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Facebook-Börsengang im Zwielicht

Der Facebook-Börsengang macht viele Anleger misstrauisch. (Bild: Keystone)

Vorwürfe über Vorwürfe - der Facebook-Börsengang ging ziemlich in die Hose. Nun sieht sich das Soziale Netzwerk auch einer Klage gegenüber.

Veröffentlicht am 23.05.2012

Der verpatzte Börsengang von Facebook wird zum Fall für Aufsichtsbehörden und Gerichte. Nachdem ausgerechnet das boomende Soziale Netzwerk einen der übelsten Börsenstarts der jüngeren Geschichte hinlegt hat, mehren sich die Zweifel, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Von Mauscheleien ist die Rede und groben Pannen. Anleger haben erste Klagen eingereicht und auch die US-Börsenaufsicht SEC hat sich eingeschaltet.

Dass aus dem hochgejubelten Börsengang ein juristischer Schlagabtausch wird, kommt nicht von ungefähr: Während Facebook und die Alteigentümer satte 16 Milliarden Dollar einnahmen, verlor ein Investor der ersten Stunde bis Dienstagabend 18 Prozent seines Geldes. Die zu 38 Dollar ausgegebene Aktie stand noch bei 31 Dollar. Erst heute Mittwoch scheint die Talfahrt zumindest vorerst gestoppt. Kurz nach Börsenstart lag der Kurs mit 3,45 Prozent im Plus bei rund 32 Dollar.

Klage wegen Schlamperei

Die Kanzlei Glancy Binkow & Goldberg aus Los Angeles reichte am Dienstag im Namen ihres Mandanten Klage vor einem kalifornischen Gericht ein. Die Anwälte werfen Facebook, den Alteigentümern und den Bankenvor, die Börsenunterlagen schlampig zusammengestellt und wichtige Informationen zum Geschäft und dessen Aussichten verschwiegen zu haben. Die Kanzlei strebt eine der gefürchteten Sammelklagen an und fordert Wiedergutmachung im Namen aller Geschädigten.

Die Anwälte halten der Gegenseite in einer Erklärung insbesondere vor, verheimlicht zu haben, dass die beteiligten Banken kurz vor dem Börsengang ihre Gewinnprognosen für das Soziale Netzwerk gesenkt hätten. Namentlich werden Morgan Stanley, JPMorgan Chase und Goldman Sachs aufgeführt. Das sind die drei sogenannten «Lead Underwriter», also die wichtigsten Organisatoren des Börsengangs.

Bei ihren Vorwürfen stützen sich die Anwälte auf Berichte von US-Medien, unter anderem vom «Wall Street Journal». Demnach haben nur eine Handvoll ausgewählter Grosskunden der Banken von den gesenkten Erwartungen an das künftige Facebook-Geschäft erfahren. Entsprechend vorsichtig seien diese Kunden dann beim Kauf von Facebook-Aktien geworden.

Vorhersagen nach unten korrigieren

Das Blog «Business Insider» ging am Dienstag sogar noch einen Schritt weiter: Ein Facebook-Manager habe den Analysten dazu geraten, ihre Vorhersagen nach unten zu korrigieren, hiess es unter Berufung auf eine ungenannte Quelle. Die SEC-Chefin Mary Schapiro sagte, ihre Behörde gehe «Fragen» rund um den Börsengang nach.

Die federführende Bank Morgan Stanley erklärte am Dienstag, alle Regularien eingehalten zu haben. Das Wall-Street-Haus hat einen Ruf zu verlieren, schliesslich wickelt Morgan Stanley einen grossen Teil der Börsengänge im Silicon Valley ab. Facebook selbst schwieg weiterhin.

Am harmlosesten wirkt momentan noch der Vorwurf, die Banken hätten sich bei der Nachfrage verschätzt und zu viele Papiere auf den Markt geworfen. Ursprünglich hatte Facebook einen Stückpreis zwischen 28 und 35 Dollar angepeilt. Dann jedoch stockte das Unternehmen den Ausgabepreis und die Zahl der Aktien kräftig auf - was sich nun als fataler Fehler herausstellt.

Zuckerberg hielt sich aus Details heraus

Nach Informationen des «Wall Street Journal» war es die Entscheidung von Facebook-Finanzchef David Ebersman, die Zahl der angebotenen Aktien um ein Viertel zu erhöhen. Zuvor habe ihm Morgan Stanley allerdings versichert, dass die Nachfrage sehr hoch sei. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg soll sich weitgehend aus den Details des Börsengangs herausgehalten haben.

Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das «Wall Street Journal» veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit fünf Jahren so miserabel gelaufen. Nachdem die Facebook am Montag bereits 11 Prozent verloren hatte, ging es am Dienstag um weitere 9 Prozent runter. Ähnlich übel, aber nicht ganz so schlimm, war vor einigen Monaten auch der enge Facebook-Partner und Spieleentwickler Zynga an der Börse gestartet.

Auch die Technologiebörse Nasdaq muss weiter heftige Kritik einstecken. Sie gestand jetzt ein, dass sie den Börsengang abgeblasen hätte, wenn ihr vorher das gesamte Ausmass der technischen Probleme bewusst gewesen wäre. Wegen Systemfehlern wussten Investoren am Freitag zum Teil über Stunden nicht, ob ihre Aufträge erfüllt worden waren. Einige Order wurden gar nicht ausgeführt. Ein Anleger hat nun Klage vor einem Gericht in Manhattan eingereicht.

(laf/rcv/sda/awp)

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