Das zweite Halbjahr habe sich operativ nochmals deutlich gegenüber dem ersten Semester verschlechter, teilte das Bekleidungsunternehmen Charles Vögele (Aktienkurs Charles Vögele) am Morgen mit. Um dem entgegen zu wirken, wurde neben einer erweiterten Konzernleitung auch eine neue Markenstruktur ausgegeben. Analysten und Marktteilnehmer zeigen sich aber skeptisch, ob diese Massnahmen Früchte tragen.

Gegen 9.45 Uhr stürzen die Titel um 15,7 Prozent auf 19,90 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit 2003. Gehandelt wurden bislang gut 65'000 Aktien und damit bereits mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Tagesvolumens. Der Gesamtmarkt (SPI) liegt mit 0,1 Prozent nur leicht im Minus.

Kepler reagierte mit einer Abstufung der Titel von «Hold» auf «Reduce» und halbierte das Kursziel auf 15 von 30 Franken. Es gebe offensichtlich strukturelle Probleme, die einige Zeit für eine Lösung brauchen, schreibt Analyst Jon Cox. Zudem helfe das aktuelle wirtschaftliche Umfeld und der starke Franken wenig.

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Spielball von Spekulanten

Die ZKB hält zwar noch an der Einstufung «Marktgewichten» fest, dies aber nur, weil die Titel nun möglicherweise wieder zum Spielball von Spekulanten werden könnten. Analyst Marco Strittmatter wird seine Schätzungen reduzieren und geht nun jeweils von einem Konzernverlust bis 2014 aus. Bei der Markenstrategie vollführe Vögele nun mit einer neuen Dachmarke anstatt der bisherigen Einzelmarken eine Kehrtwende.

Ein Händler bringt auch wieder die Rolle der Migros als grösster Anteilseigner ins Spiel. «Die Probleme bei Vögele versetzen die Migros immer mehr in Zugzwang», sagte der Börsianer. Sollte die Beteiligung wie immer wieder kommuniziert ein reines Finanzinvestment sein, wäre dies langsam ein finanzielles Debakel. Andererseits könne die Migros die nun optisch tiefen Kurse für ein Übernahmeangebot nutzen, was aber reine Spekulation bleibe. Migros gab auf Anfrage keinen weitergehenden Kommentar, die Beteiligung sei ein reines Finanzinvestment, wiederholte das Unternehmen. Mitte August hielt die Migros 22,4 Prozent an Vögele.

Vögele hat dieses Jahr bereits einige Male zurückgerudert. Nachdem zum Jahresergebnis 2010 noch eine Rückkehr auf den Wachstumspfad versprochen wurde, sollte laut Aussagen des Unternehmen von Mitte Juni wegen schwacher Umsätze durch den starken Franken nur noch ein «ausgeglichenes Konzernergebnis» erreicht werden. Dieses Ziel wurde dann mit den Halbjahreszahlen im August kassiert, als sich der damalige CEO Andre Maeder enttäuscht über die Entwicklung im ersten Halbjahr äusserte.

(laf/tno/sda)