Man hatte schon das Schlimmste befürchtet: Die Wahl in Griechenland am Sonntag galt als Schicksalswahl für das Land und für den Euro - viele hatten Sorge, dass das radikale Linksbündnis Syriza die Mehrheit erhält. Dieses hatte im Vorfeld der Wahl eine Aufkündigung des Sparprogramms angekündigt. Investoren und Politik hatten daher bereits das Szenario eines griechischen Euro-Aus durchgespielt - und das hätte schlimme Folgen gehabt. Auch für die Schweiz: So müsse mit einer Verschlechterung der Auftragslage gerechnet werden, da die Wachstumsdelle in der Eurozone die Nachfrage nach Schweizer Gütern bremse, prophezeite das Bakbasel. Nun aber ist Aufatmen angesagt: Gesiegt haben am Sonntag in Athen die Konservativen mit der Partei Neo Dimokratia. Sie erreichten 29,7 Prozent, die Linken 26,9. 

In der Folge erreichte die europäische Gemeinschaftswährung den höchsten Stand seit einem Monat, die Börsen starteten mit satten Kursgewinnen. Der Dax begann die Woche mit Aufschlägen von 1,4 Prozent. Auch die Leitindizes in Frankreich, Spanien und Italien gewannen zwischen einem und zwei Prozent. DeSchweizer Leitindex SMI legte bis um 09.30 Uhr um 0,68 Prozent auf 5'951,77 Punkte zu. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) gewann 0,93 Prozent auf 889,34 und der breite SPI 0,70 Prozent auf 5'541,81 Zähler. Zuvor hatten bereits die asiatischen Börsen vom Euro-Hoffnungsschimmer profitiert. Der Nikkei-225-Index in Japan stieg kurz vor Handelsschluss um 1,89 Prozent auf 8.731,43 Punkte.

Doch die Erholung steht noch auf wackeligen Beinen. In Europa gibt es noch genug zu tun, finden Marktbeobachter. Auch wenn das Schlimmste vorerst abgewendet scheint - Sorgen um das ebenfalls schwer angeschlagene Spanien beschäftigen die Händler weiter. Ausserdem bleibe die Lage in Griechenland unklar. 

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«Es gibt ein kurzfristiges Aufatmen», sagte Belinda Allen, Investmentanalystin bei Colonial First State Global Asset Management in Sydney der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. «Wir alle wissen, dass Griechenland noch einen langen und harten Weg vor sich hat und die Probleme Europas durch diese Wahl nicht gelöst sind.» Ein Händler sagte zudem: «Wir haben munkeln gehört, dass die Pasok-Partei keine Koalition ohne die linksradikale Syriza bilden will und die hat dazu bereits nein gesagt.» Nun werde gehofft, dass die Pasok-Partei ihre Einstellung noch ändert. «Wenn nicht, wird die Unsicherheit Händler wieder dazu bewegen, risikobehaftete Anlagen zu verkaufen.»

(laf)