Der Schweizer Aktienmarkt ist erneut mit Abgaben in den Handel gestartet. Hauptgrund für die anhaltend negative Stimmung nach der Lösung der Krise um die Schuldenerhöhung in den USA sind die noch nicht absehbaren Folgen. Einige Ökonomen gehen davon aus, dass die Ausgabenkürzungen die grösste Volkswirtschaft in eine neue Rezession stürzten könnte.

Die Vorgaben aus den USA und Asien fielen denn auch sehr schwach aus. Die überraschend von der SNB angekündigten Massnahmen gegen die Frankenstärke helfen dem SMI immerhin, die Verluste etwas einzugrenzen. Dazu hat sich der Franken gegenüber dem Euro wieder über der Grenze von 1,10 Franken etabliert.

Weiter würden die Märkte vermehrt von Fragen zur Finanzlage Spaniens und Italiens beunruhigt, so ein Händler. Nach den schwachen US-Daten der letzten Tage sind die Marktteilnehmer bereits jetzt auf den Arbeitsmarktbericht vom Freitag gespannt. Am Nachmittag rücken deshalb die ADP-Daten als Indikator für den Bericht Ende Woche in den Fokus.

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SNB greift ein

Bis um 09.30 Uhr verliert der SMI 0,83 Prozent auf 5500,29 Punkte. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) sinkt um 1,29 Prozent auf 841,73 Zähler und der breite Gesamtmarkt (SPI) um -1,18 Prozent auf 5038,81 Punkte.

In den Schweiz wurden die Stimmen in den letzten Tagen immer lauter, die von der SNB ein Eingreifen beim starken Franken forderten. Nun hat die Notenbank reagiert und hat Massnahmen angekündigt. Sie sieht den Franken «zur Zeit als massiv überbewertet». Ab sofort strebt die SNB deshalb einen Dreimonats-Libor so nahe bei null wie möglich an und verengt das Zielband für den Dreimonats-Libor von 0-0,75 Prozent auf 0-0,25 Prozent.

Frühzyklische Branchen im Fokus

Angesicht der weiterhin angespannten Lage bei den Staatsfinanzen und der damit verbundenen Konjunktursorgen bleiben frühzyklische Branchen wie die Chemieindustrie im Fokus. Nach den Abgaben von mehr als 10 Prozent am Vortag gehören Clariant (-3,0 Prozent) erneut zu den schwächsten Valoren im SMI/SLI. Goldman Sachs hat das Kursziel aufgrund der enttäuschenden Ergebnisse nach unten revidiert. Insbesondere die Margen hätten die Erwartungen verfehlt, schreibt die Bank. Lonza (-1,4 Prozent) und Syngenta (1,1 Prozent) sind ebenfalls im Minus.

Auch weitere konjunkturabhängige Valoren zeigen sich zu Handelsbeginn wieder äusserst schwach. Swatch (-3,4 Prozent), Richemont (-2,6 Prozent) oder ABB (-1,9 Prozent) landen alle am Tabellenende. Swatch können somit von der Kurszielerhöhung durch Citigroup nicht profitieren. Die Bank hat ihre Schätzungen für das organische Umsatzwachstum für die Uhrensparte im zweiten Halbjahr erhöht.

Weatherford (3,3 Prozent) gehören ebenfalls zu den grössten Verlierern, Transocean geben derweil 2,6 Prozent nach. Das in der Ölförderung tätige Unternehmen präsentiert nachbörslich die Zahlen für das zweite Quartal.

Bankaktien weniger unter Druck

Bei den Bankenaktien hat der Druck etwas nachgelassen. Die Titel dürfte von den angekündigten Massnahmen der SNB gegen den starken Franken etwas profitieren. Julius Bär büssen aktuell 0,6 Prozent ein, UBS 0,2 Prozent und Credit Suisse 0,1 Prozent. Schlechter steht es derweil um die Versicherer. Am grössten sind die Verluste bei Swiss Life (-2,9 Prozent) und ZFS (-1,6 Prozent), Bâloise (-1,2 Prozent) halten sich dagegen etwas besser.

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Mit geringen Verlusten gehen derzeit Roche (-0,4 Prozent) um. Weitere SMI-Schwergewichte wie Novartis (-1,5 Prozent) oder Nestlé (-0,6 Prozent) notieren ebenfalls schwächer.

Aus der zweiten Reihe haben Petroplus (-14,2 Prozent) und AFG Arbonia-Forster (-5,4 Prozent) Zahlen für die ersten sechs Monate präsentiert. Die Raffineriebetreiberin hat dabei die Markterwartungen verfehlt und auch der Ostschweizer Bauzulieferer hat mit seinem Zahlenausweis enttäuscht.

(laf/cms/sda/awp)