Iran droht mit der Blockierung der Strasse von Hormus. Gut ein Drittel des Rohöls muss durch das Nadelöhr zwischen Oman und Iran. Was bedeutet eine Blockade für den Ölpreis?
André Diem: Es ist eine heisse Situation. Falls Iran die Strasse von Hormus wirklich besetzen würde, wäre ein Ölpreis-Schock unvermeidlich. Ein Fass der Sorte Brent, das derzeit 113 Dollar kostet, wäre rasch mehr als 140 Dollar wert.

Wie schlägt sich das auf die Kurse ­der Ölkonzerne nieder?
Da muss man unterscheiden. Generell gilt: Die Aktien derjenigen Firmen, die am stärksten vom Ölpreis abhängig sind, würden kurzfristig am stärksten steigen. Das wären die Papiere von Unternehmen wie Schlumberger, Weatherford, Halliburton oder Transocean – also von sogenannten Ölservicegesellschaften, die nur Öl fördern. Die kassieren hohe Mieten für ihre Förderungsanlagen. Kostet Öl mehr, können sie von einem Tag auf den andern anstatt 500'000 über 700'000 Dollar Tagesmiete verlangen. Kurzfristig ­würden deren Aktien dank der Mehreinnahmen um bis zu 30 Prozent steigen.

Was ist mit Riesen wie BP und Shell?
Diese «integrierten» Gesellschaften, die im Ölgeschäft die ganze Wertschöpfungskette abdecken, würden weniger profitieren. Aber auch deren Aktien hätten 10 Prozent Aufwärtspotenzial. ­Zudem sind die Obligationen der Firmen wegen deren geringer Verschuldung ­attraktiv.

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Spinnen wir das Szenario weiter − welche Folgen hätte eine langfristige Blockade?
Wäre die Strasse längere Zeit zu, dann würde das eine weltweite Rezession auslösen. Sie müssen wissen: Öl ist zum aktuellen Preis eigentlich zu teuer. Der richtige Ölpreis liegt bei rund 80 Franken. Würden die Notierungen weiter steigen, ginge die Nachfrage danach auf der ­ganzen Welt zurück, weil weniger produziert und weniger verbraucht würde. Für ­Öl­firmen und deren Aktien hiesse das auf mittlere Frist also ein Abwärtstrend.

Welchen Einfluss hat der aktuelle Generalstreik in Nigeria, dem grössten Ölförderland in Afrika?
Nigeria fördert gut 4 Prozent des weltweiten Rohöls. Auch wenn die Hälfte durch einen Streik wegfallen würde, gleicht die Opec das mit links aus. Viel entscheidender für den Preis ist, dass ein Grossteil des Öls staatlich gefördert wird. Und die meisten eben politisch instabile Länder sind. Deshalb ist der Ölpreis überhaupt auf dem hohen Niveau.

Tendenz stiegend?
Neben der politischen Komponente sind für Ölaktien mittelfristig die Infla­tionstendenzen entscheidender. Das ­anstehende QE3 in den USA als auch die Massnahmen der EU gegen die Schuldenkrise führten und führen zu einer massiven Steigerung der Geldmenge. Ich spreche vom Faktor drei innerhalb weniger Jahre. Da es aber immer noch etwa gleich viel Öl auf der Welt gibt, wird es immer teurer. 180 Dollar pro Fass sind daher im Bereich des Möglichen.

Was halten Sie von direkten Öl-Investments?
Öl direkt zu kaufen, ist mit zu hohen Kosten verbunden. Auch auf Bankprodukten auf Erdöl bezahlt man hohe Gebühren.

Was empfehlen Sie?
Wir verfolgen etwa die sogenannten Öl-Explorers genau. Das sind Firmen, die sich auf das Finden und Fördern von Öl fokussieren und keine Tankstellen ­betreiben. Ein anderer attraktiver Investmentbereich sind Ölsand-Firmen. Wie der grösste kanadische Energieproduzent Suncor Energy.

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Was ist speziell daran?
Die Firma sitzt auf Boden, der ­einen auf 25 Jahre gesicherten Abbau von Ölsand ermöglicht. Das ist doppelt bis dreimal so lange wie bei der Konkurrenz.

Wie sieht die Zukunft der Ölaktien aus?
Je länger der Ölpreis über 100 ­Dollar pro Fass verharrt, desto gefragter ­werden alternative Energien. Meine ­Prognose deshalb: Langfristig werden ­Solaraktien die Ölaktien überflügeln!

 

André Diem ist Geschäftsführer von Diem Client Partner und Spezialist für Ölaktien.