Eine Fortsetzung der aktuellen Kursrally ist zumindest in der kommenden Woche Börsianern zufolge nicht in Sicht. «Wir werden versuchen, im Dax die 10.000er Marke zu verteidigen», sagt Postbank-Aktienmarktexperte Heinz-Gerd Sonnenschein. «Aber es wird ein schwieriges Quartal.» In der abgelaufenen Woche legte der SMI als wichtigster Schweizer Aktienindex um knapp 2 Prozent zu, der deutsche Leitindex um fast 6 Prozent - so viel wie zuletzt vor etwa vier Jahren. Auch die Wall Street kletterte nach oben. Für den S&P war es mit einem Plus von 3,3 Prozent das grösste Plus in diesem Jahr.

Die anlaufende US-Bilanzsaison sei der grösste Belastungsfaktor, sagte Sonnenschein. «Es wäre schon gut, wenn die Gewinnerwartungen insgesamt stabil bleiben.» Schliesslich müsse wegen der gefallenen Rohstoffpreise vor allem bei den US-Energiewerten mit enttäuschenden Geschäftszahlen gerechnet werden. Amerikanische Investoren warten gespannt darauf zu erfahren, wie sich die einheimischen Unternehmen angesichts des starken Dollars und der schwachen Konjunktur in China geschlagen haben.

«Niemand weiss wirklich, was eigentlich los ist»

In der neuen Woche öffnen zunächst die Grossbanken JPMorgan (Dienstag), Bank of America, Wells Fargo (jeweils Mittwoch), Goldman Sachs und Citigroup (jeweils Donnerstag) ihre Bücher. Danach legt der weltgrösste Chip-Hersteller Intel am Dienstag und der Siemens-Rivale General Electric (GE) am Freitag Geschäftszahlen vor. Von den Banken-Bilanzen erhofften sich die Experten auch Hinweise auf den Zustand der US-Konjunktur als Ganzes, sagte Kim Forrest von Fort Pitt Capital Group. «Einige Leute sagen, dass wir in einer Rezession stecken, andere sprechen von einer Sommerflaute und ich glaube nicht, dass jemand wirklich weiss, was eigentlich los ist.»

Ungeachtet der mauen Aussichten für die Firmenbilanzen klammern sich einige Börsianer weiter an die Hoffnung auf eine Jahresendrally. Sie verweisen auf die mögliche Verschiebung der US-Zinswende und eine etwaige Ausweitung der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Darüber hinaus ziehen sie Parallelen zur Asien-Krise 1998. Damals habe der Dax nach einem Kursrutsch im dritten Quartal bis zum Jahresende wieder 13 Prozent zugelegt.

Konjunkturdaten im Blick

Für Hinweise auf die Geldpolitik richten Anleger ihre Aufmerksamkeit unter anderem auf die US-Einzelhandelsumsätze am Mittwoch und die Industrieproduktion am Freitag. «Die nächste Woche anstehenden Daten dürften zeigen, dass die US-Wirtschaft weiterhin vom privaten Konsum getrieben wird während die Industrie eher bremst», schreibt Commerzbank-Analyst Christoph Balz in einem Kommentar. Am Mittwoch veröffentlicht zudem die US-Notenbank Fed ihre Wirtschaftsprognose, das sogenannte Beige Book. Am Donnerstag folgen dann die Konjunkturbarometer der Fed von New York und der von Philadelphia.

In Deutschland steht am Dienstag der ZEW-Index auf dem Terminplan. Er spiegelt die Stimmung der Börsenprofis wider. Hier achten Investoren unter anderem darauf, ob und wie sich die Kursturbulenzen des vom Abgas-Skandal gebeutelten Volkswagen -Konzerns niedergeschlagen haben. Daneben drückte wohl auch die schwächelnde Konjunktur in den Schwellenländern auf die Stimmung.

Am Freitag verfallen zudem Optionen auf Indizes und einzelne Aktien. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

(reuters/moh)

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