Börsen-Bär Albert Edwards sieht seine Zeit wieder gekommen. Der Mann der Société Générale tourt derzeit durch Europa, um den Anlegern den Ausstieg aus Aktien schmackhaft zu machen. Vor zehn Tagen machte der Brite, der sich gerne salopp in Ringelpulli oder Blümchenhemd kleidet, auch in Zürich halt. «Null Prozent Aktien, alles in Cash und ein wenig Gold zur Absicherung», lautet derzeit das Anlagerezept des notorischen Schwarzsehers und Crash-Propheten.

Das Publikum im vollen Saal des Hotels Savoy en Ville reagierte irritiert. Die Reaktion der Besucher ist verständlich, denn auf den ersten Blick gibt es kaum einen Grund, weshalb die Party an den Börsen nicht weitergehen sollte. Weltweit klettern die Aktienkurse in die Höhe, in den USA und in Deutschland notieren die Märkte auf Allzeithoch. Auch in der Schweiz nimmt der Swiss Market Index erneut einen Anlauf auf die Rekordmarke von 2007. Die damals erreichten 9531 Punkte sind bis heute unübertroffen.

Nur zwei Mal lief es ähnlich lange gut

Dennoch steigt unter den Anlegern die Skepsis, ob die Fahrt nach oben an den Börsen in diesem Tempo weitergehen kann. In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Schweizer Leitindex verdoppelt, andere Aktienmärkte haben sich gar verdrei- oder vervierfacht. Keine Ausnahme, aber aussergewöhnlich Nur zweimal in den vergangenen 60 Jahren lief es an der Börse ähnlich lange gut: Ab März 1981 stiegen die Börsen gut sechseinhalb Jahre lang und erzielten ähnliche Zuwächse wie heute. In den fast sechs Jahren nach dem Dezember 1992 ging es dann bis zur Asienkrise erneut deutlich nach oben.

Die aktuelle Rally ist also keine Ausnahme, aber im historischen Vergleich am oberen Ende der zeitlichen Erwartung. Die «Handelszeitung» hat deshalb die fünf grössten Gefahren unter die Lupe genommen, die der Feststimmung an den Börsen einen Strich durch die Rechnung machen könnten – von der Geldpolitik über die latenten Krisenherde Europas, vom Bewertungsanstieg von Aktien und Anleihen über die weiterhin verhaltene Stimmung an den Börsen bis hin zur Konjunktur.

Erhöhte Alarmstufe

Vor allem bei zwei Risikofaktoren ist eine erhöhte Alarmstufe angesagt: Derzeit finden die Börsianer kein Gehör für die latenten Krisenherde in Europa. Weder der mögliche Austritt Griechenlands oder gar Grossbritanniens aus der Euro-Zone sorgt für Aufregung noch die Ukraine- Krise, die vergangenes Jahr noch unruhige Wochen an den Finanzmärkten mit sich brachte. Ein Wiederaufflammen einer dieser Krisen könnte für verstärkte Verunsicherung an den Finanzmärkten sorgen.

Dazu kommt die bis heute weitgehend verhaltene Börsenstimmung – ungewohnt angesichts dieser Jahrhundert-Rally. Diese Zurückhaltung sorgt auch bei Beobachtern für Sorgenfalten. Einerseits ist sie Ausdruck für den anhaltenden Vertrauensverlust der Anleger im Nachzug der Finanzkrise, anderseits nehmen Investoren im derzeitigen Tiefzinsumfeld lieber Minusrenditen bei Obligationen oder bisweilen gar Negativzinsen auf Bargeld in Kauf, anstatt auf Aktien umzusatteln. In diesem noch immer fragilen Umfeld braucht es mitunter gar nicht so viel, um nach acht Jahren Pause wieder einen Börsencrash auszulösen, der den Anlegern so richtig wehtut.

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