Die Aufträge für langlebige Güter in den USA waren im September nicht so stark wie erwartet gesunken. Der gut gestartete Dow Jones Industrial , den Meldungen über festgefahrene Verhandlungen mit den Banken nur zwischenzeitlich belasten konnten, stand zum Handelsschluss 1,39 Prozent höher bei 11'869 Punkten. Damit knüpfte der Leitindex an seinen vortags unterbrochenen Aufwärtstrend an. Für den breiter gefassten S&P 500 ging es am Mittwoch um 1,05 Prozent auf 1242 Punkte hoch. An der Technologiebörse Nasdaq fiel die Erholung moderater aus: Der Composite-Index ging 0,46 Prozent fester bei 2650 Punkten aus dem Handel, während der Auswahlindex Nasdaq 100 ein knappes Minus von 0,05 Prozent auf 2334 Punkte verbuchte.

Laut Aussagen von Polens Premier Donald Tusk, dem amtierenden EU-Ratspräsidenten, stehen die 17 Euro-Staaten kurz vor einer Einigung auf Massnahmen gegen die Schuldenkrise. Auch die Beteiligung der Finanzinstitute an einem Schuldenschnitt für Griechenland werde in diesem Zusammenhang geregelt. Europa verordnet seinen Grossbanken strikte Risikovorsorge für einen teilweisen Schuldenerlass. Damit rückt ein Rettungspaket für das von der Pleite bedrohte Mittelmeerland näher, auch wenn Politik und private Gläubiger heftig stritten und die Verhandlungen zwischenzeitlich unterbrochen waren. Die Euro-Staaten setzten Banken und Versicherer massiv unter Druck, auf mindestens die Hälfte ihrer Forderungen an Griechenland zu verzichten.

Boeing an Dow-Spitze

Die Bankentitel profitierten naturgemäss überdurchschnittlich von den Aussagen aus Europa. So legten Bank of America um 2,01 Prozent auf 6,59 US-Dollar zu und JPMorgan verteuerten sich um 2,06 Prozent auf 34,18 Dollar.

Einige Unternehmensberichte sorgten ebenfalls für gute Stimmung: Bei Boeing liessen ein weit über den Erwartungen liegender Quartalsgewinn und ein höherer Gewinnausblick den Kurs um 4,46 Prozent auf 66,56 Dollar steigen. Damit besetzten die Aktien des Flugzeugbauers den ersten Platz im Dow. Der Ölkonzern ConocoPhillips hatte zwar angesichts von Anteilsverkäufen und Produktionsausfällen in Libyen einen Gewinnrückgang verzeichnet. Bereinigt um Sondereffekte wie diese Verkäufe oder steuerliche Veränderungen hatte das Unternehmen indes die Markterwartungen übertroffen, worauf die Aktien mit einem Plus von 1,71 Prozent auf 71,89 Dollar reagierten.

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Amazon brechen ein

Dagegen schockte der Ausblick von Amazon auf das Weihnachtsquartal die Aktionäre, so dass die Titel um 12,66 Prozent auf 198,40 Dollar einbrachen. Der weltgrösste Online-Händler pumpt seit einiger Zeit massiv Geld in den Ausbau seines Geschäfts, scheint in seinem Wachstumsdrang aber die Kosten aus den Augen zu verlieren. Ausgerechnet im so wichtigen Schlussquartal könnte schlimmstenfalls ein Verlust von operativ bis zu 200 Millionen Dollar entstehen, hatte der Konzern gewarnt. Die Aktien von Nasdaq OMX verloren ungeachtet des vierten Rekordquartals in Folge 0,74 Prozent auf 24,27 Dollar. Wegen des regen Handels an den Marktplätzen des Börsenbetreibers, der vor der Übernahme durch den Konkurrenten Deutsche Börse steht, waren die Umsätze um 18 Prozent nach oben geschnellt.

Der Autobauer Ford hatte derweil unter gestiegenen Materialpreisen gelitten, weshalb der Gewinn trotz des gestiegenen Absatzes zurückgegangen war. Die Aktien reagierten mit einem Minus von 4,51 Prozent auf 11,87 Dollar. Die Titel von Sprint Nextel gaben ungeachtet eines Kundenzuwachses um 7,04 Prozent auf 2,51 Dollar nach. Hier belasteten der 16. Quartalsverlust in Folge und die Ankündigung der Telefongesellschaft, bis zu sieben Milliarden Dollar für neue Mobiltelefone und eine Erneuerung des Netzes zu benötigen.

First Solar erholt sich etwas

Die Aktien von First Solar erholten sich indes mit plus 6,56 Prozent auf 46,11 Dollar etwas von dem Absturz, der sie am Vortag ein Viertel ihres Werts gekostet hatte. Dass das Solarunternehmen nach der Entmachtung seines Konzernchefs zum zweiten Mal in diesem Jahr die Prognose senkte, konnte die Anleger nicht mehr schocken.

(laf/awp)