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Börsianer dürften in luftiger Höhe Pause einlegen

Deutsche Börse: Warten auf die EZB.   Keystone

Mit Spannung warten die Anleger auf die kommende EZB-Sitzung. Derweil geht das Rätseln der Börsianer über den Zeitpunkt der US-Zinswende munter weiter.

Veröffentlicht am 11.04.2015

Nach der jüngsten Rekordjagd werden die meisten Anleger in der neuen Woche wohl eine Auszeit nehmen. "Die relative hohe Bewertung der Dax-Aktien spricht dafür, dass sich der Leitindex seitwärts bewegen wird", sagt Commerzbank-Experte Andreas Hürkamp. Am Freitag rückte das Börsenbarometer zeitweise auf eine neue Bestmarke von 12.390,75 Punkten vor. Seit Jahresbeginn ist der Dax um rund 25 Prozent gestiegen.

Trotz des jüngsten Höhenflugs sehen die meisten Experten die Börsen nach unten abgesichert. "Neben der expansiven Geldpolitik der weltweit wichtigsten Notenbanken und dem niedrigen Ölpreis erweist sich vor allem der schwache Euro als Kurstreiber", sagt Analyst Gregor Kuhn von IG Markets. Allerdings gibt es auch einige skeptische Stimmen: "Mit der Rally der vergangenen Wochen sind Euro-Aktien den fundamentalen Gegebenheiten weit enteilt", sagt Helaba-Analyst Markus Reinwand. "Angesichts der hohen Erwartungshaltung der Anleger hat die Gefahr von Enttäuschungen und damit von Kursrücksetzern deutlich zugenommen", warnt Reinwand.

EZB-Ratssitzung rückt in den Fokus

Mit Spannung werden die Investoren die zinspolitische Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittwoch verfolgen. An den Leitzinsen wird Notenbank-Chef Mario Draghi wohl nicht drehen. Vielmehr dürfte das mehr als eine Billion Euro schwere Anleihenkauf-Programm im Blickpunkt des Treffens stehen. Die Währungshüter werden nach Ansicht der Commerzbank mit der jüngsten Entwicklung ziemlich zufrieden sein. Schließlich hätten die Wirtschaftsindikatoren für den Euroraum seit der letzten Zinssitzung Anfang März meist positiv überrascht. Und nicht zuletzt: "Die längerfristigen Inflationserwartungen haben sich zuletzt zumindest stabilisiert, wenn auch auf einem weiter niedrigen Niveau." Folglich werde die EZB vorerst wohl eine abwartende Haltung einnehmen und von weiteren Maßnahmen absehen.

Die neuesten Konjunkturdaten aus den USA dürften von Börsianern erneut auf Hinweise für den Zeitpunkt der geplanten Zinswende abgeklopft werden. Schließlich treibt Anleger derzeit vor allem eine Frage um: Wann erhöht die US-Notenbank Fed die ultraniedrigen Zinsen? Viele Börsianer rechnen bislang im Sommer mit einem ersten Schritt. Ein deutlicher Anstieg der US-Einzelhandelsumsätze im März (Dienstag) dürfte die These unterstützen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft bald wieder Fahrt aufnehmen wird. Die Industrieproduktion (Mittwoch) dürfte hingegen erneut gefallen sein. Die Fed macht eine Zinserhöhung vor allem von einer nachhaltigen Erholung der US-Konjunktur abhängig.

US-Banken legen Zahlen vor

Jenseits des Atlantiks wird aber wohl die Geldpolitik von der gerade gestarteten Bilanzsaison in den Hintergrund gedrängt werden, die in der neuen Woche Fahrt aufnimmt. Die US-Banken dürften nach dem enttäuschenden Jahresausklang 2014 dieses Mal wieder für positive Nachrichten sorgen. Denn wenn es an den Aktien-, Anleihe- und Devisenmärkten besonders turbulent zugeht und die Kunden viel handeln, brummt bei den Geldhäusern das Geschäft. Das erste Quartal ließ in dieser Hinsicht keine Wünsche offen: Die Schweizer Notenbank schaffte überraschend den Mindestkurs des Franken zum Euro ab und sendete damit Schockwellen rund um den Globus, die EZB startete ihre billionenschweren Anleihekäufe und die US-Notenbank Fed heizte die Spekulationen der Anleger auf eine baldige Zinswende an.

Den Auftakt machen am Dienstag Branchenprimus JP Morgan und die stark auf das US-Hypothekengeschäft fokussierte Wells Fargo. Am Mittwoch folgen die Quartalsbilanzen der Bank of America, am Donnerstag berichten Citigroup und Goldman Sachs. Die Zahlen dürften Hinweise darauf liefern, wie es bei den europäischen Häusern gelaufen ist. Die Deutsche Bank, die mehr denn je auf das Investmentbanking setzt, hat ihren Quartalsbericht für den 29. April angekündigt.

Pessimistischer sind dagegen die Prognosen für andere Branchen. So dürften die Anleger ein besonderes Augenmerk auf den Siemens -Rivalen General Electric legen, der am Freitag Zahlen vorlegt. Hier erhoffen sie sich Hinweise darauf, wie kräftig der starke Dollar am Auslandsgeschäft der Industriekonzerne nagt.

Henkel lädt Aktionäre ein

In Deutschland stehen einige Hauptversammlungen auf der Agenda. So lädt der Konsumgüterkonzern Henkel am Montag seine Aktionäre ein, die auf Aussagen zum schwächelnden Russland-Geschäft und zu möglichen Zukäufen warten. Am Freitag treffen sich die Anteilseigner des Pharma- und Chemiekonzerns Merck.

(reuters/chb)

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