AKTIEN SCHWEIZ. Brady Dougan kommt nicht aus dem heissen Wasser heraus: Seit seinem Amtsantritt als CEO der Credit Suisse letzten Februar ist deren Börsenkurs um fast 32% gefallen. Und jetzt setzen die Analysten der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs noch einen obendrauf. Sie haben die Valoren der Schweizer Grossbank von «Neutral» auf «Verkaufen» herabgestuft.

Im gleichen Zug kam den Titeln die zweifelhafte Ehre zu, in die Liste der «Überzeugungsverkäufe» der Goldman-Analysten aufgenommen zu werden. Die CS-Aktie fiel daraufhin prompt um 3%.

Swiss Re brutal abgestraft

Für Dougan dürfte es da nur ein schwacher Trost sein, dass die Konkurrentin UBS vor den Auguren noch schlechter wegkommt. Während die Credit-Suisse-Aktien für die Mehrzahl der Analysten immer noch ein klarer Kauf sind, halten sich «Kaufen»- und «Halten»-Empfehlungen für die UBS-Werte mittlerweile die Waage. Die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9 günstige Bewertung wiegt offensichtlich drohende Abschreiber von geschätzten 8 Mrd Fr. nicht auf. Noch brutaler fällt das Urteil über den weltweit grössten Rückversicherer Swiss Re aus. Nach Bekanntgabe von Subprime-Verlusten in der Höhe von 1 Mrd Fr. wurde die Swiss-Re-Aktie von Unicredit, Citigroup, West LB und Credit Suisse unisono herabgestuft. Sechs Börsentage und 17% Buchverlust später lautet das Konsens-Rating nurmehr auf «Halten» (siehe Tabelle).

«Sell-Ratings sind übertrieben»

Es sind dabei längst nicht mehr nur die direkten Subprime-Opfer, die das Missfallen der Analystenzunft zu spüren bekommen. Der Rotstift wird bei den Schweizer Blue Chips durchs Band angesetzt, vom Stellenvermittler Adecco («Neutral» seitens der Credit Suisse) bis zum Versicherungskonzern Zurich Financial Services (Deutsche Bank: Preisziel reduziert auf 410 Fr.). Die Botschaft ist klar: Aus Sicht der Analysten hat das Potenzial der Schweizer Schwergewichte merklich abgenommen – obwohl für die meisten Standardwerte die Kaufempfehlungen noch knapp überwiegen. Haben die grossen Schweizer Konzerne derart schlechte Noten verdient? Nein, findet Marc Schürer, Investmentstratege bei der Privatbank Clariden Leu. Gerade die Finanztitel seien so stark zurückgekommen, dass das Aufwärtspotenzial dort teilweise wieder hoch sei. Zur Praxis der Analysten sagt er: «Kurszielkorrekturen sind unter den heutigen Gegebenheiten vertretbar. Sell-Ratings sind aber sicher übertrieben.» Denn die Chancen stünden gut, dass es mittelfristig am Swiss Market Index (SMI) zu einer Erholung komme. Während die Zürcher Kantonalbank eine solche schon in den nächsten Wochen erwartet, ist Schürer allerdings vorsichtiger. Denn seinen Schätzungen zufolge dürfte sich die US-Wirtschaft noch merklich abkühlen: Schürer sieht das annualisierte Wachstum in den kommenden zwei Jahresvierteln von 4 auf 1% fallen.Für Anleger, die mit einem glimpflichen Ausgang der heutigen Markturbulenzen rechnen, bleibt also Zeit, bei günstigen Kursen Positionen aufzubauen. Gemäss Analystenkonsens ist dies vorab bei dem defensiven Schwergewicht Nestlé relativ gefahrlos möglich. Eine grosse Mehrheit der Marktbeobachter empfiehlt die Namen des Nahrungsmittelkonzerns nämlich zum Kauf. Ein Rating, das vor dem Hintergrund latenter Rezessionsängste durchaus nachvollziehbar ist – der Nestlé-Kurs gilt als relativ konjunkturfest.

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Gesundheitswerte vor Rückkehr?

Mehrheitlich ausgenommen von den Down-Ratings sind auch die Aktien aus dem Healthcare-Bereich, darunter die Valoren von Roche und Novartis. Die Analysten von Citigroup etwa haben jüngst ihre Empfehlung für den ganzen Pharmasektor angehoben – die meisten schlechten Neuigkeiten seien mittlerweile eingepreist, heisst es.Für Mutige bietet sich schliesslich ein Einstieg in jene Werte an, die bisher am meisten Federn lassen mussten. Paradebeispiel ist Swiss Re. Gemäss Clariden Leu sind die Titel schlichtweg nicht im Trend. Die Abgaben hätten aber mehr mit der Investorenstimmung zu tun als mit dem fundamentalen Wert, so die Bank.