Mitte nächster Woche schliessen viele Banken, darunter UBS und Credit Suisse, ihre Bücher für das 1. Quartal 2009. Vereinzelte Aussagen von Vertretern der Citigroup und der Deutschen Bank deuten darauf hin, dass sich der Jahresanfang bei einigen Banken gut angelassen hat. «Die beiden schweizerischen Grossbanken dürften aufgrund der weitgehend sauberen Bilanzen im 1. Quartal 2009 profitabel sein», sagt Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos. Den niedrigeren Abschreibungen stünden dabei allerdings höhere Kreditrückstellungen und magere Neugeldzuflüsse gegenüber.

Fed-Aktion hilft Schweizern nicht

Somit verlagern sich die Probleme. Die letzten fünf Quartalsabschlüsse waren von Abschreibern bei Anlagen dominiert. Inzwischen richtet sich das Augenmerk auf andere Faktoren: Die Veränderungen bei den verwalteten Vermögen, die ausserhalb der Bankenbilanzen liegen, sowie die Qualität der Kredite. Im Vergleich zu anderen europäischen Grossbanken sind die Kreditbücher der UBS und der Credit Suisse relativ klein.

«Positivmeldungen zum Jahresanfang kamen hingegen vom Eigenhandel und der florierenden Emissionstätigkeit für die gigantischen staatlichen Rettungs- und Stützungsaktionen», sagt Credit Suisse-Analyst Daniel Davies. In beiden Bereichen haben UBS und Credit Suisse ihre Aktivitäten entweder zurückgefahren oder sind nur am Rande involviert. Profitiert haben aber alle Banken von der teilweisen Rückkehr zur Normalität bei den Volatilitäten und den Risikoprämien von Firmenobligationen. Von den angekündigten Aufkäufen von illiquiden Assets durch die US-Notenbank Fed werden die US-Banken profitieren - die Europäer haben ihre Bestände entweder weitgehend abgeschrieben, reduziert oder sie haben keine Möglichkeit, ihre verbliebenen Papiere anzudienen.

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Société-Générale-Analyst Alan Webborn warnt denn auch davor, vereinzelte positive Aussagen von Banken auf die ganze Branche zu übertragen. «Dieses Jahr wird nicht einfach für die UBS. Sie warnt ganz klar in ihrem Ausblick», schreibt er in einem Bericht für seine Kunden, «und die weiteren Kommentare lassen darauf schliessen, dass die Mittelzuflüsse zumindest teilweise durch Abflüsse in der Schweiz kompensiert werden.» Webborn erwartet auch, dass die neue Unternehmensspitze die Erwartungen dämpfen wird. «Deshalb gehen wir davon aus, dass es unvorsichtig wäre, eine Rückkehr zu einem Neumittelzufluss auf dem Gruppen-Niveau vor dem Jahr 2010 anzunehmen.»

Eine präzisere Schätzung hat Citigroup-Analyst Jeremy Sigee vorgenommen. Für den Januar rechnet er mit einem Zufluss von 4 Mrd Fr. beim Wealth Management, für den Februar mit einem Abfluss von 5 Mrd Fr., und für den März veranschlagt er ein Plus von 6 Mrd Fr.

Positiv aufgenommen wurde der Verkauf von bis zu 55 Filialen des UBS-Vermögensverwaltungsgeschäfts in den USA. Es handle sich zwar nur um eine kleine Transaktion, doch sie wecke Hoffnungen, dass für CEO Oswald Grübel keine Tabus bestehen und weitere Unternehmensteile verkauft werden könnten, heisst es bei der Bank Wegelin. Beide Schweizer Grossbanken wollen ihre Kapitalbasis auf Vorrat stärken. Die Credit Suisse will an der Generalversammlung bedingtes Kapital von nominal bis zu 4 Mio Fr. schaffen. Zudem soll das genehmigte Kapital für Übernahmen erneuert und auf maximal 4 Mio Fr. erhöht werden. Auch die UBS wird genehmigtes Kapital beantragen.

UBS mit 240 Millionen Gewinn

Für die Credit Suisse rechnet Sigee mit einem Umsatzsprung von 3 auf 5,4 Mrd Fr. Weil die operativen Ausgaben von 5,5 auf 4,8 Mrd Fr. gedrückt werden und kaum Abschreiber auf Anlagen drohen, resultiert bei diesem Modell ein Reingewinn von 283 Mio Fr. Auch für die UBS zeichnet sich eine Rückkehr in die Gewinnzone ab. Weil Abschreiber nicht mehr belasten und die operativen Kosten schrumpfen, könnte ein Reingewinn bei 240 Mio Fr. resultieren. Da das Umsatz-Kosten-Momentum gegenwärtig zugunsten der UBS läuft, empfiehlt Sigee einen Wechsel von der Credit Suisse zur UBS-Aktie.