Die Aktien von ABB verzeichnen am MIttag gegen den starken Gesamttrend Abschläge und stehen als einziger Bluechip in der negativen Zone, derzeit allerdings lediglich knapp. Die am Morgen vorgelegten Quartalszahlen wurden bisher zwar kontrovers kommentiert, haben aber dennoch die Erwartungen einer Mehrheit der Analysten verpasst.

Die Aktie legte im frühen Geschäft vorerst zu, ehe sie im Handelsverlauf dann mehr und mehr zurückfiel, dies bei einer leicht höheren Volatilität als üblich.

Um 12.25 Uhr verzeichnen ABB ein Minus von 0,07 Franken oder 0,4 Prozent auf 17,18 Franken. Gehandelt sind bis anhin rund zwei Drittel des durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen von 9,4 Millionen Stück. Der Gesamtmarkt SMI steht dagegen 1,7 Prozent höher.

Gegenüber dem AWP-Konsens lagen Umsatz, Auftragseingang, Ebit und Reingewinn durchs Band zurück, die ersten beiden Ziffern um je knapp 3 Prozent, Ebit um knapp 8 und Reingewinn um knapp 10 Prozent.

Die Kommentare zu den ABB-Zahlen sind zum Teil recht gegensätzlich. Als rundweg enttäuschend bezeichneten die Zahlen etwa Jefferies und die Bank Wegelin. Jefferies stellte sowohl den Auftragseingang als auch den Umsatz und den Ausblick unter dieses Attribut. Und auch die ZKB, die Bank Vontobel und die Deutsche Bank hatten sich für Umsatz und Auftragseingang mehr vorgestellt, die Deutsche Bank gar auch klar mehr als der Konsens.

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Demgegenüber sieht die Bank Exane BNP Paribas den Bestellungseingang und die UBS zusätzlich noch den Umsatz als «in line». Ähnlich tönt es bei der Credit Suisse.

Mittel- bis langfristiger Ausblick intakt

Klar schwächer als erwartet fiel der Ebit aus, worauf alle Kommentare hinwiesen. Dieser wurde allerdings durch Marktpreisanpassungen von Derivategeschäften mit rund 100 Millionen US-Dollar belastet sowie durch Währungseffekte. Der um diese Faktoren bereinigte «clean»-Ebit lag für die meisten Institute im Rahmen der Erwartungen.

Insgesamt ergibt sich also weder mit Blick auf Umsatz und Auftragseingang noch auf das operative Ergebnis ein klares Bild. Auch die Bewertung des Ausblicks hilft nicht viel weiter.

Der Ausblick von ABB ist unbestritten klar vorsichtiger als noch vor drei Monaten. Für keine der Banken kommt dies angesichts des aktuellen wirtschaftlichen Umfelds indessen überraschend. Die Credit Suisse beispielsweise bezeichnet den Ausblick angesichts der makroökonomischen Unwägbarkeiten gar als «robust». Zum Ausblick auf die mittel- und unmittelbare Zukunft erhofft man sich in Marktkreisen mehr vom Capital Markets Day von ABB von kommender Woche.

Überraschend war allenfalls, dass sich in einigen frühzyklischen Bereichen von ABB, wie der Prozessautomation oder dem Bereich Niederspannungsproduke, bereits einige Schwächen manifestiert haben.

Als Fazit der Kommentare lässt sich herauslesen, dass zwar kurzfristig die Unsicherheiten gestiegen sind, der mittel- bis langfristige Ausblick von ABB nach wie vor intakt ist. Ähnlich formulierte es auch CEO Joe Hogan anlässlich einer Telefonkonferenz.

(laf/tno/sda)