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Ausblick: Dem SMI winkt 2015 ein neues Allzeithoch

In einer fünfteiligen Serie gibt handelszeitung.ch einen Ausblick auf 2015. Folge zwei: Die Schweizer Börse. Wieso das kommende Jahr volatiler wird – aber offenbar auch ein neuer Rekord ansteht.

Von Andrea Marthaler und Mathias Ohanian
am 12.12.2014

Die Schweizer Börse hat sich in diesem Jahr besser entwickelt als von vielen Beobachtern im Vorfeld prophezeit. Der SMI liegt noch immer über acht Prozent im Plus, der breit gefasste SPI gar über 11 Prozent. Auch wenn die Kurse in der vergangenen Woche wieder etwas unter Druck geraten sind, dürfte das Jahr positiv enden.

Anlegern sitzt indes noch der Kurseinbruch im Oktober im Nacken, als die Schweizer Börse innert wenigen Tagen um fast 1000 Punkte nach unten ging – um kurz darauf wieder kräftig aufzuholen. Fast wären die Kursgewinne des ganzen Jahres weggespült worden. Dies, wie auch der jüngste Kursrutsch, zeigt aber, wie fragil die Entwicklung an den Börsenmärkten aktuell ist.

Neues Allzeithoch in Reichweite

Nichtsdestotrotz setzen die meisten von handelszeitung.ch befragten Experten auf weitere Kursgewinne im kommenden Jahr, zumindest in den ersten Monaten 2015. Denn einerseits bessern sich die konjunkturellen Perspektiven wieder, die Weltwirtschaft dürfte mit über vier Prozent kräftiger als in diesem Jahr wachsen – ein Plus für die vielen exportorientierten Schweizer Firmen. Begünstigend kommt hinzu, dass der Dollar gegenüber dem Franken weiter aufwerten dürfte. Auch das hilft der Schweizer Exportwirtschaft.

Daneben mangelt es Investoren angesichts der noch immer niedrigen Zinsen rund um den Globus auch 2015 an alternativen Anlagen. «Die Schweizer Börse sollte im kommenden Jahr ein kräftiges Plus verzeichnen. Wir sehen den SMI Mitte 2015 bei 10'500 Punkten», sagt Harald Preissler, Chefökonom und Leiter Anlagemanagement der Bantleon Bank in Zug. Das ist eine klare Ansage, denn damit wäre das SMI-Allzeithoch locker geknackt. Im Juni 2007, also vor über sieben Jahren, erreichte das wichtigste Schweizer Aktienbarometer seinen Höchststand von 9'531 Punkten.

Volatilität wird höher sein

Doch so optimistisch sind nicht alle Beobachter. Zwar arbeiteten Schweizer Firmen sehr profitabel, sagt Reto Hintermann, Chef institutioneller Mandate beim Vermögensverwalter GAM. Doch die Schweizer Unternehmen sind an der Börse bereits relativ hoch bewertet. «Diese Bewertung birgt Rückschlagpotenzial, sollte es zu Wachstumsenttäuschungen kommen.» Während die USA 2015 wichtige Impulse geben dürfte, steht hinter der Euro-Zone noch immer ein grosses Fragezeichen.

Ein weiterer Risikofaktor: Zwar bleibt die Geldpolitik in Kontinentaleuropa und der Schweiz expansiv, doch die Notenbanken in England und den USA liebäugeln mit einer baldigen Zinsanhebung. Erwartet wird, dass die US-Zentralbank Fed noch in der ersten Hälfte 2015 den ersten Zinsschritt nach oben seit 2006 wagen könnte. Auch das könnte die Börsen im Jahresverlauf zunehmend ins Wanken bringen. Entsprechend relativiert auch Christoph Schenk, Investmentchef bei der Zürcher Kantonalbank: «Alternativen zu Aktien sind im momentanen Umfeld rar. Deshalb erwarte ich eine positive Performance für 2015.» Die dürfte seiner Einschätzung nach aber klar unter derjenigen von 2014 liegen.

Zweite Hälfte 2015 wird schwierig für SMI

Und was ist mit dem länger befürchteten Börsencrash? Risiken dafür gibt es. «Der Tag, an dem es deutlich runter geht, wird kommen, ich rechne ab Mai damit», sagt etwa Steen Jakobsen, Chefökonom der dänischen Saxo Bank. Und auch Bantleon-Anlageexperte Preissler rechnet damit, dass der SMI gegen Ende 2015 wieder in Richtung 9000 Punkte fallen wird.

Unterm Strich bleibt damit: Das Allzeithoch des SMI könnte in den kommenden Monaten erreicht werden. Erstmals winkt ein fünfstelliger Indexstand. Doch gleichzeitig dürfte 2015 auch ein Jahr mit hoher Volatilität werden – und möglichen Korrekturen in der zweiten Hälfte.

Im Rahmen der fünfteiligen Serie von handelszeitung.ch zum Ausblick auf das kommende Jahr folgen die Themen Ölmarkt, Gold und Schweizer Zinsen.

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie «Ausblick 2015», zur Schweizer Wirtschaft

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