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Chinas Renminbi deklassiert den Schweizer Franken

Die chinesische Währung ist auf dem Vormarsch. Mittlerweile ist der Renminbi im internationalen Handel wichtiger als der Schweizer Franken. Chinas Bemühungen scheinen zu fruchten.

Von Dominic Benz
am 29.01.2015

Der Renminbi ist auf dem Siegeszug. Im globalen Handel wird Chinas Währung immer wichtiger, im Dezember machte sie einen weiteren Sprung in Richtung Internationalisierung: Laut dem Transaktions-Netzwerk Swift gehört der Renminbi erstmals zu den fünf der weltweit am meisten gehandelten Währungen.

Damit hat Chinas Zahlungsmittel auch den Schweizer Franken überholt, der im Dezember nur noch auf Platz acht rangierte (siehe Bildergalerie oben). Zum Vergleich: Im Januar 2013 belegte der Franken noch den sechsten Platz, während der Renminbi weit abgeschlagen Rang 13 einnahm. Der Grund für den Schleichgang des Frankens sieht David Marmet, Devisenexperte der Zürcher Kantonalbank, im kürzlich bekannt gegebenen Ende der Euro-Untergrenze.

Transaktionen in Renminbi verdoppelt

«Durch die faktische Anbindung des Frankens an den Euro hatte die Schweizer Währung für Investoren und Zentralbanken an Attraktivität verloren.» Statt Franken habe man direkt Euro kaufen können.

Die Top-Währungen im internationalen Zahlungsverkehr sind nach wie vor der Dollar und der Euro. Drei Viertel aller weltweiten Transaktionen werden mit den beiden Devisen abgewickelt. Mit Abstand folgen das britische Pfund und Japans Yen. Mittlerweile hat sich Chinas Devise aber ebenfalls zu einem Standard-Zahlungsmittel gemausert.

China forciert Liberalisierung des Handels

Zwar hält sich der Handel mit dem Renminbi verhältnismässig noch immer in Grenzen. Im Dezember wurden 2,2 Prozent aller Zahlung mit der Währung getätigt. Dennoch ist der Sprint des Renminbi in den vergangenen Monaten beachtlich. 2014 verdoppelten sich die Transaktionen gegenüber dem Vorjahr. Seit 2012 haben sie sogar um 361 Prozent zugenommen, schreibt die « Financial Times». Vor allem internationale Unternehmen, Investoren und Hedge Funds handeln immer häufiger mit Chinas Währung.

Hinter dem Vormarsch des Renminbis steckt in erster Linie Chinas Regierung. Sie versucht seit Monaten die Währung stärker bei internationalen Investoren zu etablieren und mittelfristig zu einer globalen Reservewährung zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, öffnet China den Handel. «China liberalisiert in kleinen Schritten die Finanzplätze und den Renminbi-Handel», sagt ZKB-Mann Marmet. Das habe den Vormarsch der Währung beflügelt.

Zürich soll Renminbi-Hub werden

So konnten bis vor kurzem Ausländer an den Finanzplätzen in Schanghai und Shenzhen nicht investieren. Doch mit der Lancierung des «Shanghai-Hongkong Stock Connect»-Programms Ende 2014, ist es nun auch ausländischen Investoren möglich, über einen Broker in Hongkong Aktien in der Volksrepublik zu kaufen. Damit werden Chinas Börsen Teil des weltweiten Aktienmarkts.

Ebenso öffnet China den Direkthandel zwischen Renminbi und anderen Währungen. Chinesischen Banken ist es seit letztem Herbst möglich, den Euro unmittelbar in Renminbi einzutauschen. Auch entstehen immer häufiger Handelszentren für die Währung im Ausland. So ist in Frankfurt ein Hub entstanden, über den deutsche Firmen ihren Renminbi-Zahlungsverkehr nun direkt abwickeln können. Auch Los Angeles soll zu einer Drehscheibe für den Handel werden.

Laut Berichten von Chinas staatlicher Nachrichtenagentur werde auch in Zürich ein Renminbi-Hub entstehen. Am WEF in Davos wurde demnach dafür eine Absichtserklärung unterzeichnet.

«Renminbi könnte Yen und britisches Pfund überholen»

Der globale Siegeszug des Renminbi dürfte denn auch weitergehen. «Das war nicht der letzte Sprung, den der Renminbi gemacht hat», sagt ZKB-Experte Marmet. Ein wichtiger Schritt könnte im Juni geschehen: Der bekannte US-Finanzdienstleister MSCI plant chinesische Aktien in seinen Schwellenländer-Index aufzunehmen. Chinas Währung dürfte weltweit immer wichtiger werden, so Marmet.

«In einigen Jahren könnte der Renminbi sogar den Yen und das britische Pfund überholen.» Gleichzeitig gilt aber auch: Nachdem die SNB nun den Frankenkurs wieder freigegeben hat, dürfte auch die Schweizer Währung künftig noch stärker in den Fokus der Händler geraten.

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