Die Ukraine-Krise hat in den vergangenen die Monaten die internationalen Börsen stark belastet. Europäischen Titel reagierten mit Ausschlägen auf Schritte der Eskalation. Doch für Anleger ist es der schlechteste Zeitpunkt, um aus der Euro-Börse auszusteigen. Dieser Ansicht ist Nick Sheridan, Fondsmanager des Henderson Horizon Euroland Fonds. «Aus Investorensicht ist es falsch, in der Krise zu verkaufen», sagt Sheridan, «denn es wird politisch eine Lösung geben, das war noch immer so.»

Zwar trifft die politische Unsicherheit die Risikobereitschaft der Unternehmer, sagt Anastassios Frangulidis, Chefökonom der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Denn die Exporte aus dem EU-Raum seien wegen der Sanktionen deutlich zurückgegangen. Christian Zogg, Stelllvertretender Geschäftsführer LLB Asset Management AG, geht aber davon aus, dass die kurzfristigen Auswirkungen überschaubar bleiben.

Experten erwarten keine Eskalation mit Russland

«Natürlich werden einige Branchen, wie deutsche Autobauer und spezialisierte Maschinenbauer getroffen», so Zogg. So sprächen neueste Studien davon, dass ein russischer Boykott für deutsche Fahrzeughersteller einen Gewinnausfall von rund 500 Millionen Euro bedeuten könnte. «Das ist nicht wenig.» Doch Zogg gibt Entwarnung: Dies seien lediglich Einzelfälle.

Zumindest, solange der Weg der Gespräche gesucht wird. «Eine militärische Eskalation würde den Aktienmarkt stark beeinflussen», sagt Anastassios Frangulidis, Chefökonom der ZKB, «ich glaube aber nicht, dass die Lage völlig ausser Kontrolle gerät. Dafür ist Russland zu stark abhängig von der EU.» Langfristig gehen die Analysten deswegen davon aus, dass die Märkte die Ukraine-Krise überwinden werden. «Allenfalls könnte sich aber das Verhältnis von Russland zu Europa tatsächlich deutlich abkühlen», so Zogg.

Krisenländer im Süden haben Potenzial

Unabhängig von der Ukraine-Krise sei der europäische Aktienmarkt aber äusserst attraktiv: «Verglichen mit den USA sind Aktien in Europa im Moment unterbewertet und deswegen billig zu haben», sagt Sheridan.

Das bekräftigt Frangulidis und nennt einen weiteren Grund, weswegen europäische Unternehmen für Investoren derzeit interessant sind: «Die EZB wird ihre Geldpolitik expansiver gestalten. Dies dürfte der europäische Konjunktur und Aktienmarkt helfen.» Wie weit in den kommenden Monaten aber eine Anpassung erfolgt, sei schwer vorauszusehen. «Wir sehen für den EuroStoxx bis Ende Jahr durchaus Potenzial von rund 5 Prozent», sagt Zogg.

«Am interessantesten ist Spanien»

Interessant scheinen derzeit insbesondere die früheren Krisenstaaten Italien und Griechenland. Unternehmen dieser Länder seien laut Henderson-Experte Sheridan noch stärker unterbewertet als die restliche EU. Er warnt andererseits vor einem Einstieg in französische Aktien: „Hier sehe ich derzeit noch kein Wachstum“, sodass sich ein Einstieg im Moment nicht lohne.

«Bei weitem am interessantesten ist Spanien», sagt der Ökonom Frangulidis. Das Land habe viele Reformen hinter sich. «Spanien hat im zweiten Quartal 2014 innerhalb der ganzen EU das höchste Wachstum ausgewiesen.»