Aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Brexit flüchten Anleger aus europäischen Finanzwerten. Ihre Verkäufe drückten die Aktien vor allem der Credit Suisse. Die Anteile der Grossbank fielen bis gegen Mittag um über 10 Prozent auf nur noch 10,02 Franken und damit auf ein neues Rekordtief.

Das CS-Papier ist damit der schwächste Titel im Schweizer Aktienindex, der mit einem Minus von 1,3 Prozent bei 7645 Punkten notiert. Von den 20 wichtigsten Aktien notieren nur die Schwergewichte Roche und Nestle leicht im Plus, die Swisscom und der Warenprüfer SGS halten sich stabil. 

«Keiner weiss etwas mit dem Ergebnis des Brexit-Referendums anzufangen», sagte ein Börsianer. «Schliesslich ist es schwer, zu beurteilen, was das für die Wirtschaft bedeutet. Es wird turbulent bleiben und eher abwärts gehen.» Der europäische Banken-Index, der am Freitag mit einem Minus von knapp 15 Prozent den grössten Tagesverlust seiner Geschichte eingefahren hatte, fiel am Montag um weitere sechs Prozent auf ein Vier-Jahres-Tief von 121,29 Punkten.

Credit Suisse sackt auf 10,10 Franken ab

Die Aktie der Credit Suisse verlor bereits am Freitag über 11 Prozent und war auch zum Wochenende Schlusslicht aller SMI-Titel. Erst vor wenigen Wochen senkten die ersten Analysten das Kursziel der CS auf weniger als 10 Franken: James Chappell von der Berenberg Bank veranschlagt einen Rückgang auf 9 Franken. Man habe die Ertragspotenziale der Bank überschätzt, schrieb er Mitte Mai.

Dies könne zu verstärkten Rufen nach einer Kapitalerhöhung führen – vor allem dann, wenn die Kernkapitalquote von aktuell 11,3 Prozent auf unter 11 Prozent fallen sollte. Die Profitabilität der Bank sei heute deutlich niedriger als im Oktober vergangenen Jahres, als die neue Strategie vorgestellt wurde, schreibt der Analyst. «Das lässt der CS wenig Raum für Manöver.»

Krisenfeste Investitionen bevorzugt

Am heutigen Montag ging es auch für die UBS nach unten, die Aktie sank bis zum frühen Nachmittag um rund 7 Prozent auf 12,61 Franken. Zu den weiteren Verlierer zählen Adecco sowie Dufry, die um rund 8,4 Prozent beziehungsweise um 8,3 Prozent sanken. Etwas stützend entwickelten sich dagegen die Titel des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, des Pharmaunternehmens Roche und der Swisscom. All diese Titel lagen gegen Montagmittag ungefähr auf dem Niveau des Schlusskurses vom Freitag oder minimal im Plus.

Anzeige

«Die Anleger sind weiterhin stark verunsichert. Keiner weiss, wie es weitergeht», sagte ein Händler heute mit Blick auf die internationalen Börsen. Einen Absturz ins Bodenlose dürfte es aber nicht geben. «Früher oder später muss zu einer technischen Gegenbewegung kommen», sagte ein Börsianer und verwies auf Japan, wo die Börse zulegte. Im Mittelpunkt dürfte nun der Fahrplan für den EU-Austritt Grossbritanniens stehen. Die Aussenminister der Gründungsstaaten machten sich für ein schnelles Verfahren stark, um einen Neuanfang in der Staatengemeinschaft zu erleichtern.

Gold ist gefragt

Gleichzeitig bevorzugen Investoren krisenfeste Anlagen – also «sichere Häfen» wie Staatsanleihen, harte Währungen wie den Franken oder Edelmetalle. Nach dem Brexit-Ergebnis am Freitag stieg der Goldpreis zwischenzeitlich um über 7 Prozent und notierte auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren bei 1322 Dollar pro Feinunze. Und der Preis klettert weiter, zurzeit wird Gold bei 1331 Dollar gehandelt – bei aktuell hohen Schwankungen.

(awp/moh)