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Börseninterview
«Blockchain ist keine Utopie»

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Verschiedene Kryptowährungen: Sie alle basieren auf der Blockchain-Technologie.Quelle: Chesnot / Getty Images

Börsenexperte Jacques Stauffer spricht über das Potential von Blockchain – und erklärt, was Uhrenfirmen im 2018 erwartet.

Von Marc Bürgi
am 16.03.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Jacques Stauffer*: Viele Argumente sprechen zurzeit gegen ein Engagement an den Finanzmärkten. Zu den wichtigsten zählen die erhöhte Volatilität der Märkte, anziehende Zinsen, geopolitische Risiken in Korea und im Nahen Osten, ein drohender Handelskrieg und – nicht zuletzt – eine technologische Entwicklung, die ziemlich alles auf den Kopf stellt. Es sollten jedoch sämtliche Fakten analysiert werden, um unüberlegte und emotionale Entscheide zu vermeiden. Die weltweit robuste Konjunktur und ausgezeichnete Unternehmensergebnisse versprechen nach wie vor vorteilhafte Entwicklungschancen für gut positionierte Unternehmen. Unsere proprietären Risikoindikatoren bestätigen dieses positive Umfeld trotz der beobachteten Korrektur.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Rotation weg von Titeln der Sektoren Gesundheit, Einzelhandel sowie Nahrungsmittel und Getränke hin zu Banken, Versicherungen, Technologie und Telekomunikation wird sich unserer Meinung nach fortsetzen.

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Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Im Dezember 2017 prognostizierten wir für den Schweizer Aktienmarkt eine vorteilhafte Entwicklung bis zum Jahresübergang, mit einer darauffolgenden Seitwärtsbewegung. Diese Einschätzung der Schweizer Börse, mit ihrem Schwergewicht an defensiven Titeln, hat sich nicht geändert. Der SMI wird in den kommenden zwölf Monaten keine Stricke zerreissen.

Nächste Woche startet die Uhrenmesse Baselworld. Wie zuversichtlich sind Sie für das Geschäft der Schweizer Uhrenhersteller?
Die Ergebnisse der weltweit einzigartigen Unternehmen der Schweizer Uhrenindustrie haben sich im vergangenen Jahr deutlich verbessert. Dies aufgrund eines klar besser laufenden Geschäfts in der wachstumsstarken Region Asien-Pazifik. Trotz der Redimensionierung der Baselworld werden sich Unternehmen des Sektors für persönliche Güter in den kommenden Monaten gut entwickeln.

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* Jacques E. Stauffer ist Gründungspartner und CEO beim Vermögensverwalter Parsumo Capital AG. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung und in der Beratung institutioneller und privater Anleger, unter anderem bei der Credit Suisse.
Quelle: ZVG

Die Schweiz gehört mit dem Zuger Cryptovalley zu den führenden Ländern in der Blockchain-Technologie. Wird die Schweizer Wirtschaft von diesem Know-how profitieren?
Kryptowährungen kennt man, besitzt sie jedoch nicht – so könnte das Credo eines vorsichtigen Anlegers lauten. Die Schweizer Wirtschaft tut jedoch gut daran, sich das für die Blockchain-Technologie notwendige Know-how anzueignen. Pioniergeist hat die Schweiz zu dem gemacht, was sie heute ist, nämlich ein modernes, gut funktionierendes und reiches Land. Ich wünsche mir, dass eine noch grössere Anzahl von Marktteilnehmern nicht nur über die Blockchain-Technologie spricht, sondern sich auch praktisch damit auseinandersetzt. Blockchain ist keine Utopie, sie wird unsere Zukunft verändern.

Fast alle SMI-Konzerne haben ihre Jahreszahlen mittlerweile präsentiert. Welche Abschlüsse haben Sie positiv überrascht?
Viele Schweizer Unternehmen durften gute Jahreszahlen publizieren. Es fällt dabei auf, dass mittelgrosse Unternehmen die Nase vorne haben. Besonders gefreut habe ich mich über die Entwicklung von Sika, Lonza, Straumann, Bobst, Logitech und OC Oerlikon, die ihre guten Abschlüsse allesamt mit überdurchschnittlichen Kurssteigerungen quittiert sehen. Bei Meyer Burger steht das gute Ergebnis noch aus, bei Geberit und Basilea Pharma hat beides trotz guter Ausgangslage noch nicht geklappt.

Die OECD erwartet 2018 das stärkste Wachstum der Weltwirtschaft seit 2011. Teilen Sie diese Zuversicht?
Ja, diese Zuversicht ist berechtigt. Ein Restrisiko für das globale Wirtschaftswachstum besteht jedoch darin, dass sich die US-Regierung unmissverständlich protektionistisch verhält. Sie könnte dadurch einen Handelskrieg vom Zaun brechen und die Weltwirtschaft lähmen.

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