Volatil werde das Aktienjahr 2016 – das war in den meisten Marktausblicken zu lesen, und bereits am ersten Handelstag im neuen Jahr sausten die Kurse an den Börsen querbeet in die Tiefe. Die von den Urlaubstagen zurückgekehrten Fondsmanager verkauften mitunter aus Angst vor einem Aufflackern der vielen geopolitischen Brandherde, aber wohl mehr noch aus Furcht vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung, denn die jüngsten Konjunkturdaten stimmen pessimistisch.

Frühindikatoren in China zeigen nach unten und der Einkaufsmanagerindex in den USA für das ver­arbeitende Gewerbe ist auf den tiefsten Stand seit 2009 gefallen. Das schmerzt und stellt die vom Markt so sehr herbeigesehnte Zinswende in den USA in Frage. Der ersten zaghaften Anhebung im Dezember folgt möglicherweise mehrere Quartale lang kein zweiter Schritt mehr.

Schlittert die Welt in eine Rezession, dürften die Börsen um 20 Prozent fallen

Warnende Stimmen vor einer Überschätzung der Konjunktur und der Unternehmensgewinne in den USA, in China, den Schwellenländern und Europa sind bereits seit längerer Zeit zu hören. In den Chor reihen sich neuerdings nicht nur die üblichen Verdächtigen ein, sondern auch Auguren wie David Levy oder Felix Zulauf, die in der Vergangenheit die Finanzmarktentwicklung erstaunlich treffsicher analysierten. Bereits seit rund einem Jahr steht der viel beachtete Value-Investor James Montier an der Seitenlinie und plädiert dafür, «trockenes Pulver» zu halten.

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Die Rückkehr von König «Cash» könnte 2016 Realität werden und die Gültigkeit des Dogmas von den als alternativlos angesehenen ­Aktien beenden. Um 15 bis 20 Prozent könnten die grossen Aktien­marktindizes gemäss Negativszenarien fallen, wenn die düsteren Konjunkturaussichten eintreffen und die Welt in eine Rezession fällt oder der Markt darüber zu spekulieren beginnt. 

Mr. Market hat noch keine Panik

Treffen schwache Konjunkturdaten mit einem oder mehreren traumatischen Terroranschlägen zusammen, werden die Kursverluste in der Spitze wohl noch gravierender sein. Gierig zu sein, wenn andere ängstlich sind, lohne sich, heisst es. Doch dafür ist es derzeit zu früh – Mr. Market hat noch keine Panik. 

Wer sich jetzt dennoch auf dem Aktienmarkt ­positionieren will, muss mehr denn je selektiv vor­gehen. Die rosigen Zeiten, wo «die Flut alle Boote hebt», wie das in den Jahren 2012 bis 2014 der Fall war, sind vorerst vorbei. Bei Kaufentscheiden gilt es auf Qualität zu achten. Die Bewertung muss tief sein, das Momentum hoch. Das trifft nur mehr auf wenige Titel zu. Soll die Bilanz zusätzlich robust sein und die Dividendenrendite ansprechend, wird die Auswahl – gelinde gesagt – überschaubar.

Erst kaufen, wenn Pessimismus grassiert

Besser fahren wohl Anleger, welche den Aktienanteil im Portfolio reduzieren, wenn sich die Märkte erholen und Kurs auf alte Hochs aufnehmen, und Aktien dann kaufen, wenn exogene Schocks die ­Börsen in Aufruhr versetzen oder rabenschwarzer Pessimismus grassiert.