Kurz vor zwölf Uhr steigt der Euro-Franken-Wechselkurs über die Marke von 1.04 Franken je Euro. Die Gemeinschäftswährung war geradezu beflügelt. Um 09.00 Uhr morgens lag der Kurs noch bei 1.02747 Franken. Dann nahm der Euro Anlauf auf die 1.03-Franken-Marke, die er kurz nach 10.00 Uhr knackte, um zuerst langsam, dann rasant zu steigen.

Um 11.00 Uhr lag der Kurs schon bei 1.03426 Franken je Euro. Um 12.00 Uhr schloss der Kurs dann bei einem neuen Tageshoch von 1.04484 Franken. Das ist der höchste Stand seit der Aufhebung der Kursuntergrenze. Innerhalb von nur einer Stunde legte der Euro also um knapp einen Rappen zu. Innerhalb von drei Stunden sogar fast schon um zwei ganze Rappen. Nur fünf Minuten nach dem Höchststand notierte der Franken dann aber auch gleich wieder 0.5 Rappen tiefer.

Der Kurs stabilisierte sich danach bei knapp 1.04 Franken je Euro. Seit der Mittagszeit schwankt der Euro zwischen 1.038 und 1.042 Franken. Um 16.00 Uhr kostet ein Euro 1.0467 Franken. Damit ist die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Franken um zwei Prozent gestiegen.

Ungewöhliche Volatilität

Diese Schwankungen sind höchst ungewöhnlich an Devisenmärkten. Verantwortlich dafür ist die grosse Unsicherheit nach dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die Kursuntergrenze aufzugeben. Das Währungspaar ist seither auf einem wilden Ritt. Dass die Europäische Zentralbank die Geldschleusen weit öffnete, war der grossen Verwirrung am Markt nicht gerade abträglich.

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Das plötzliche Erstarken des Schweizerfrankens bereitet Tourismus- und Industrieverbänden Kopfzerbrechen. Um einer drohenden Rezession zu entgehen, erlaubte der Bundesrat Johann Schneider-Ammann Kurzarbeit für betroffene Unternehmen.

Kursziel: 1,07 Franken je Euro

Doch schon seit Tagen hangelt sich die Gemeinschaftswährung wieder vorsichtig nach oben. Auch zum Dollar geriet der Franken unter Druck, so dass der Greenback um zwei Prozent auf 0,9241 Franken kletterte. Dies löste Spekulationen aus, die SNB könnte über Dollar-Käufe den Franken geschwächt haben.

«Niemand weiss genau, ob sie intervenieren», sagte ein Händler. Vermutlich greife die SNB aber über einen Währungskorb ein – und kaufe nicht mehr alleine den Euro. Stratege Ian Stannard von Morgan Stanley rechnet für Ende des Jahres mit einem Kurs von 1,02 Franken je Dollar und 1,07 Franken je Euro.