Mit einer derartigen Börsenpanik hatten die wenigsten Experten zum Jahresstart gerechnet. Doch die Sorge um die Verfassung der chinesischen Wirtschaft lässt nicht nur die Börsen in Fernost einbrechen. Auch der SMI hat in dieser Woche kräftig verloren, am Freitagmorgen lag er knapp im Plus bei 0.2 Prozent.

Warum ist die Börse in China gerade jetzt eingebrochen?

Die jüngsten Konjunkturindikatoren waren nicht so schlecht, dass sie einen derartigen Einbruch der Börsen in Schanghai und anderen Handelsplätzen rechtfertigen würden. Die Autoverkäufe legten zuletzt sogar zu, auch der offizielle Einkaufsmanagerindex deutet nicht auf eine plötzliche Rezession.

Doch zum Jahreswechsel änderte Peking bestimmte Börsenregeln, eigentlich sollte ein Aktienverkaufsverbot auslaufen. Das setzte im ausgedünnten Neujahrshandel einen Dominoeffekt in Gang, sagt Harald Preissler, Chefökonom des Anleiheinvestors Bantleon. «Die Folge war ein starker Abwertungsdruck auf den Yuan, sodass sich die China-Hysterie – wie bereits im August 2015 – über die Devisenmärkte zu einer globalen Panik aufschaukelte.»

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Andere Ökonomen sind ebenfalls der Auffassung, dass erst die Abwertung von Chinas Währung die Börsenangst eskalieren liess.

Gibt es Hoffnung auf schnelle Besserung?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Mario Geniale ist verantwortlich für die Anlagepolitik der Banque CIC Suisse. Er glaubt dass die Märkte, weiter schwach bleiben. Seine Bank hat deshalb die Positionen in Schwellenländern verkauft. «Der SMI wird aufgrund der aktuellen Lage ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, wobei wir von einem limitierten und auch zeitlich begrenzten Effekt ausgehen», sagt er.

Andere Beobachter sind optimistischer: Bei Bantleon geht man davon aus, dass sich die Lage in den nächsten Tagen wieder beruhigt und die Anleger wieder stärker auf die fundamentalen Treiber der Finanzmarktentwicklung konzentrieren. «Das wiederum sollte dann auch den europäischen Börsen zurück auf die Beine helfen, zumal gerade die jüngsten Daten aus der Eurozone und der Schweiz vielversprechende Tendenzen zeigten», sagt Chefökonom Preissler.

Was bedeutet das für die Schweizer Börse?

Der SMI verlor gestern einmal mehr rund 2 Prozent, nachdem es zu Wochenbeginn bereits deutliche Abschläge gegeben hatte – ein Fehlstart ins neue Börsenjahr. Der Grund: Die Schweizer Wirtschaft ist global exponiert. Der wichtigste Leitindex wird getragen von den Pharma-, Finanz- und Industriewerten, die international sehr stark vernetzt sind.

«Etwas stützend mag wirken, dass der Franken und deshalb die in dieser Währung gehaltenen Aktien von Investoren historisch als ‚sicherer Hafen’ betrachtet werden», sagt Michael Romer, Aktienanalyst von der Bank Safra Sarasin.

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Was bedeutet die Börsenpanik für die Schweizer Wirtschaft?

Noch gibt es nicht allzu viele Indizien, die für China auf eine harte Landung der Wirtschaft deuten. Doch die Herausforderung ist gross: Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt steckt in einer «schwierigen Transformation», wie Philipp Grüebler von der Grüebler Vermögensverwaltung sagt.

Verschärfen sich die Probleme in Fernost, könnte das über Umwege aber auch die hiesigen Firmen treffen: «Die Schweiz, die im Export stark mit Europa und vor allem Deutschland verzahnt ist, müsste dies zeitlich verzögert auf realwirtschaftlicher Ebene ebenfalls zu spüren bekommen« sagt Safra-Experte Romer. Der starke Franken wäre dann eine zusätzliche Belastung.