Mit der jüngsten Senkung des Kreditratings durch Moodys hat Griechenland erneut die weltweite Aufmerksamkeit der Märkte auf sich gezogen. Obwohl die Meldung nicht überraschen konnte, heizte sie die Sorgen um die überschuldeten südeuropäischen Staaten nochmals an.

Während die Schuldenkrise die Euro-Zone seit Monaten fest im Griff hat, sieht die Situation jenseits des Atlantiks weit erfreulicher aus trotz eines Schuldenberges von mehr als 13 Billionen Dollar. «Im Vergleich zu den einzelnen Ländern im Euro-Land ist Amerika in der vorteilhaften Position, seine Geldpolitik unabhängig bestimmen zu können», begründet Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank Sarasin. Als Leitwährung falle Amerika die Finanzierung zudem leichter als den einzelnen europäischen Staaten.

US-Wirtschaft wächst weiter

Mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als 3% ist den Vereinigten Staaten zudem ein überraschend guter Start ins laufende Jahr geglückt. Und der Aufschwung soll anhalten, glaubt man den jüngsten Äusserungen von Fed-Chef Ben Bernanke, der auf wieder anziehende Verbraucher- und Firmenausgaben verweist.

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Positiv gestimmt ist auch Alfred Ernst, Geschäftsleitungsmitglied bei Salmann Investment Management. Das Finanzinstitut hat im März seinen Anteil an US-Aktien wieder ausgebaut. «Es gibt zwar keinen Grund zur Euphorie, doch der Aufwärtstrend dürfte anhalten», ist er überzeugt. Seinen Optimismus begründet er mit der guten Positionierung der amerikanischen Unternehmen und steigenden Gewinnen, die bei den Firmen in den kommenden Monaten erwartet werden. «Die Gesellschaften sind zudem in keinem Finanzierungsnotstand und können nun entsprechende Investitionen tätigen», so Ernst.

Ausblick nicht ungetrübt

Doch auch in Amerika sind die Aussichten nicht ungetrübt. Erst kürzlich haben die Einzelhandelsumsätze vom Mai für Verstimmung an den Märkten gesorgt. «Die Erholung in Amerika war stark geprägt durch Lagerbestände, die nach dem starken Abbau in der Krise wieder angelegt werden mussten», weiss Kubli. Ob aber auch der private Konsum, der immerhin für gut drei Viertel der Wirtschaftsleistung steht, wieder nachhaltig in Gang kommt, daran bestehen Zweifel. «Auch die US-Haushalte werden sparen müssen, was sich negativ auf den Konsum auswirken wird», ist Kubli überzeugt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Arbeitslosenzahlen auf einem anhaltend hohen Niveau verharren.

Aktienmärkte haben korrigiert

Die widersprüchlichen Signale aus der amerikanischen Wirtschaft widerspiegeln sich in der Entwicklung an den US-Aktienmärkten. So korrigierte der breit abgestützte S&P-500-Index, nach einem deutlichen Anstieg bis Anfang Mai, auf 1050 Punkte. «Das Wachstum in den USA hat bisher positiv überrascht, bis Ende 2010 zeichnet sich nun aber eine Abschwächung ab», ist Sarasin-Chefstratege Philipp Bärtschi überzeugt. Für die US-Aktienmärkte sieht er entsprechend ein moderates Aufwärtspotenzial. «Am attraktivsten sind dabei die grossen Blue-Chip-Werte, die nicht nur auf den Inlandmarkt fokussiert sind, sondern auch vom Aufschwung in den Schwellenländern profitieren», so Bärtschi. Zu denken ist dabei an Titel wie Caterpillar oder General Electric. Eine grössere Dynamik und ein entsprechendes Potenzial sieht Alfred Ernst in der amerikanischen Hightech-Branche.