Die Schweizer Anleger haben den Winterblues. Unter 8000 Punkten fiel der Leitindex der Zürcher Börse in der vergangenen Woche, heute geht es um weitere rund zwei Prozent nach unten. Julius-Bär-Ökonomin Stephanie Lindeck rechnet im Interview mit finanzen.ch mit weiter turbulenten Zeiten an den Finanzmärkten. Das Schlimmste könnte jedoch schon bald überstanden sein: «Der Schweizer Aktienmarkt befindet sich in einer Phase der Bodenbildung, da er bereits recht überverkauft ist», sagt die Finanzexpertin. Für die Schweizer Börse sei die Entwicklung des Frankens entscheidend.

Nun sei Qualität gefragt: Sichere Anlagen in Form von Staatsanleihen und Unternehmensanleihen mit hoher Bonität profitierten im derzeitigen Umfeld. «Bei Aktien eignen sich Wachstumstitel und Engagements in den Verbrauchermärkten der Industriestaaten», so Lindeck.

Zentralbanken reagieren bereits

«Vorlaufende Indikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes zeichnen ein schwächer werdendes Konjunkturbild für die USA, aber auch global», sagt Lindeck. Vor allem der Industriesektor leide unter der schwachen Nachfrage nach Investitionsgütern aus den Schwellenländern. Zusammen mit dem anhaltend niedrigen Ölpreis zementiere die globale Nachfrageschwäche deflatorische Tendenzen weltweit.

Dies ruft aber auch die Zentralbanken auf den Plan, die in der Vergangenheit häufig die Erholung an den Aktienmärkten eingeleitet hätten. Neben der Europäischen Zentralbank haben zuletzt auch die Notenbanken Japans und Englands auf die nochmals eingetrübten Rahmenbedingungen reagiert. «Die Bank of England hat ihre Zinsanhebungsabsichten nach hinten verschoben», so Lindeck. «Die Verunsicherung der Anleger bleibt dennoch gross.» Die Konjunkturschwäche in China habe das Anlegervertrauen nachhaltig beeinträchtigt.

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Midcaps laufen besser als Largecaps

Für den SMI sieht Lindeck Luft nach oben: In zwölf Monaten dürfte der wichtigste Schweizer Börsenindex ihrer Einschätzung nach bei rund 8800 Punkten stehen. Bemerkenswert sei heute die Entwicklung bei den Midcaps: Seit bereits etwa zwölf Monaten zeige sich hier eine entkoppelte Entwicklung. «Midcaps haben Largecaps um 13 Prozent outperformt», so Lindeck. Während Midcaps um 9 Prozent zulegten, gaben Largecaps um 4 Prozent nach.

Wie lässt sich das deutliche Auseinanderdriften erklären? «Der starke Franken und die Tatsache, dass der gesamte Bankensektor in den Largecaps vertreten ist, sind für diese Divergenz verantwortlich», sagt Lindeck. Ihre Einschätzung für den SMI bleibt neutral. «Die Entwicklung des Franken wird dabei ausschlaggebend sein. Durch die expansive Geldpolitik der EZB wird die SNB Schwierigkeiten haben, eine Aufwertung gegenüber dem Euro zu verhindern.»

Lesen Sie das ganze Interview mit Julius-Bär-Expertin Stephanie Lindeck auf finanzen.ch. Dort erklärt die Finanzexpertin, warum Japan nun positiv überraschen könnte.