Die Schweizer Börse hat ein bewegtes erstes Halbjahr 2015 hinter sich. Unsicherheiten waren allgegenwärtig und setzten den Schweizer Leitindex SMI, der die 20 grösstkapitalisierten hiesigen Unternehmen listet, heftig unter Duck. Das hatte Folgen: Für die Periode zwischen Anfang Januar bis Ende Juni weisen lediglich sechs Titel eine positive Bilanz auf.

Der Blick auf die Gewinner- und Verlierertitel birgt einige Überraschungen. Unter den Top-Performern befinden sich trotz der Turbulenzen fast ausschliesslich konjunkturabhängige Aktien, sogenannte zyklische Titel. Die Aufschläge waren jedoch nicht gross genug, um den SMI in die Gewinnzone hieven. Am Dienstagvormittag verzeichnete der Index unter dem Strich seit Jahresbeginn ein Minus von etwas mehr als 2 Prozent.

Schock zum Jahresbeginn

Schon Anfang Januar kam der grosse Börsen-Schock: Am 15. Januar hob die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf. Der SMI brach innerhalb von zwei Tagen um gut 14 Prozent ein – einer der grössten Absacker in der Geschichte der Schweizer Börse. Der starke Franken lastet seitdem vor allem auf exportorientierten Titeln. Für zusätzliche Unsicherheit sorgte nun die Schuldenkrise in Griechenland.

Unterstützung erhielten die Aktienkurse hingegen von der anziehenden Konjunktur in den USA und in Europa sowie von der lockeren Geldpolitik der grossen Notenbanken. Die Europäische Zentralbank etwa schwemmt seit März die Märkte mit billigem Geld. Zudem verharren die Zinsen nach wie vor auf Rekordtiefs. Erneut gab es in diesem Halbjahr kaum Alternativen zu Aktien. Die Investoren griffen daher trotz Frankenstärke auch bei Schweizer Titeln zu.

Übernahme-Angebote beflügeln

Besonders gefragt waren die Titel des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta. Sie legten in den ersten sechs Monaten um rund 20 Prozent zu und sind damit die Sieger im SMI. Profitiert haben die Aktien in erster Linie von den Übernahme-Absichten des US-Saatgutherstellers Monsanto.

Die Silbermedaille geht an das Baselbieter Biotechnologie-Unternehmen Actelion – die einzigen defensiven und damit konjunkturunabhängigen Titel. Sie legten um gut 18 Prozent zu. Bereits im letzten Jahr gehörten die Titel zu den Siegern. Zuletzt waren die Aktien auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Getrieben wurde der Kurs von einem informellen Übernahmeangebot des irischen Pharmakonzerns Shire. Dieser wolle laut Berichten über 160 Franken je Actelion-Aktie auf den Tisch legen.

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Banken schwimmen oben auf

Drittbester Titel im ersten Halbjahr sind jene der UBS. Die Grossbank punktete bei den Anlegern mit guten Geschäftszahlen und der weiteren Reduzierung von Risiken. Zudem hat die UBS ihren Konzernumbau weiter stark vorangetrieben. Insgesamt stieg der Aktienkurs in diesem Jahr um rund 15 Prozent.

Auch die Bank Julius Bär gehört mit einem Plus von rund 14 Prozent zu den Gewinnern. Treiber waren immer wieder unbestätigte Übernahmegerüchte. Derzeit hofft das Institut auf eine schnelle Einigung im US-Steuerstreit. Der Deal könnte die Bank Julius Bär 350 Millionen Dollar kosten.

Adecco profitiert von globaler Konjunktur-Erholung

Die Aktien des Personalvermittlers Adecco legten zwischen Januar und Juni gut 10 Prozent zu. Vor allem die Erholung der globalen Konjunktur schob die Titel an.

Schlusslicht bei den Gewinner-Aktien im SMI bilden die Papiere der UBS-Konkurrentin Credit Suisse. Sie stiegen um rund 6 Prozent. Der scheidende Konzern-Chef Brady Dougan bescherte den Anlegern zu seinem Abschied gute Quartalszahlen. Hoffnungen setzen die Investoren jetzt auf Dougans Nachfolger Tidjane Thiam, der das Ruder der Grossbank Anfang Juli übernimmt.

Transocean als grosser Verlierer

Auf der Verliererseite im SMI stehen die Index-Schwergewichte Novartis und Roche. Die Titel der beiden Pharmakonzerne verzeichnen unter dem Strich ein Minus von 1,4 beziehungsweise 2,8 Prozent. Deutlich im roten Bereich performte der Lebensmittelriese Nestlé mit über minus 7 Prozent. Für manch andere Titel ging es jedoch sogar zweistellig nach unten (den ganzen Überblick gibt es in der Bildergalerie oben).

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Auch im zweiten Halbjahr werden Frankenstärke und die Krise in Griechenland den SMI fest im Griff haben, so viel ist sicher. Die Luft nach oben scheint vorläufig begrenzt zu sein. Die kleine Hoffnung: Eine schnelle Lösung im hellenischen Schuldenstreit dürfte dem SMI sowie den weltweiten Aktienmärkten einem Befreiungsschlag gleich kommen und für ein Kursfeuerwerk sorgen.

Warten auf Zinswende

Ebenfalls bestimmend für das zweite Börsenhalbjahr wird die US-Zentralbank sein. Experten rechnen damit, dass die Währungshüter um Chefin Janet Yellen die Zinsen erstmals seit 2008 noch in diesem Jahr anheben werden. Die Zinswende würde viele globale Aktien unattraktiver machen und den Märkten wahrscheinlich erneut turbulente Zeiten bescheren.