Der Goldpreis hat sich auch 2015 nach unten entwickelt. Macht sich das bei Ihnen bemerkbar?
Andreas Hablützel*: Ja, durchaus. Ganz konkret sehen wir das daran, dass wir vermehrt physisches Gold in Form unserer Goldbarren oder Anlagemünzen verkaufen. Dabei kommt der tiefe Goldpreis vielen Privatanlegern natürlich sehr gelegen. Sie entschliessen sich, Gold in physischer Form zu erwerben anstelle von Optionen oder Papieren. Geopolitische Unsicherheiten und mögliche Wirtschafts- und Finanzkrisen sind hierbei wichtige Argumente für die Investoren. Wir sehen ausserdem vermehrt Kunden, die in kleinen Denominationen Gold erwerben, wie zum Beispiel Barren in den Gewichtsgrössen 1 Unze, 50 Gramm oder 100 Gramm.

Wo sehen Sie den Goldpreis mittelfristig?
Wir sehen mittelfristig einen steigenden Goldpreis. Für das aktuelle Jahr gehen wir von einer Preisspanne von 1020 bis 1300 Dollar pro Unze aus. Sollten jedoch die globalen Finanz- und Wirtschaftsprobleme in den nächsten sechs Monaten zunehmen, könnten wir dieses Jahr schon Kurse über 1300 Dollar sehen.

Glauben Sie persönlich also an Gold als sicheren Hafen?
Absolut. Gold ist und bleibt der sichere Hafen. Nicht umsonst ist Gold die stärkste Währung seit dem Jahre 2001 - vor Christus! Generell sollte man Gold viel mehr als langfristige Anlageform ansehen, weniger als kurzfristige Spekulationsanlage. Wenn Sie die Preisentwicklung der letzten zehn Jahre betrachten, weist der Kurs in Schweizer Franken ein Plus von knapp 140 Prozent auf. Gold ist als Vermögensabsicherung zu verstehen. Das sehen übrigens auch die Zentralbanken so, die zu den Netto-Goldkäufern zählen, zulasten ihrer Währungsreserven.

Anzeige

Die Deutschen sind bekannt für ihre Liebe zum Gold. Und die Schweizer?
Unser Nachbar Deutschland ist sicherlich goldaffiner als wir Schweizer.

Wie kommt das?
Ich denke, der Hauptgrund ist, dass das deutsche Volk mehrmals sein Vermögen verloren hat - durch Enteignungen, Kriege und Währungsreformen. Wir bemerken aber auch eine spürbare Goldaffinität unserer Eidgenossen. Im Gespräch mit der Kundschaft stellt sich zunehmend heraus, dass sich auch die Schweizer stetig Gedanken zu globalen Finanz- und Wirtschaftskrisen machen. Viele sind mittlerweile davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, bis zu 20 Prozent des Vermögens in physischem Gold als Versicherungsschutz anzulegen.

* Andreas Hablützel ist von Chef Degussa Goldhandel Schweiz.