Die Bankenwelt steht Kopf: Noch letztes Jahr galten die Investmentbanken amerikanischer Prägung den Anlegern als Renditemotoren. Nach über einem Jahr Finanzkrise, drastischem Kurszerfall und Konkursen gilt das Modell nun als überholt: Jetzt beugen sich die beiden letzten überlebenden US-Investmentbanken, Goldman Sachs und Morgan Stanley, der Macht des Marktes und begeben sich in das regulatorische Korsett der «gewöhnlichen» Geschäftsbanken.

Verpflichtungen als Verhängnis

Dass das Modell Investmentbank wenig krisensicher war, zeigt der Rückblick auf die Erfolgsrechnungen und die Bilanzen. Auf der Einnahmenseite stehen Erträge aus Beratungen, M&A-Abschlüssen, Käufen und Verkäufen sowie der Ertrag aus eigenen Anlagen, die in den internen Hedge-Fonds erwirtschaftet werden. Auf der Ausgabenseite schlagen Löhne, Boni, IT, Energie- und Mietkosten zu Buche. Bei den Einnahmen dominieren Einmal-Abschlüsse, beispielsweise erfolgreiche Börsengänge oder Übernahmen. Zudem sind diese Einnahmen stark vom Geschäftsklima und Konjunkturzyklen abhängig. Die Ausgaben hingegen lassen sich – abgesehen von den Boni und etwas weniger den Löhnen – nicht so rasch anpassen. Wenn das Geschäft brummt, liegen die Einnahmen, typischerweise einige wenige Mrd Dollar pro Quartal, 1 bis 2 Mrd Dollar über den Ausgaben. Das ist der Gewinn.

Anders sieht es bei den Bilanzen aus. Auf der Aktivseite sind hier die ganzen Investments aufgeführt, sie liegen bei mehreren hundert Mrd Dollar und müssen jeweils zu Quartalsende neu bewertet werden. Auf der Passivseite sind die Schulden aufgeführt – das Aktienkapital (einige Mrd Dollar), Obligationen, nachrangige Obligationen und weitere Verbindlichkeiten. Weil die Bilanz oft stark «gehebelt» ist, braucht es nur kleine Abschreiber und das Aktienkapital ist weg. Gewinne im operativen Geschäft ermöglichen es, allenfalls einige wenige Mrd einzuspielen, mit denen zur Not Fehlspekulationen folgenlos gemacht werden können. Der diskutierte US-Rettungsplan würde die aktuellen Bewertungen «einfrieren» und weitere Abschreiber nicht erforderlich machen.

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Morgan Stanley wurde letzte Woche zudem fast zum Verhängnis, dass viele Verpflichtungen kurzfristig waren, und Geldgeber als Entschädigung für ihre Risiken deutlich höhere Zinsen sehen wollten. Dieser Druck hat sich zuvor bei den faillierten US-Investmentbanken als tödlich erwiesen. Denn das operative Geschäft bei Morgan Stanley selber lief laut William Tanone, Analyst bei Goldman Sachs, den Umständen entsprechend gut, er empfahl die Aktie zum Kauf. Und auch Morgan-Stanley-Analyst Patrick Pinschmidt bescheinigte Goldman Sachs eine robuste Position auf dem Kapitalmarkt und gutes Risikomanagement.

HSBC ist Favorit der Analysten

Investmentbanken benötigen jedoch Sparten mit robusten, ständig wieder kehrenden Einnahmen, wie dies etwa die UBS oder Credit Suisse im Asset Management- und im Retailkundengeschäft haben. Auch die Vermögensverwaltung sowie die Anlageverwaltung gelten als Stabilisatoren der Erfolgsrechnungen. Bei den Bilanzen bauen die meisten Institute Risiken ab (Verkauf von unsicheren Positionen, Umbau der Bilanzstruktur von kurz- zu langfristigen Verbindlichkeiten). Deshalb sind Goldman Sachs und Morgan Stanley, die beide nicht pleite gehen dürften, nur für risikofähige Anleger und auf längere Sicht empfehlenswert.

Die UBS und die Credit Suisse sind deutlich weiter als diese beiden US-Banken und solider aufgestellt. HSBC gilt gerade aufgrund des viel verzweigten interkontinentalen Geschäftsfeldes und des hohen Anteils wiederkehrender Umsätze laut vielen Analysten als sicherer Wert. Ebenfalls solide Geschäftsmodelle haben die spanische Santander und die italienische Unicredito. Etwas unsicherer ist die Deutsche Bank aufgrund ihres grossen Geschäftsanteils Firmenkunden – diese könnten Aufträge kürzen, wenn sich die Konjunktur deutlich abkühlt. Bei den US-Banken ist Wells Fargo der Favorit der Analysten, gefolgt von JP Morgan und der Bank of America. Wachovia und Citigroup kämpfen noch viel mehr mit den Folgen der Kreditkrise und können derzeit nicht empfohlen werden.