die Ergebnisse.

Den richtigen Mix finden

Für das 2. Halbjahr 2009 sei ein Mix zwischen defensiven Sektoren und zyklischen Firmen mit soliden Bilanzen sinnvoll, kommentiert Sven Bucher, Leiter Equity Research der Zürcher Kantonalbank (ZKB). So seien etwa Novartis, Logitech und Vetropack attraktiv. Christian Gattiker, Head Research der Bank Julius Bär, sieht im 2. Halbjahr einen handelsorientierten Anlagestil im Vorteil.

Und Anleger mit einem längerfristigen Horizont sollten eine ausschüttungsorientierte Strategie verfolgen, die auf Nachhaltigkeit abzielt. Seine Favoriten sind Synthes, Logitech oder Credit Suisse. Von den Anlageexperten gemieden werden dagegen Titel wie UBS, Swiss Life oder Swiss Re (siehe Tabelle). Für den Schweizer Aktienmarkt rechnen die meisten bis Jahresende mit leicht steigenden Kursen. Am zuversichtlichsten ist Philipp Bärtschi, Aktienstratege der Bank Sarasin. Er sieht den SMI bei 6400 Punkten.