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Deutsche machen Schweizer Exporteuren Mut

Nach der schlagartigen Aufwertung notiert der Franken jüngst wieder etwas schwächer – eine gute Nachricht für die Schweizer Wirtschaft. Neue Prognosen nähren die Hoffnung auf Besserung.

Von Mathias Ohanian
am 30.01.2015

Wohin bewegt sich der Franken? Diese Frage stellen sich tausende Unternehmenslenker. Ist die Schweizer Währung zu stark, verhagelt das den Exporteuren die Geschäfte und könnte gar die ganze Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandprodukt um ein halbes Prozent zurückgehen, 2016 lediglich stagnieren, erwarten die Konjunkturforscher der ETH in ihrer neuen Prognose. Auch die Arbeitslosigkeit könnte steigen, so die Kof-Experten.

Für ihre Prognose veranschlagten sie Parität zwischen den beiden Währungen, ein Franken dürfte mittelfristig also ein Euro wert sein. Ende vergangener Woche jedoch gewann die Gemeinschaftswährung unerwartet deutlich an Wert und kostete am Freitag rund 1.05 Franken. Damit ist dann auch klar: Sollte der Franken weiter schwächer notieren, wird das der Schweizer Wirtschaft gut tun.

SNB dürfte Einlagezins weiter senken

Zusätzlich Mut machen nun die Ökonomen der Landesbank Bayern (LB): Sie erwarten in einer am Freitag veröffentlichten Analyse auf Jahressicht zwar keine Rückkehr auf das Mindestkursniveau von 1.20. Doch der Franken dürfte weiter abwerten, stellen sie in Aussicht, der Wechselkurs womöglich bei 1.10 notieren. Den Hauptgrund dafür wähnen die Ökonomen vor allem in der Politik der SNB. Diese dürfte demnach den Einlagezins nochmals um 50 Basispunkte zulasten des Frankens senken, schreibt BayernLB-Ökonom Manuel Andersch.

«Angesichts einer sich nur langsam verbessernden Schweizer Wirtschaft mit deutlich negativen Inflationsraten gegenüber einem sich graduell erholenden Euro-Raum dürfte die Franken-Abwertung noch weitergehen», heisst es in der Analyse. Das wäre eine gute Nachricht für die Konjunktur. Werden die Auswirkungen also halb so schlimm?

Inoffizieller Mindestkurs?

Öfter hört man, die Schweizer Unternehmer könnten mit einem Kurs von 1.10 leben. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf etwa erklärte diesen Kurs jüngst für «verkraftbar» für die Schweizer Wirtschaft.

Gemäss Recherchen der « Schweiz am Sonntag», die sich auf SNB-nahe Kreise beruft, operiert die Nationalbank mit einer Art inoffiziellem Euro-Mindestkurs. Von einem «Korridor» von 1.05 bis 1.10 Franken ist die Rede. Dieses Ziel, das nicht nach aussen kommuniziert wird, lässt sich die Nationalbank einiges kosten: Verluste bis zu 10 Milliarden Franken dürften in Kauf genommen werden, sagt eine Quelle der Zeitung zufolge.

Grexit könnte Franken steigen lassen

Für die Prognose gebe es laut den Ökonomen der BayernLB jedoch zwei Risikoszenarien: Einerseits könne der Franken fester notieren, wenn es entgegen der heutigen Erwartungen zu einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kommt. Andererseits könne der Franken noch etwas stärker nachgeben, wenn die SNB als Reaktion auf den Wirtschaftseinbruch den Einlagezins noch tiefer in negative Gefilde absenkt als angenommen.

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