Das Geschehen an der Schweizer Börse war Händlern zufolge von der Angst vor einer sich abkühlenden Weltkonjunktur und einer weiteren Verschärfung der Schuldenkrise auf beiden Seiten des Atlantiks geprägt.

Nach der kurzen Erholungsphase zu Wochenbeginn sei die Nervosität gross gewesen, was sich in einem erneut gestiegenen Volatilitätsindex ausgedrückt habe, sagten Händler. Der einfache Optionsverfall habe diese Entwicklung verstärkt. Angeführt wurden die Verlierer von den konjunktursensiblen Zyklikern.

Der Swiss Market Index (SMI) verlor am Freitag 1,97 Prozent auf 5093,75 Punkte - im Wochenvergleich resultierte ein Minus von 3,0 Prozent. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index gab um 1,81 Prozent auf 760,09 und der breite Gesamtmarkt (SPI) um 1,82 Prozent auf 4'641,39 Zähler nach.

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Rezessionsangst

Rezessionsängste hinterliessen erneut tiefe Spuren in der Kursentwicklung konjunkturabhängiger Titel. Grosse Abgaben verzeichneten Swatch (-4,9 Prozent), Richemont (-3,4 Prozent), Adecco (-3,2 Prozent), ABB (-2,5 Prozent) und Clariant (-2,3 Prozent). Der anhaltende Rutsch der Erdölpreise schlug sich bei Transocean (-2,5 Prozent) und Weatherford (-4,5 Prozent) nieder. Holcim büssten lediglich 0,2 Prozent ein, nachdem die Papiere am Vortag nach Halbjahreszahlen mehr als acht Prozent eingebüsst hatten.

Bei den Finanzwerten standen die Grossbankenaktien Credit Suisse (-1,7 Prozent) und UBS (unverändert) im Fokus. Beide Institute traten im Tagesverlauf Gerüchten entgegen, sie hätten sich kurzfristig bei der SNB mit Kreditfazilitäten der amerikanischen Notenbank eindecken müssen. Zur CS seien zudem Gerüchte gestreut worden, die Dividende müsse gekürzt oder gar gestrichen werden.

Grössere Abgaben waren auch bei den Versicherungen Swiss Re (-2,5 Prozent) und Bâloise (-1,3 Prozent) zu sehen, während sich ZFS lediglich um 0,2 Prozent verbiligten.

Abwärtstrend auch bei Schwergewichten

Die Börsen-Schwergewichte konnten sich dem Abwärtstrend ebenfalls nicht entziehen. Roche gingen um 2,1 Prozent tiefer aus dem Handel und Novartis verloren 1,7 Prozent. Nestlé büssten gar 2,5 Prozent ein. In der Nahrungsmittelbranche machten Händlern zufolge Übernahmegerüchte die Runde. Offenbar würden Nestlé und der Branchennachbar Danone Kaufofferten von bis zu zehn Milliarden US-Dollar für die Babynahrung-Sparte Wyeth von Pfizer vorbereiten, hiess es in Handelskreisen. Nestlé wollte das Gerücht allerdings nicht kommentieren.

Entgegen dem Markttrend konnten Logitech (+2,0 Prozent) stark zulegen. Händler sprachen von Deckungskäufen im Zusammenhang mit dem Eurex-Verfall.

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Im breiten Markt stiegen Temenos um 5,4 Prozent, gestützt von der Übernahmeofferte von Hewlett-Packard für die britische Softwareschmiede Autonomy. Die satte Übernahmeprämie von nicht weniger als 64 Prozent sowie wiedererwachte Spekulationen um ein Interesse von HP-Konkurrenten wie Oracle oder SAP an Temenos hätten die Titel befeuert, hiess es im Handel.

Swissmetal stürzen ab

Am anderen Ende stürzten Swissmetal um 20,9 Prozent ab. Der Buntmetallverarbeiter Swissmetal hat im ersten Halbjahr 2011 einen riesigen Verlust geschrieben und kann die operativen Aktivitäten nur teilweise weiterführen. In der Folge kommt es am Standort Dornach zu einem Abbau von 268 Stellen.

Coltene schlossen nach enttäuschenden Halbjahreszahlen mit zehn Prozent im Minus. Ausserdem geben auch Titel wie Dätwyler (-4,4 Prozent), Zehnder (-1,4 Prozent) oder Alpiq (-6,9 Prozent) im Anschluss an die Publikation des Halbjahresberichts deutlich nach.

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Valiant hielten sich mit einem Minus von 0,7 Prozent etwas besser. Der Semestergewinn lag in etwa im Rahmen der Erwartungen. Zudem hat die Bank angekündigt, dass sie die Effizienz mit einer neuen Gruppenstruktur und der Schliessung von zehn Filialen verbessern will.

(laf/awp)