Der Goldpreis erlitt mit einem Minus von 25 Prozent den stärksten Quartalsverlust seit 40 Jahren – also seit der Freigabe des Goldpreises Anfang der 1970er-Jahre. Was ist los?
Peter Frech: Der Goldpreis steckt in einer Delle – und zwar zwischen den Ängsten von gestern, also der Eurokrise und einem möglichen Kollaps des Finanzsystems, und der Angst von morgen, der Rückkehr der Inflation. Es handelt sich dabei um ein reales Risiko, das für die meisten Leute aber noch zu weit weg ist. Und in der Tat gibt es aktuell keine Indikatoren, dass die Inflation schon morgen zurückkehren wird.

In den ersten beiden Quartalen haben ETFs schätzungsweise 650 Tonnen Gold verkauft – und auch die Notenbanken zeigen sich zurückhaltend. Was spricht nach dem Preisschock noch für Gold?
Wie bereits erwähnt wird der nächste grosse Treiber der Goldhausse die Inflationsangst sein. Zudem würde sicher auch helfen, wenn die Notenbanken mit der expansiven Geldpolitik fortfahren.

Kurzfristig keine Kaufsignale?
Der Drang nach Gold ist bei Anlegern derzeit nicht gross.

Was ausser der Preisspekulation der Investoren beeinflusst den Goldpreis?
Nichts. Ich bin beispielsweise kein Freund von Goldflussstatistiken und dergleichen – das sind irrelevante Daten im Vergleich zur globalen Anlegernachfrage und dem Bedürfnis, Gold zu horten. Entscheidend dafür sind die Realzinsen, also die Zinsen abzüglich der Inflation. Je tiefer, desto besser für Gold.

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Der Goldpreis pendelt also zwischen zwei Ängsten. Oder anders formuliert: Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte?
Heute ist die rückblickende übertriebene Angst vor einem Kollaps des Euro und des Bankensystems ausgepreist. Ja, wahrscheinlich liegt der heutige Goldpreis nahe an der Wahrheit. Aber es stellt sich die Frage: Sind die Grundprobleme wirklich gelöst? Überschuldung der Staaten? Verdeckte Schulden? Marode Rentensysteme? All diese Themen werden heute mit jährlich negativen Realzinsen von etwa zwei Prozent sachte weginflationiert – doch die Probleme bleiben.

Heisst also für Anleger, dass…
… mit vorausschauendem Blick auf fünf Jahre Gold als Versicherung gegen ein Hochinflationsszenario nach wie vor sinnvoll ist.

Also jetzt kaufen?
Die Versicherung ist günstiger geworden. Wer vor einem Jahr beispielsweise den Anlageentscheid gefällt hatte, fünf Prozent seiner Werte in Gold anzulegen, liegt jetzt durch die relative Performance voraussichtlich bei etwa zwei Prozent – und kann also wieder zugreifen, indem beispielsweise gut gelaufene Anlagen wie High-Yield-Bonds oder US-Aktien verkauft werden.

Zukaufen heisst: physisches Gold?
Ja. Physisches Gold oder ein mit physischem Gold hinterlegter ETF sind der Kern. Wer einen zusätzlichen Hebel will, handelt mit Silber.

Was soll mit dem Goldvreneli in der Schublade passieren?
Auch hier gilt grundsätzlich der Versicherungsgedanke – deshalb würde ich das Goldvreneli jetzt behalten.

Und das Thema Gold über Aktien spielen?
Goldminenaktien haben massiv korrigiert, gelten aktuell als Value-Anlagen und sind verhasst. Das ist unter dem Strich eine gute Kaufgelegenheit.

Konkret?
Wir investieren primär in Unternehmen mit gesunder Bilanz, die einen positiven Free Cashflow erwirtschaften und folglich nicht auf Fremdfinanzierungen angewiesen sind. Im Silberbereich ist dies beispielsweise Pan American Silver. Eine weitere Möglichkeit: Regis Resources aus Australien. Diese Mine profitiert von einer ebenfalls gefallenen Heimwährung, so dass die Margen robust bleiben. Und mit ähnlicher Ausgangslage präsentiert sich Yamana Gold, die vor allem in Südamerika tätig sind.

Einzelaktien im Goldminenbereich – das tönt nach Höchstrisiko-Investment.
Ja. Deshalb empfehlen wir auch Unternehmen, die mehrere Minen betreiben; zudem diversifizieren wir geografisch. Andernfalls ist das operative Risiko unter Umständen grösser als die Gewinnchancen bei einem Anstieg des Goldpreises.

Peter Frech ist Fondsmanager des Quantex Strategic Precious Metal Fund.