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Bei Coca-Cola und Co. lohnt der Aktienkauf

«Neue» Cola-Dosen: Die Aktie ist Zucker fürs Portfolio. Keystone

Konsumaktien haben sich während der Korrektur gut gehalten. Der Einstieg bleibt somit teuer, lohnt sich aber – nicht nur wegen der Dividende.

Von Julia Groth
am 25.09.2015

Jorge Paulo Lemann könnte es sich leisten, in den Ruhestand zu gehen. Der 76-jährige brasilianisch- schweizerische Investor gilt immerhin als reichster Mann Brasiliens und drittreichster Mann der Schweiz, mit einem geschätzten Vermögen von rund 22,3 Milliarden Franken.

Lemann denkt allerdings nicht ans Aufhören. Stattdessen bereitet er dieser Tage eine Megafusion vor: Der weltgrösste Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev, an dem Lemann massgeblich beteiligt ist, will die Nummer zwei der Branche kaufen, den britischen Konzern SABMiller. Als der Plan Mitte vergangener Woche bekannt wurde, schossen die Aktienkurse beider Unternehmen in die Höhe. Analysten sehen weiteres Kurspotenzial für die Valoren der beiden Bier-Giganten, sollte die Fusion tatsächlich zustande kommen.

Schnäppchenjäger werden kaum fündig

Konsumgüteraktien sind trotz dem turbulenten Sommer nach wie vor hoch bewertet, heftige Korrekturen sind ausgeblieben.«Food-Aktien entwickeln sich solide. Von der Währungsseite kamen zuletzt positive Effekte hinzu», sagt René Weber, Aktienanalyst bei Vontobel. Das hat allerdings auch eine Kehrseite: Schnäppchenjäger werden jetzt kaum fündig.

So weist etwa die Aktie von Lindt & Sprüngli im laufenden Jahr ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von geschätzt 33,6 auf – günstig geht anders. Der Aktienkurs des Schokoladenherstellers bewegt sich seit Jahren nahezu ununterbrochen nach oben. Das freut Anleger, die die Lindt-Aktie im Depot haben, macht den Neueinstieg aber nicht gerade schmackhaft.

Coca-Cola überzeugt mit Dividende

Der Ausblick für die Platzhirsche der Branche präsentiert sich heiter bis wolkig. Während mehrere Analysten etwa die Aktie des Schweizer Konsumgüterriesen Nestlé, derzeit bei rund 74 Franken, demnächst bei 80 Franken sehen, haben andere ihr Kursziel auf 60 Franken gesenkt. Ähnlich sieht es beim Getränkegiganten Coca-Cola aus. In den vergangenen drei Monaten fiel der Kurs der Aktie zwar leicht, die meisten Analysten raten aber zum Halten - für Neueinsteiger bieten sich daher auf kurze Sicht keine grossen Renditechancen.

Von kleinen Schwankungen abgesehen, haben Konsumgüteraktien in den turbulenten vergangenen Wochen erneut unter Beweis gestellt, dass sie in Krisenzeiten vergleichsweise stabil bleiben. Wer neu einsteigen und nicht teuer einkaufen will, muss allerdings höhere Risiken in Kauf nehmen. Zu den wenigen interessanten Investment-Kandidaten gehört etwa der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Dessen Aktienkurs ist im laufenden Jahr deutlich gefallen. Analysten sind allerdings uneins darüber, wann es wieder nach oben geht, und halten sich deshalb mit Kaufempfehlungen noch zurück.

Tiefer Ölpreis, mehr Konsum

Wer in der Konsumgüterbranche auf Schnäppchenjagd gehen will, wird am ehesten bei Luxusgüterherstellern fündig.«Deren Aktien haben seit Jahresbeginn stark gelitten» erklärt Vontobel-Analyst Weber. Der Höhenflug des Frankens hat die Umsätze schweizerischer Luxusgüterhersteller belastet, auch der niedrige Ölpreis setzte die Konzerne unter Druck.

In vielen Ländern kurbelt der Ölpreisverfall zwar den Konsum an, weil er wie eine Steuererleichterung wirkt. Ausgerechnet in aufstrebenden Volkswirtschaften wie Russland oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, in denen viele luxusliebende Verbraucher leben, drückt das billige Öl aber auf das Wirtschaftswachstum.

Luxusgüterhersteller erwarten bessere Zeiten

Nun könnte es für die Aktienkurse von Luxusgüterkonzernen wieder nach oben gehen. Mehrere Hersteller haben zuletzt steigende Gewinne gemeldet. Weber findet etwa den Schmuckriesen Richemont interessant. Auch der französische Luxusgüterkonzern LVMH ist nach Einschätzung von Marktbeobachtern attraktiv.

Sein Aktienkurs hat in den vergangenen Monaten gelitten. Der Konzern habe sich zuletzt allerdings besser entwickelt als die Konkurrenz, sagen Analysten der US-Bank JP Morgan Chase. Sie haben die Aktie deshalb auf«kaufen« gesetzt. Das Konsumklima dürfte sich in den kommenden Monaten verbessern, trotz der Sorge um das Wachstum in den Schwellenländern. Das gilt vor allem für die USA: «Im zweiten Halbjahr dürfte der wiedererwachte US-Konsument zur Lokomotive der US-Wirtschaft werden», sagt Alessandro Bee, Ökonom der Bank J. Safra Sarasin. Noch spiegeln sich die verbesserten Aussichten aber nicht in den Aktienkursen wider.

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