In Finanzdingen sind die Schweizer ungewohnt selbstbewusst: Jeder Zweite sagte bei einer Umfrage er kenne sich mit Sparen und Investieren aus. Im europäischen Durchschnitt fühlen sich auf diesem Terrain lediglich 40 Prozent sicher. Mit dieser selbst zugeschriebenen Kompetenz geht hierzulande grosser Optimismus einher. 58 Prozent der Schweizer stehen ihrer finanziellen Zukunft positiv gegenüber. Das sind mehr als in allen anderen Ländern, in denen die Umfrage durchgeführt wurde.

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Ihren profunden Kenntnissen zum Trotz, hält sich der durchschnittliche Schweizer Investor vornehm zurück, wenn es darum geht, mehr Risiko einzugehen. Nur gerade 16 Prozent investieren aktiv. 58 Prozent sind nicht willens, irgend ein Risiko mit ihrem Geld einzugehen. Diese Risikoscheu widerspiegelt sich im Anlageverhalten: 60 Prozent der Vermögen liegt hierzulande als Bargeld auf Bankkonten oder unter Matratzen.

Das wichtigste Ziel verfehlt

Allmählich scheinen die Schweizer aber zu merken, dass ihre Vorsicht nicht mehr angebracht ist. 2013 ist das zweite Jahr in Folge mit enormen Kursgewinnen an der Börse. Seit Januar 2012 stieg der SMI um ein Drittel von gut 6000 auf über 8000 Punkte. 40 Prozent wollen ihre konservative Haltung denn auch aufweichen und im kommenden Jahr mehr in Aktien und Anleihen investieren.

Wie weise es ist, mehr als zwei Jahr nach dem Start eines Börsenbooms einzusteigen, müssen die Investoren selbst beurteilen. Aus der vom Vermögensverwalter Blackrock beauftragten Studie wird jedenfalls deutlich, dass die bisherige Strategie nicht den erhofften Erfolg brachte.

Mühe mit Schätzungen

Das wichtigste Ziel der Schweizer Anleger ist - noch vor dem Erhalt des Vermögens - eine gesicherte Altersvorsorge. Dass es mit dem Finanzwissen vielleicht doch nicht ganz so weit her ist, zeigen die Resultate der Umfrage in diesem Bereich: Um das erhoffte Einkommen nach der Pension von 67'000 Franken pro Haushalt und Jahr zu erzielen, glauben die Befragten, eine gute halbe Million ansparen zu müssen. In Wirklichkeit bräuchte man dafür aber ein angespartes Pensionsguthaben von 986'000.

Was Blackrock den Schweizern über die Resultate der Studie sagen will, ist deutlich: «Wer auf professionelle Anlageberatung setzt, schaut positiver in seine finanzielle Zukunft», wird der Leiter des europäischen Retail-Geschäfts, Alex Hoctor-Duncan, zitiert. Als Anbieter dieser Dienstleistung hätten es die Amerikaner wohl gern, wenn sich die Schweizer Sparer an sie wenden würden.

Fragt die Rentner

Noch besser bedient ist aber, wer sich am Rat der separat befragten Pensionäre orientiert: Man sollte so früh wie möglich mit dem Sparen anfangen und dabei langfristig denken. Vom Einstieg in die Aktienmärkte nach zwei Jahren mit Rekordgewinnen ist dort nicht die Rede.