Ein Auftritt ganz nach dem Geschmack eines Investors, der die öffentliche Aufmerksamkeit geniesst: Ein kurzer Tweet beim Nachrichtendienst Twitter reichte gestern, um der Aktie von Apple einen Schub von zwischenzeitlich über 5 Prozent zu geben. «Wir haben im Moment eine grosse Position bei Apple», schrieb Icahn. Und: «Wir glauben, dass das Unternehmen extrem unterbewertet ist.» 

In einer zweiten Nachricht kündigte er an, bald wieder mit Apple-Chef Tim Cook sprechen zu wollen – über einen grösseren Aktienrückkauf. Die Resonanz im Web auf diese öffentliche Mitteilung war gewaltig. Erst seit wenigen Wochen ist der 77-Jährige auf Twitter vertreten – noch gesternabend hatte er 33'000 Follower. Binnen weniger Stunden ist diese Zahl auf über 50'000 gestiegen.

Mann der grossen Töne

Immer wieder balgt sich Icahn öffentlich mit seinen Kontrahenten. Erst vor wenigen Wochen gab er bekannt, 500 Millionen Dollar in das Unternehmen Herbalife investiert zu haben. Just nachdem öffentlich wurde, dass sein Erzfeind Bill Ackman mit seinem Hedgefonds Pershing Capital auf fallende Kurse bei Herbalife spekulierte. Angeblich verlor Ackman daraufhin 400 Millionen Dollar.

Anzeige

Die Wall-Street-Posse wurde um eine Episode reicher als CNBC Anfang August meldete, dass nun auch Grossinvestor George Soros ein grösseres Aktienpaket Herbalife gekauft habe – und Ackman sich darauf hin bei der Börsenaufsicht SEC beschwerte. 

Apple-Tweet hat «Gschmäckle»

Auch die gestrige Aktion von Icahn war alles andere als lupenrein. Nach der öffentlichen Bekanntgabe schnellte der Kurs der Apple-Aktie kurzfristig massiv in die Höhe. Icahn selbst hätte genug Zeit gehabt, seine Anteile in der Zwischenzeit problemlos gewinnbringend verkaufen können. Nicht wenige Beobachter lassen sich im Netz über dieses Gebahren aus – Begriffe wie «offene Marktmanipulation» machen bei Twitter und in anderen Netzwerken die Runde. 

Heute hat der US-Investor bei unzähligen Unternehmen seine Finger im Spiel. Anfang Januar kaufte er sich mit mehr als 3 Prozent beim Ölbohrkonzern Transocean ein. Bei Dell gab er sich vor wenigen Monaten mit 10 Prozent zufrieden. Zurückhaltend war der New Yorker indes nie.

Der König von Queens

Geboren als Sohn einer Lehrerin und eines «frustrierten Opernsängers», wie Icahn selbst über seinen Vater schreibt, wächst er im New Yorker Stadtteil Queens auf und arbeitet sich hoch. Er schliesst ein Bachelor-Studium in Philosophie ab, wirft ein Medizinstudium jedoch hin, weil er erkennt, dass dies nicht das richtige Berufsfeld für ihn ist. Stattdessen geht er an die Wall Street.

1960 beginnt er als Junior-Makler bei der Dreyfus Corp. und gründet acht Jahre später seine eigene Wertpapierhandelsfirma Icahn & Co. Seit den 1970er Jahren kauft er sich immer öfter in kriselnde Firmen ein und versucht dort oft, die Mehrheit im Verwaltungsrat zu erlangen, marode Firmenteil zu verkaufen und kompromisslos zu sarnieren. All das macht ihn laut «Forbes» zu einem der Vorbilder  für den Spekulanten Gordon Gekko im Hollywood-Streifen «Wall Street».

Anzeige

Vermögen von mehr als 14 Milliarden Dollar

Icahn beteiligt sich unter anderem am Ölkonzern Texaco und übernimmt die Fluggesellschaft TWA. Ein Einsteig bei General Motors misslingt, da der Autohersteller Icahns Pläne öffentlich macht.

2006 attackiert Icahn die Unternehmensführung vom Time Warner, 2007 und 2008 steigt er bei gleich zwei grossen Techkonzernen ein: Motorola und Yahoo. Bei beiden erstreitet er Sitze im Verwaltungsrat. 2009 kauft er sich beim Computerspieleverlag Take Two ein, 2012 beim Internet-Videoverleih Netflix.

Heute schätzt «Forbes» das Vermögen des New Yorkers auf 14,8 Milliarden Dollar. Privat engagiert sich der Vater von zwei Kindern unter anderem für Schulen in der Bronx, sammelt Kunst und besitzt Rennpferde.