Es ist jetzt offiziell: Die Führung von Xstrata und Glencore hat sich auf die Eckdaten einer Fusion geeinigt. Das neue Unternehmen wäre die weltweite Nummer vier in der Bergbaubranche. Scheitern könnte der Megadeal noch am Veto der Xstrata-Aktionäre – und an den Wettbewerbsbehörden. Der Zusammenschluss soll bereits im 3. Quartal über die Bühne gehen.

Die Heiratsabsicht der beiden Rohstoff-riesen Glencore und Xstrata könnte an­steckend sein. Denn die Finanzmärkte hoffen, dass die Fusion ein Startschuss für weitere Transaktionen ist. Die meisten Unternehmen sind gut kapitalisiert und generieren hohe Cashflows, was ideale Voraussetzungen für Übernahmen sind. Damit würden die Karten in der Branche neu gemischt.

Bewertungen am unteren Level

Eine Belebung kommt wie gerufen, denn der gesamte Sektor hat harzige Monate hinter sich. Im letzten Halbjahr bekam die Bergbauindustrie die Konjunktursorgen deutlich zu spüren. Dies hat auf die Kurse gedrückt. Ab dem Spätherbst begannen die Aktien zu schwächeln. So verlor allein Xstrata im August und September 2011 fast einen Drittel an Wert.

Auch Rio Tinto, die drittgrösste Bergbaugesellschaft, hat in diesem Zeitraum über 30 Prozent verloren. Diese Einbusse sorgte für rekordtiefe Bewertungen. Auf einen Horizont von zehn Jahren liegen die Bewertungen derzeit am unteren ­Level. Zugreifen mochte trotz den attraktiven Einsteigeniveaus kaum jemand: «Die ­Anleger waren 2011 sozusagen in einer Schockstarre», sagt Ronald Wildmann, Geschäftsführer des auf Rohstoffanlagen spezialisierten Vermögensverwalters Bas­invest.

Dies scheint sich jedoch bereits wieder geändert zu haben. Im Januar drehte der Markt, Zuversicht und Risikofreude ­steigen. Die Rohstoffaktien haben kräftig an Terrain gewonnen. Die Valoren von Xstrata kletterten im Januar um 10 Prozent, Glencore um knapp 6 Prozent, und Rio Tinto legte gar um über 20 Prozent zu. Allerdings wird es wohl kaum in diesem Tempo weiter aufwärtsgehen. Doch die Experten gehen 2012 von einem positiven Rohstoffjahr aus. Eine Studie der Credit Suisse macht die sich allmählich verringernde Diskrepanz zwischen Frühindikatoren und der Rohstoffperformance dafür verantwortlich. Der Grund für dieses Auseinanderdriften im Dezember und Januar lag im verschlechterten Finanzierungsumfeld. «Da sich dieses mittlerweile verbessert, erkennen wir Aufholpoten­zial», so die CS-Studie.

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Positiver Ausblick für Palladium

Das Hauptargument Wildmanns für ein gutes Rohstoffjahr 2012 lautet, dass der konjunkturelle Wendepunkt entweder kurz bevorstehe oder bereits überschritten sei. Das Land, welches die Nachfrage nach Rohstoffen am meisten beeinflusst, ist China. Rund die Hälfte des Basismetallangebots konsumiert das Land der Mitte heute. «China steuert auf eine weiche Landung zu», vermutet Wildmann. Er rechnet damit, dass das 1. Quartal 2012 das schwächste wird, das 2. und 3. Quartal dürften mit grosser Wahrscheinlichkeit stärker ausfallen.

Auf der Suche nach Rohstoff-Favoriten für 2012 stösst man rasch auf Kupfer. «Kupfer weist gute Fundamentaldaten auf und die Angebotsseite steht stark unter Druck», so Wildmann. Der Kupferpreis steigerte sich im Januar bereits deutlich. Kupfer ist eines der wichtigsten Industriemetalle und wird vor allem im Bau und in der Stromübertragung verwendet. Die grösste Kupferproduzentin ist Freeport McMoran aus Kanada.

Positiv fällt der Ausblick auch für Palladium aus, so die CS-Experten. Palladium wird hauptsächlich für die Produktion von Autokatalysatoren verwendet und gewinnt als Finanzanlage an Bedeutung.

Rekord in Eisenerzproduktion

Zum Standard-Investment im Bereich Bergbau gehören die Titel von Rio Tinto. Der britisch-australische Bergbaukonzern ist der weltweit zweitgrösste Eisenerzförderer. Im 4. Quartal hat das Unternehmen einen neuen Rekord bei der Eisenerz­produktion erzielt. Vor kurzem empfahlen die Analysten von Goldman Sachs die Aktien neu zum Kauf. Die Papiere seien nicht allzu teuer und für Anleger interessant, welche an stabile bis steigende Rohstoffpreise glaubten.

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Ebenfalls zuversichtlich gestimmt sind die Analysten für BHP Billiton. BHP Billiton ist gemessen an der Marktkapitalisierung der weltweit grösste Bergbaukonzern und ebenfalls führend in Kohle- und Eisenerzförderung. Die Valoren sind im Januar um fast 15 Prozent gestiegen.

Kosten: Indizes und ihre Tücken

Futures
Vorsicht ist bei Investments in Rohstoff-Indizes geboten. Indizes sind häufig stark auf Öl ausgerichtet, und diese sind oft im «Contango» – was sich negativ auf die Rendite auswirken kann. Im S&P GSCI ist der Energiebereich mit einem Gewicht von fast 70 Prozent sehr dominant. Zwar sind mittlerweile Varianten mit reduzierter oder gar keiner Gewichtung in Energie im Angebot. Die «Roll-Problematik» bleibt aber bestehen. Denn Rohstoffe werden in Terminkontrakten (Futures) mit ­festen Laufzeiten gehandelt. Laufen diese aus, kauft die Bank neue ­Futures. Kostet der neue Kontrakt mehr als der ablaufende, spricht man von Contango – es resultieren «Rollverluste». Im gegenteiligen Fall können auch «Rollgewinne» entstehen. In jedem Fall verursacht das Rollen Transaktionskosten.