In China stehen nach den jüngsten Börsenturbulenzen mehrere mutmassliche schwarze Schafe aus der Finanzwelt am Pranger. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete am Montag, sechs Verdächtige hätten Geständnisse über illegale Geschäftspraktiken abgelegt.

Demnach gehören dazu neben Wertpapiermanagern auch ein Börsenaufseher und ein Finanzjournalist. Alle wurden namentlich genannt.

Talfahrt um rund 40 Prozent

Die chinesischen Aktienmärkte sind seit Mitte Juni um etwa 40 Prozent gefallen, weil sich das Wachstum der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft abkühlt und die Landeswährung Yuan im August überraschend abgewertet wurde.

Die Behörden wollen die Börsen stützen, indem sie gegen aus ihrer Sicht schädliche Handelsstrategien vorgehen. Sie kämpfen etwa gegen die Verbreitung von Fehlinformationen am Markt und gegen sogenannte Leerverkäufe, mit denen Anleger auf fallende Kurse wetten.

Korrupter Aufsichtschef

Laut Xinhua gaben vier hochrangige Führungskräfte des grössten chinesischen Brokerhauses Citic Securities Insiderhandel zu. Zudem habe ein Vertreter der Wertpapieraufsichtsbehörde CSRC gestanden, dass er gegen Schmiergeldzahlung seine Position dazu missbraucht habe, den Aktienkurs eines Unternehmens künstlich in die Höhe zu treiben.

Ein Reporter des angesehenen Wirtschaftsmagazins «Caijing» habe die Verbreitung von Falschinformationen eingeräumt, die zu «Panik und Chaos» geführt hätten. Er habe über den chinesischen Aktienmarkt geschrieben «auf Grundlage von Gerüchten und eigenen Mutmassungen». Damit habe er «dem Land und Investoren hohe Verluste» zugefügt.

Umstrittene Vorgehen

Der Journalist befindet sich einer früheren Xinhua-Meldung zufolge bereits in Haft. Ob auch die anderen Beschuldigten festgenommen wurden, war zunächst unklar. Detaillierte Angaben zu den Vorwürfen wurden nicht gemacht.

Von der Börsenaufsicht war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten, Citic Securities wollte sich nicht äussern. In China kommt es häufig vor, dass Staatsmedien vor wichtigen Gerichtsprozessen Geständnisse von Angeklagten veröffentlichen. Kritiker sehen diese Praxis als Verstoss gegen das Recht auf ein faires Verfahren.

(reuters/dbe/me)

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