Die Schweizer Börse ist am Donnerstag mit leichteren Notierungen in den Tag gestartet. Nachdem die Aktienmärkte acht Tage lang praktisch nur nach oben gewiesen hätten, sei nun der Zeitpunkt für eine Verschnaufpause gekommen, sagten Beobachter. Die Vorgaben von der Wall Street seien wenig inspirierend, weshalb die Gewinnmitnahmen nicht überraschten. Die jüngste Stärke des Schweizer Frankens habe diese Tendenz verstärkt.

Der Handel harrt im Lichte einer fragilen Konjunkturentwicklung einem neuen Reigen von Konjunkturdaten, den es am besten an der Seitenlinie abzuwarten gelte. Nach dem Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes aus der Eurozone stünden insbesondere am Nachmittag verschiedene US-Indikatoren im Fokus. Erwartet werden Angaben zur Produktivität und den Lohnstückkosten, den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, den Bauausgaben sowie zum ISM Index.

Globale Verlangsamung

Bis um 09.30 Uhr sinkt der SMI um 0,47 Prozent auf 5502,76 Punkte. Der 30 Titel umfassende, um die Gewichtung gekappte Swiss Leader Index (SLI) verliert 0,65 Prozent auf 830,69 und der Swiss Performance Index (SPI) 0,52 Prozent auf 5'023,09 Zähler.

Die Schweizer Wirtschaft kann sich der globalen Wachstumsverlangsamung nicht entziehen. Infolge nachlassender Dynamik im Ausland und dem starken Schweizer Franken hat sich das BIP-Wachstum im zweiten Quartal 2011 im Vergleich zum ersten Jahresviertel auf +0,4 Prozent verlangsamt.

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Die zuletzt gut nachgefragten konjunkturabhängigen Werte finden sich am Ende des SMI/SLI-Tableaus. So büssen allen voran Logitech um 5,4 Prozent ein. Zuvor hatten die Papiere der Mäuseherstellerin in den letzten drei Wochen von Tiefstwert um über 50 Prozent zugelegt.

Dahinter büssen Adecco 2,7 Prozent, Nobel Biocare 2,1 Prozent, Lonza 2,1 Prozent Kühne+Nagel 2,0 Prozent, Clariant 1,6 Prozent und Geberit 1,5 Prozent ein. Dies entspricht in etwa der umgekehrten Reihenfolge der gestrigen Gewinnerliste.

Unternehmensseitig bleibt die Nachrichtenlage aber dünn, entsprechend könnten Studien und Analystenkommentare verschiedene Kurse bewegen. So hat beispielsweise HSBC für SGS das Kursziel auf 1625 von zuvor 1910 Franken gesenkt, das Rating mit «Overweight» indes bestätigt. Zur Begründung für das tiefere Ziel verweisen die Analysten auf den starken Franken. Die SGS-Aktie sinkt um 0,8 Prozent auf 1'488 CHF.

Finanzwerte zumeist besser

Finanzwerte halten sich zumeist besser, hatten sich zuletzt aber etwas verhaltener als die Zykliker entwickelt. Bei den Banken büssen UNS 0,5 Prozent, Julius Bär 0,7 Prozent und Credit Suisse 0,2 Prozent ein. Die Abgaben bei den Versicherern ZFS (-0,4) und Bâloise (-0,6 Prozent) halten sich ebenfalls in Grenzen.

Die defensiven Schwergewichte tendieren - wie so oft in einem negativen Gesamtmarkt - stärker als der Rest. Roche (Bon -0,4 Prozent) hat für das Medikament Tarceva die Zulassung der EU für die Erstlinienbehandlung bei einem genetisch spezifischen Typ von Lungenkrebs erhalten. Novartis büssen 0,6 Prozent ein, während Nestlé um minime 0,02 Prozent sinken.

In der zweiten Reihe reagieren Meyer Burger mit einem Kurssprung von 5,4 Prozent auf starke Halbjahreszahlen. Der Solarindustriezulieferer hat auch die kühnsten Erwartungen der Analysten übertroffen und hat seine Prognose für die Profitabilität im laufenden Jahr angehoben. Die Experten sprechen von «überzeugenden» Zahlen und streichen den hohen Auftragseingang heraus, der bis weit ins Jahr 2012 hinein Sicherheit gewährleiste.

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Der Verpackungsmaschinenhersteller Bobst hat hingegen Zahlen geliefert, die unter den Erwartungen lagen. Der Gewinn habe trotz gutem Finanzergebnis und einer leicht höher als erwarteten Steuergutschrift die Prognosen deutlich verfehlt. Die Börse quittiert dies mit einem Abschlag von 7,8 Prozent.

(laf/rcv/sda/awp)