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Apple: «Die Dividende ist das einzig Neue»

Apple-Mitbegründer Steve Wozniak: «Das Internet wird unnötig eingeschränkt.»

Steve Wozniak gründete einst mit Steve Jobs Apple. Er glaubt daran, dass die Aktie des iPhone-Konzerns über 1000 Dollar klettern kann.

Von Jorgos Brouzos (Interview)
am 28.03.2012

Nun ist es offiziell. Apple ist mit einer Börsenkapitalisierung von mehr als 550 Milliarden Dollar das teuerste Unternehmen der Welt – und stiess damit den Erdölgiganten Exxon Mobil vom Thron. Den Grundstein des Erfolges legte auch Steve Wozniak. 1976 gründete er ­zusammen mit Steve Jobs und Ronald Wayne den amerikanischen Computerkonzern. Und er war es, der den Rechner Apple I entwickelte. 1985 verliess er Apple. Seither investiert der 61-Jährige in Jungunternehmen und veranstaltet Musik­festivals. Seit 2009 ist Wozniak leitender Wissenschaftler beim US-Technologieunternehmen Fusion-IO.

Seit einigen Jahren berät der studierte Computeringenieur und Programmierer auch wieder Apple. Wozniak, der in den 80er-Jahren einen Absturz eines Kleinflugzeuges überlebte, ist begeisterter Tänzer, ein grosser Fan der Segway-Elektroroller und Initiant des ersten Segway-Polo-Turniers, dem Woz Challenge Cup.

Sie sind nun 61 Jahre alt. Spielen Sie ­trotzdem noch Segway Polo?
Steve Wozniak: Ja, natürlich. Ich nahm letzten Sommer mit meiner Frau an einem grossen Turnier in Deutschland teil. Wir nehmen das Spiel sehr ernst. Ich war auch schon zweimal an den Europameisterschaften.

Haben Sie auch schon Titel gewonnen?
Mit meinem Team Silicon Valley Aftershocks haben wir die ersten beiden Austragungen des Woz Challenge Cup gewonnen. Den dritten Cup verloren wir nur knapp. Danach wurden die anderen Teilnehmer immer athletischer – und für uns wurde es immer schwieriger.

Auf der Siegerseite zeigten sich zuletzt die Apple-Aktien. Halten Sie noch welche?
Ja, meine Frau und ich haben noch einige. Wir haben auch noch andere Aktien, aber nicht besonders viele.

Dann müssen Sie sich über die Dividende freuen. Erstmals seit 1995 schüttet Apple wieder eine Dividende aus.
Mich interessieren Finanzen nicht sehr. Ich mache mir daher keine Gedanken über Dividenden. Die meisten Aktionäre werden mit der Ausschüttung sowieso Apple-Aktien kaufen. Wer weiss, was Apple noch alles erreichen kann?

Der Titel hat erst vor kurzem die 600-Dollar-Grenze geknackt. Trotzdem haben Sie in einem Interview gesagt, die Aktie könne über 1000 Dollar klettern.
Das habe ich nie so gesagt. Die Aktie interessiert mich nicht besonders, ich habe auch noch nie den Kurs der ­Apple-Aktien auf meinem iPhone abgerufen. Das macht nur meine Frau ab und zu.

Wie hoch klettert die Aktie denn Ihrer ­Meinung nach noch?
Ich wurde gefragt, ob die Aktie über 1000 Dollar klettern könne. Mir ist kein Grund eingefallen, der dagegen spricht, also habe ich «Ja» gesagt.

Weshalb sind Sie so überzeugt von Apple?
Apple besteht aus mehreren Teilen, die sich sehr gut ergänzen. Hardware, wie iPhones, Applikationen wie iTunes, die Apple-Läden – jedes einzelne Stück passt sehr gut zusammen. Ein neues Produkt kann so entwickelt werden, dass es perfekt in das grosse Ganze passt. Es ist daher mehr als ein einzelnes Gadget, es öffnet den Zugang zur Apple-Welt.

Das gilt gerade für das iPad.
Ich stehe selbst für jedes neue Apple-Produkt Schlange, aber dieses Mal tat ich das besonders gerne. Es ist ein besonderes Gerät. Das iPad ist für Leute gedacht, die eigentlich nichts von Computern wissen wollen.

Viele Firmen haben Mühe, mit dem ­Tempo von Apple Schritt zu halten. Der Schweizer Hersteller von Computer-Zubehör Logi­tech leidet wegen Apple.
Meine iPad-Tastatur ist doch von Logitech. Ich glaube nicht, dass das ein Problem ist.

Logitech verkauft weniger Zubehör, weil Tablets kaum noch welches brauchen.
Oh ja, die Welt verändert sich. Steve Jobs hatte diese Idee bereits bei einem unserer ersten Computer, dem Apple II. Ich wollte acht Steckplätze. Er war der Ansicht, dass zwei genügen. Steve glaubte daran, dass es nur ein Modem und einen Drucker braucht.

Sie haben sich damals durchgesetzt.
Die acht Steckplätze machten den Apple II beliebt. Benutzer konnten ihn nach ihren Bedürfnissen erweitern. Doch Steve wollte immer einfache, kon­trollierbare Produkte machen. Das machte die Firma zu dem, was sie heute ist.

Seit letztem Sommer ist Tim Cook bei Apple am Ruder. Hat er etwas verändert?
Ich bin nach wie vor ein Anhänger der Philosophie von Steve Jobs. Es ist kein abrupter Wechsel. Die Dividende ist das einzig Neue, was ich bis jetzt wirklich bemerkt habe.

Apple TV ist einer der wenigen Miss­erfolge. Zumindest kommt Google TV auch nicht vom Fleck. Weshalb?
Es hapert, weil die richtige Formel noch nicht da ist. Auch bei den Smartphones dauerte es, bis das Rezept da war.

Was fehlt denn noch?
Sportveranstaltungen oder Reality TV muss man live sehen. Diese Art von Fernsehen lässt sich noch kaum über das Internet beziehen. Die TV-Anstalten haben Angst, dass ihre Einnahmen sinken. Doch die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Bald wird es eine Formel geben, die auch für die Inhalteanbieter stimmt.

Wird Apple oder Google schneller sein?
Apple und Google können es beide schaffen. Es sind fitte Firmen, die solche Entwicklungen antreiben können.

Nun droht von anderer Seite Gefahr. Das Internet soll stärker reguliert werden. Das amerikanische Anti-Pirateriegesetz Sopa und das Handelsabkommen Acta stehen in der Kritik.
Ich verstehe auch die Seite der Kulturschaffenden. Aber das Internet wird unnötig eingeschränkt. Ich habe etwa versucht, in der Schweiz auf meinem Laptop ein Basketballspiel zu schauen, für das ich bezahlt habe. Es ging nicht. Das macht für mich keinen Sinn.

Was meinen Sie damit?
Wenn Limitationen angemessen angewendet werden, finde ich sie gut. Aber das werden sie nicht. Gesetze wie Sopa erlauben es den Behörden, Internetseiten ohne ein Verfahren abzuschalten. Die Beweispflicht fällt weg. Hier fehlt für mich die Verhältnismässigkeit. Wenn man das Gefühl hat, jemand tue etwas Falsches, muss man ihm das nachweisen können. Alles andere ist nicht demokratisch.

Gibt es eine Lösung?
Jeder Staat schaut für sich, dabei fliessen gewaltige Datenströme zwischen den Ländern. Es braucht vielleicht eine Regierung, die allgemeine Regeln für das Netz schafft.

Indes verändern Firmen wie Google und Apple die Welt. Woher kommt ihr Erfolg?
Sie machen etwas Wertvolles und sie hatten das nötige Glück. Ich werde oft von Unternehmern gefragt, wie sie wie Apple sein können. Aber Apple ist nicht typisch – es ist eine einzigartige Geschichte.

Was ist eigentlich Ihr liebstes Gadget?
Das iPhone, mein MacBook Pro und mein Segway sind wichtig für mich. Ich mag es auch, mit phantasievollen Uhren herumzuspielen, und ich kaufe mir viele Smartphones. Ich warte ungeduldig auf das Nokia Lumia 900, weil ich mal ein Windows-Telefon ausprobieren möchte. Und ich habe Apps, auf die ich nicht mehr verzichten will, wie etwa solche für Social Media oder für Reisen. Sie sind ein Teil meines Lebens geworden.

Das Interview fand an einem Kundenanlass der Bank Julius Bär statt.

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