Kurz nach der Ankündigung der Schweizer Nationalbank SNB, den Mindestkurs nicht mehr zu verteidigen, kam es an der Schweizer Börse zu Panikverkäufen. Innert kürzester Zeit stürzte der SMI um bis 15 Prozent und erholte sich auch im Verlauf des Tages zwar ein wenig, blieb aber tiefrot. Aktuell notiert der Schweizer Leitindex immer noch rund zehn Prozent im Minus.

Von Panikverkäufen rät Christoph Riniker, Leiter Aktien und Marktstrategien bei der Privatbank Julius Bär, im Interview dennoch ab. Was er nun tun würde, erklärt er im Interview.

Was Raten Sie Anlegern in der momentanen Situation?
Christoph Riniker: Beim aktuell tiefen Niveau rate ich dazu, auf keinen Fall zu verkaufen. Im Gegenteil: Bei Risikofähigkeit können Anleger das aktuell Niveau nutzen, um tief einzusteigen. Ausländische Investoren, die in Dollar oder Euro denken, haben hingegen einen kleineren Nettoverlust, weil die Rückschläge an der Börse auf der Währungsseite wieder Wett gemacht werden.

Weshalb reagierte der Markt derart panisch?
Der Entscheid kam sehr überraschend. In den Köpfen war der Mindestkurs stark verankert gewesen. Für mich erfolgte der Rückschlag in berechtigtem Rahmen, denn der SMI hat sich in der Vergangenheit immer in Tendenz zur Währung entwickelt. Ein starker Schweizer Franken schwächte jeweils den Aktienmarkt.

Wagen Sie eine Prognose, wie sich der SMI weiter entwickeln wird?
Vieles ist offen und muss zuerst analysiert werden. In der Vergangenheit hat sich allerdings gezeigt, dass der sehr stark exportorientierte Schweizer Markt mit dem starken Franken umgehen kann. Ich bin nicht allzu negativ bezüglich der weiteren Kursentwicklung. In den nächsten Wochen und Monaten dürften die Kurse wieder steigen.

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Wo sehen Sie das Währungspaar in den nächsten Monaten?
Unser Währungsspezialist geht von einem Kurs von 1.05 Franken in drei Monaten aus, über zwölf Monate sieht er den Eurokurs bei 1,08 Franken. Diese Gegenbewegung dürfte für eine Unterstützung am Aktienmarkt sorgen. Auf jeden Fall ist der Dollar in nächster Zeit aber die stärkere Währung als der Euro.

Welche Branchen sind aktuell besonders unter Druck?
Aufgrund des starken Frankens sind besonders die exportorientierten Firmen unter Druck. Jene, die Richtung USA und Europa ausgerichtet sind, haben heute am stärksten gelitten. Deswegen rate ich auch Anlegern, die wenig risikofreudig sind, primär auf Firmen zu setzen, die am heimischen Markt tätig sind. Allerdings können diese dann auch nicht von einer Gegenbewegung profitieren. Wir bevorzugen Gesellschaften mit einer US-Dollar-Umsatzabhängigkeit gegenüber einer Euro-Abhängigkeit.

Gibt es auch Profiteure?
Grösster Profiteur ist der Konsument. Entsprechend lohnt sich ein Blick auf konsumorientierte Sektoren. Gerade auch mit dem tiefen Ölpreis sind solche Aktien vielversprechend.