Von Krisenstimmung war in den ersten sechs Monaten an der Schweizer Börse keine Spur. In den meisten Bereichen haben die Papiere eine gute Entwicklung hingelegt, nur in wenigen gab es Verluste. Der Blick auf die Sieger- und Verlieraktien birgt darum manche Überraschung.

Im wichtigsten Schweizer Aktienindex, dem Swiss Market Index (SMI), der die 20 grösstkapitalisierten hiesigen Unternehmen listet, haben zwischen Anfang Januar und Ende Juni mehr als die Hälfte der Papiere eine positive Performance hingelegt. Lediglich sieben der Schweizer «Blue Chips» weisen eine negative Bilanz auf. Insgesamt schaffte der SMI seit Jahresbeginn ein Plus von über vier Prozent. 

Gewinne dank Geldpolitik 

Auch mit anderen Schweizer Aktien konnten Anleger gutes Geld verdienen. Der breiter aufgestellte Swiss Performance Index (SPI), der über 200 Aktien umfasst, legte im gleichen Zeitraum sogar um gut 8 Prozent zu. Da im SMI die Dividenden nicht miteingerechnet sind, liegen die beiden Indizes nach sechs Monaten fast gleichauf.

Für gute Stimmung an den Aktienmärkten sorgte nicht zuletzt die andauernde lockere Geldpolik der globalen Zentralbanken, welche die Märkte weiter mit billigem Geld schwemmen. Zudem verharren die Zinsen auf Rekordtiefen. Alternativen zu Aktien gibt es kaum. Die Investoren griffen daher – wenn auch volumenmässig eher verhalten – im ersten Halbjahr bei Wertpapieren von Unternehmen zu.

Gesuchte Pharmatitel

Top-Performer im SMI sind die Aktien des Allschwiler Biopharmakonzerns Actelion. Sie legten einen Spurt von über 50 Prozent hin. Beflügelt hatte den Kurs zuletzt eine erfolgreiche Phase-III-Studie mit dem Actelion-Medikament Selexipag gegen Lungenbluthochdruck. Die Analysten zeigten sich von den Resultaten überzeugt und hoben ihre Gewinnschätzungen an. Die Papiere von Actelion sind die einzigen «Blue Chips», die auch im Gesamtmarkt weit oben aufschwimmen. 

Ebenfalls gut performt haben die Papiere des Genfer Duftstoffherstellers Givaudan, die um knapp 20 Prozent vorrückten. Auch die Aktien des Zementriesen Holcim verzeichneten Gewinne. Das Plus beträgt über 18 Prozent. Dafür gesorgt hat vor allem die Fusion mit dem französischen Konkurrenten Lafarge.

Auch die drei Indexschwergewichte haben positive Monate hinter sich. Während die Papiere des Pharmarisen Novartis um über 10 Prozent zulegten, rückten jene des Konkurrenten Roche und des Lebensmittelherstellers Nestlé je um über 5 Prozent vor.

UBS auf Stand vom Dezember

Zu den grössten Verlierern im SMI gehören die Geldhäuser. Die Bussen- und Sanktionswellen für Banken haben die Investoren vergrault. Rund um den Globus ermitteln die Behörden wegen möglichen Manipulationen im Edelmetall-, Devisen- und Zinsmarkt. Die Papiere der Grossbank UBS büssten in den ersten sechs Monaten knapp zwei Prozent ein und sind mit einem Preis unter 17 Franken wieder auf den Stand von Mitte Dezember gefallen. Die Konkurrentin Credit Suisse litt ebenfalls unter Abschlägen. Das Minus beträgt rund 4 Prozent. 

Das Schlusslicht im SMI bildet die Privatbank Julius Bär. Deren Aktien notieren auf Halbjahressicht mit einem Abschlag von über 10 Prozent. Unter Druck stehen seit Januar die Papiere des Technologieunternehmens ABB. Sie nehmen unter den Verlierern den zweiten Platz ein. Schuld waren unter anderem die schwachen Zahlen im ersten Quartal. 

Nebenwert mit plus 900 Prozent

Der grosse Überflieger im Schweizer Gesamtmark heisst Santhera. Die Aktie ging mit einem Plus von über 900 Prozent durch die Decke – damit ist der Konzern natürlich klarer Sieger im SPI. Noch im letzten Jahr war die Zukunft des angeschlagenen Liestaler Pharmaunternehmens wegen hoher Verluste ungewiss. Doch mit der Kapitalzusage von 10 Millionen Franken durch den Vermögensverwalter YA Global im letzten Jahr dürfte der Konzern wieder ausreichend finanziert sein.

Zudem kommt das in Nordamerika Catena und in Europa Raxone genannte Medikament von Santhera einer Zulassung in beiden Märkten näher. Laut Experten könnte das Präparat insgesamt einen Jahresumsatz von 600 Millionen Franken generieren. 

Verheissungsvolle Nebenwerte

Auch die Aktien des Werbevermarkters Publigroupe belegen mit einem Gewinn von knapp 140 Prozent einen Spitzenplatz im SPI. Die Übernahme durch die Swisscom ist auf gutem Weg, muss aber noch durch die Wettbewerbsbehörden abgenickt werden.

Die teils extremen Kursgewinne im SPI zeigen, dass auch bei Nebenwerten mit vergleichsweise geringerem Börsenwert und geringerer Umsatzbasis ein grösseres Kurspotenzial schlummert als bei den «Blue Chips».

Cytos als Schlusslicht

Im Gesamtmarkt ganz abgefallen sind die Papiere des konkursiten Biotechnologiekonzern Cytos. Der Kurs notierte am vergangenen Freitag noch bei rund 20 Rappen. Beim Allzeithoch im Jahre 2007 wurden die Papiere noch mit 152 Franken bewertet. Im ersten Halbjahr 2014 mussten die Investoren erneut einen Abschlag von über 90 Prozent hinnehmen.

Cytos ist faktisch zahlungsunfähig, seitdem der letzte Medikamenten-Kandidat in der Pipeline der Firma nicht gewirkt hatte. Derzeit laufen Gespräche mit Gläubigern. Cytos will versuchen, die operative Tätigkeit stark reduziert weiterzuführen.

Die Luft wird dünner

Die grundsätzlich gute Stimmung an den Aktienmärkten dürfte im zweiten Halbjahr anhalten. Laut Statistik ist in der zweiten Jahreshälfte mit weiteren Kursanstiegen zu rechnen. Doch die Luft nach oben dürfte dünner werden. 

Das Problem: Schweizer Aktien sind mittlerweile nicht mehr günstig zu haben. Der Blick auf historische Daten verrät, dass das Kurs/Gewinn-Verhältnis in den vergangenen 25 Jahren selten so hoch war wie aktuell. Zumindest eine Verschnaufpause ist auch am hiesigen Aktienmarkt deshalb nicht unwahrscheinlich.

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