Rekordsturz nach der Zwangspause: An der Börse in Athen sind die Kurse am Montag nach einer fünf Wochen langen Schliessung um mehr als 16 Prozent in die Tiefe gerauscht. Das war der tiefste Fall binnen eines Handelstags in der Geschichte der Börse.

Die Aktienkurse der Banken sackten gar um 30 Prozent ab. Das Überleben der Kreditinstitute wird seit Monaten durch Notkredite gesichert. Der Leitindex Athex rauschte gleich zu Handelsbeginn in die Tiefe. Wenige Minuten nach dem Börsenstart hatte er bereits knapp 23 Prozent verloren - unter anderem weil die Kurse der Banken dramatisch einbrachen.

Zehn Milliarden in 40 Minuten verbrannt

Aber auch andere Grosskonzerne büssten heftig ein, darunter der Stromversorger PPC, der Wettanbieter Opap und der Telekommunikationskonzern OTE. Der Radiosender Skai berichtete, bereits 40 Minuten nach Handelsbeginn seien durch die Kursverluste zehn Milliarden Euro verbrannt worden.

Am Mittag lag das Minus immer noch bei gut 18 Prozent, bei Börsenschluss dann bei 16,23 Prozent oder 668,06 Punkten. Einen ähnlich tiefen Absturz der Kurse hatte es nach Angaben des Börsenbetreibers im Dezember 1987 gegeben. Damals rauschten die Kurse um 15,3 Prozent in die Tiefe.

Keine Beschränkungen für ausländische Investoren

Die Börse war seit dem 29. Juni parallel zu den griechischen Banken geschlossen, nachdem Regierungschef Alexis Tsipras für den 5. Juli den Volksentscheid über die Auflagen der Gläubiger für ein umfassendes Kreditprogramm angekündigt hatte. 61 Prozent der Teilnehmer des Referendums stimmten dagegen - die Regierung akzeptierte jedoch wenige Tage später sogar schärfere Bedingungen.

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Die Banken des Landes sind bereits seit dem 20. Juli wieder geöffnet, allerdings gelten aufgrund der Kapitalverkehrskontrollen Beschränkungen für Abhebungen. Auch für den Börsenhandel gibt es nun Auflagen: So dürfen griechische Anleger Aktien nur mit Bargeld oder über ausländische Konten handeln - nicht aber über ihre griechischen Bankkonten. Für ausländische Investoren gibt es keine Beschränkungen.

Riesige Summen abgezogen

Die Kreditinstitute des Landes befinden sich seit Monaten in einer finanziellen Notlage, weil angesichts der andauernden Schuldenkrise Sparer riesige Summen Kapital von ihren Konten abzogen. Nach Angaben des griechischen Bankenverbands wurde seit Dezember 40 Milliarden Euro abgezogen. Inzwischen gelten Kapitalverkehrskontrollen.

Die Umsätze der kleinen und mittleren Unternehmen im Land fielen wegen der Kapitalverkehrskontrollen im Schnitt um die Hälfte kleiner aus, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage des Unternehmerverbands ergab. Er liess vom 21. bis 27. Juli rund tausend Firmen befragen.

Einzelhändler am Rande des Kollapses

Mehr als die Hälfte der Betriebe - vor allem Einzelhändler - sagten, sie hätten mehr als die Hälfte der Umsätze eingebüsst, seit die Kontrollen in Kraft seien. Knapp ein Drittel verlor sogar mehr als 70 Prozent des Umsatzes.

Vom 29. Juni bis zum 20. Juli durften die Griechen nur 60 Euro am Tag abheben. Seit dem 20. Juli sind es 420 Euro pro Woche. Überweisungen ins Ausland sind für Privatleute nicht erlaubt; Firmen brauchen eine Genehmigung.

Einkaufsmanager-Index auf Rekordtief

Nach den wochenlangen Bankenschliessungen liegt auch die Industrie in Griechenland am Boden. Der am Montag vom Markit-Institut veröffentlichte Einkaufsmanager-Index fiel auf ein Rekordtief. Mit einem Wert von 30,2 Zählern ist der Wachstumsbereich oberhalb von 50 Punkten weit entfernt.

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Einen niedrigeren Stand haben die Forscher seit Beginn der Umfragen in dem Ägäis-Land 1999 noch nicht gemessen. Zudem sackten auch die Teil-Barometer für die Produktion und die Auftragseingänge jeweils auf Rekordtiefs ab.

(sda/gku/mbü)