Die Euro-Zone trifft sich zum nächsten Krisengipfel, Griechenland steht am Rand der Zahlungsunfähigkeit, die Ratingagentur Standard & Poor’s stuft die Bonität Italiens zurück. «Es gibt in der Euro-Zone nur noch schlechte Alternativen», fürchtet Peter Kugler, Wirtschaftsprofessor an der Universität Basel.

Ein möglicher Zusammenbruch der Euro-Zone schreckt auch die Politik in der Schweiz auf. Denn die Flucht in den Franken könnte nach einem Kollaps erneut zunehmen. Dann müsste die Schweizerische Nationalbank möglicherweise Dutzende oder gar Hunderte von Milliarden Franken für den Kauf von Euro-Anlagen einsetzen, um die Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro zu verteidigen.

Spuhler fordert Kauf von Aktien aus dem Euro-Raum

«Dann sollte sie dafür wenigstens reale Werte kaufen statt europäische Staatsanleihen mit grossem Abwertungspoten­zial», fordert SVP-Nationalrat Peter Spuhler. Er denkt vor allem an Aktien von Unternehmen im Euro-Raum oder in den USA. Auch die FDP empfiehlt der Nationalbank, ihre Devisenmarktinterventionen zu nutzen, um strategische Firmenbeteiligungen im Ausland zu erwerben, wie Vizepräsident Markus Hutter bestätigt. «Mit der aktuellen Entwicklung in der ­Euro-Zone wird das immer dringender», sagt er. Spuhler und Hutter hoffen, dass die Nationalbank von sich aus ihre Anlagepolitik anpasst. Direkte Vorgaben können sie ihr gar nicht machen, ohne die Unabhängigkeit zu gefährden.

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«Die Vorschläge sind sinnvoll», findet der UBS-Ökonom Caesar Lack. Er schlug im Juli die Gründung eines Staatsfonds für solche Investitionen vor: «Mit 90 Prozent ihrer Devisenreserven in Anleihen hat die Nationalbank ein Klumpenrisiko in der Bilanz. Mit Realwerten wie Aktien, Immobilien oder Rohstoffen erhält sie einen Schutz vor Inflation aus der Euro-Zone.»

Für die Nationalbank ist eine solche Neuausrichtung der Anlagepolitik aber derzeit kein Thema. Und angesehene Geldpolitiker warnen gar vor einem derartigen Schritt.