Der Schweizer Aktienmarkt hat am letzten Handelstag der Woche etwas schwächer eröffnet. Händler sprechen dabei in erster Linie von einer leichten Konsolidierung nach den zwei starken Vortagen. Vor allem am Donnerstag hatten die Hoffnungen, dass sich in der europäischen Schuldenkrise etwas tun könnte, die Märkte beflügelt und für ein Plus von 2,45 Prozent im SMI gesorgt.

Laut Analysten sind die Vorgaben aus den USA und Asien für den heutigen Handelstag zwar eher positiv, im Vorfeld der US-Arbeitsmarktzahlen, die für 14.30 Uhr vorgesehen sind, dürften sich die Märkte allerdings eher zurückhaltend und etwas nervös entwickeln. Je nachdem wie die US-Zahlen könnten die Märkte in die eine oder andere Richtung ausschlagen, so ein Händler. Für eine kleine Belastung der Märkte sorge ausserdem die Herabstufung von neun portugiesischen Banken durch die Ratingagentur Moody's, wobei dies allerdings nicht allzu überraschend sei, hiess es in Marktkreisen.

Um 09.30 Uhr steht der Swiss Market Index (SMI) 0,28 Prozent tiefer bei 5624,42 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) verliert derweil 0,10 Prozent auf 840,53 Punkte, und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,19 Prozent auf 5085,23 Zähler.

Unternehmensnews gibt es heute kaum, auch halten sich die Gewinner und Verlierer unter den Blue Chips zur Berichtszeit in etwa die Waage.

Nestlé als Verlierer

Der grösste Teil der SMI-Verluste geht auf ein deutliches Minus bei Nestlé (-1,3 Prozent auf 49,97 Franken) zurück. Dies, obwohl zwei Banken ihr Kursziel erhöht haben. Dabei springt vor allem die Deutsche Bank hervor, die es auf 54 (von 48) CHF hochgesetzt hat. Die Analysten der Bank gehen von einem guten Wachstum im dritten Quartal aus. Händler erklären die heutigen Abgaben bei Nestlé eher mit dem relativ starken Kursanstieg am Vortag (+1,6 Prozent). Bei den Schwergewichten ebenfalls im Minus notieren Roche (-0,2 Prozent), während Novartis (+0,3 Prozent) bei den Gewinnern zu finden sind.

Im Fokus stehen u.a. auch Holcim als Tabellenletzter (-3,0 Prozent). Der ehemalige langjährige CEO und Verwaltungsratspräsident Thomas Schmidheiny steigt wieder stärker beim Zementkonzern ein. Der Anteil seiner Schweizerischen Cement-Industrie-Aktiengesellschaft habe die Schwelle von 20 Prozent der Aktien von Holcim überschritten, teilte diese am Donnerstagabend mit. Die heutigen Kursverluste werden mit dem Anstieg von über 20 Prozent in den letzten zwei Wochen und mit Ratingrückstufungen von zwei grossen Banken in den letzten Tagen begründet.

Ebenfalls bei den grössten Verlierern zu finden sind Syngenta (-0,7 Prozent) und Swiss Re (-0,6 Prozent 45,43 Franken). Die Citigroup senkt das Kursziel für die Aktien des Rückversicherers deutlich auf 44,40. Der zuständige Analyst hat dies mit einer sektorweiten Anpassung aufgrund neuer makroökonomischer Annahmen begründet. Die Einstufung bleibt aber «Hold».

Knapp im Minus sind ausserdem die Banken CS und UBS mit je -0,2 Prozent. Der Sektor ist weiter im Gespräch. Im Steuerstreit mit den USA soll es kurz nach den Wahlen zu einer erste Lieferung von Kundendaten kommen, schreibt der «Tages-Anzeiger» . Dabei soll es nicht um statistische Daten, sondern um Kundendossiers mit Namen und Informationen zu mutmasslichen Steuersündern gehen.

Nobel Biocare mit starker Erholung

Die grössten Gewinner sind Nobel Biocare (+2,4 Prozent). Am Vortag waren die Titel des Dentalimplantate-Herstellers nach einer Rückstufung durch eine US-Bank grösster Verlierer gewesen. Ansonsten sind weiter vor allem zyklische Werte gesucht. Geberit und ABB legen je 1,3 Prozent zu, Adecco 1,2 Prozent. Letztere hatten am Vortag stark von der verbesserten Stimmung profitiert und über 7 Prozent zugelegt.

Im breiten Markt büssen Tecan 2,1 Prozent ein. Der Laborausrüster gab am Morgen überraschend bekannt, dass für den CEO Thomas Bachmann ein Nachfolger gesucht wird. Dies geschehe aufgrund veränderter Anforderungen an die höchste Führungsspitze wegen der Umstrukturierung des Unternehmens, hiess es. Klar schwächer notieren auch Coltene (-4,2 Prozent).

Orell Füssli (+2,8 Prozent) profitieren dagegen davon, dass das Unternehmen von der SNB grünes Licht für den Druck der neuen Banknotenserie erhalten hat. Klar im Plus liegen ausserdem u.a. Cytos (+5,7 Prozent), Valora (+4,1 Prozent), und Dätwyler (+3,5 Prozent).

(rcv/kgh/awp)